Und jetzt?

Ernüchternd ist es, wenn man etwas, was man vermeintlich konnte, plötzlich nicht mehr kann. Vielleicht geht es auch weniger um das Talent das man in sich trug, als der Eifer mit dem man diese Sache verfolgte. Und plötzlich ist es da. Dieses weiße Blatt Papier und der blinkende Cursor lacht einen aus. Weil er weiß, dass die Worte keinen Sinn ergeben werden. Vielleicht taten sie es ja nie. Aber man hatte das Gefühl man hätte, wie alle anderen da draußen, etwas, was man bei Lebensläufen als Hobby angeben konnte.

Ich war diejenige, die schreiben musste. Wenn wir uns alberne myspace-Seiten bastelten bestückte ich diese mit Text. Es war unausgesprochen meine Aufgabe. Ich verfasste die Emails, ich schrieb die Berichte über besuchte Konzerte. Die Wortgewalt wollte aus mir heraus und je länger ich schrieb desto sicherer wurde ich mir auch in dem was ich sagte. Ich wagte es plötzlich den Mund auch zum Sprechen zu benutzen und nicht nur zum stummen Schweigen. Ich übte die Schlagfertigkeit in jedem Tastenschlag.

Jetzt ist das Tagebuch. Es leidet unter der schweren Hand und dem viel zu festen Druck des Stiftes. Jeden Tag sitze ich in der Mittagspause an meinem Schreibtisch im Büro und fülle es mit Sentimentalitäten und Worten die keiner jemals zu Gesicht bekommen sollte, weil sie den Mehrwert eines Toastbrotes haben. Ich schwafle mir die Finger wund nur um es nicht zu verlernen. Das Formen von Sätzen. Von Gedankeströmen die dann wertlos vor mir liegen. Jeder Buchstabe windet sich und will eigentlich nicht das Wort bilden, aus dem ich es gemacht habe.

Es ist nicht das Glücklichsein das mich hemmt. Es ist als hätte ich alles gesagt. Als hätte jemand den Hahn zugedreht und mehr wäre nicht zu geben gewesen. Mühevoll wringe ich die letzten Tropfen aus mir heraus. Keine der Gedanken brennt sich so sehr in mein Gehirn, sodass sie unbedingt festgehalten werden müssen auf digitalem Papier in dieser verdigitalisierten Welt.

Der Computer nennt mir Zahlen. 358 Dateien in 14 Ordnern ergeben 26,5 MB Speicherplatzvergeudung. So fühlt es sich an. Jetzt in diesem Nachhinein. Als hätte es nie einen Sinn ergeben das alles was in mir tobte festzuhalten.

Und was kommt jetzt? Einfach weitermachen mit dem puren Nichts und vergessen das es da etwas gab an dem einem was lag.

Es klingt so albern melodramatisch wenn ich dies hier lese. Doch sie fehlen mir. Die rennenden Gedanken die oft zu schnell waren um sie zeitnah einzutippen. Die Finger eilten über die Tastatur und je länger ich schrieb desto mehr Facetten konnte ich in dem sehen was ich von mir gab. Es floss aus mir und meist wusste ich nicht mal wohin das alles führen soll. Es gab kein Konzept. Es passierte einfach. Jetzt ist es mühselig. Und erfüllt nur seinen Zweck. Wie die Nahrungsaufnahme des Essens wegen und nicht des Genuss. Als hätte ich vergessen wie meine Gedanken die mir so wertvoll erschienen schmecken wenn man sich bei der Zubereitung Mühe gibt.

Und so kaue ich meinen Gedankeneinheitsbrei lustlos vor mich hin. Und finde mich damit ab, dass da scheinbar doch nichts in mir war. Vielleicht sollte ich mir etwas suchen, ein Hobby finden, das ich wirklich beherrsche. Ich bin z.B. wirklich gut im Zerstören von zwischenmenschlichen Beziehungen. Interesse? Ich schaffe das in kürzester Zeit. Versprochen.

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2 Gedanken zu “Und jetzt?

  1. Hey,
    ganz ehrlich? Ich kenne das.
    Und ich hab auch oft Angst, dass ich es irgendwann einfach nicht mehr kann. Dass ich eines Tages merke: So, das wars jetzt, ab nun ist Feierabend.

    Es wird wieder kommen. Meine Morgenseiten sollte besser auch niemand lesen … 😉
    Du schaffst das. Es wird auch wieder aufwärts gehen. 🙂

  2. Mir geht es ähnlich…wenigstens schaffst du es noch das alles in Worte zu fassen. Aber ich denke mal das ist nur eine vorübergehende Phase und man sollte das auch nicht erzwingen. Oder besser geschrieben lässt es sich nicht erzwingen…

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