Liebe dich selbst, denn sonst tut es doch sowieso keiner

Derzeit wird mehr denn je über Selbstliebe debattiert. Darüber, ob es übertrieben ist, sich immer total knorke zu finden und auch darüber, dass es voll OK ist sich awesome zu finden und das mit Hängetitten und Orangenhaut. Es wird über Medien gesprochen, darüber welches Bild einem als Kind von sich selbst und seinem zukünftigen ICH in den Kopf gepflanzt wird und außerdem das Dauer-Mantra runtergebetet, dass bei Instagram alles gar nicht so real ist wie es scheint.

Die erste Frage, die mir bei der ganzen Debatte sofort in den Kopf schießt ist die, ob ich als eigenständig denkender Mensch das Recht verwirkt habe, mit mir und meinem Aussehen absolut unzufrieden zu sein. Worin besteht der Unterschied zwischen dem was mir die Werbeplakate aufzwängen wollen und dem was mir nun die ganzen anderen Medien ins Gehirn scheißen? Die Einen sagen „Du genügst nicht du fettes Stück Scheiße, wie aus du siehst, wie rum du läufst.“. Die Anderen im Gegenzug säuseln mir ins Ohr, dass ich mich doch nicht so anstellen soll und es voll OK ist mit einem absolut beschissenen BMI in Hotpants rumzulaufen, denn du hast dich trotz Cellulite verfickt nochmal gut zu fühlen.

Dadurch erschließt sich mir aber nun eine Folgefrage. Ich für mich selbst habe beschlossen, dass ich mich scheiße finden darf. Ich darf in den Spiegel gucken oder an meinen Oberschenkeln rumdrücken und schluchzend jede Tüte Chips verfluchen und meine Gene sowieso. Nun aber die Frage zu diesem Schluchzen. Finde ich das nun nur hässlich, weil es mir von den Medien so suggeriert wurde, oder hätte ich es auch ohne die Bitches der H&M-Plakate so empfunden?

Ich kann mich daran erinnern, dass ich mich als Teenager immer zu dick fand. Ich war es nicht. Ich hatte den Pubertätsbabyspeck um die Hüften, der sich erstmal verteilen musste. Meine Reaktion auf dieses Unwohlgefühl in meinem Körper war, dass ich auch im Hochsommer mit langen Pullis durch die Gegend gelaufen bin. Ich habe geschwitzt und bin fast gestorben. Noch heute praktiziere ich solch Dummheiten. Geht mir mir an einen Strand. Wenn ihr einen guten Tag erlebt, dann kremple ich meine Hosenbeine hoch. Aber auch wirklich nur an einem sehr, sehr, sehr guten Tag.

Aber zurück zu der Frage woher dieser Selbsthass kommt. Die Erziehung konnte es nicht sein. Meine Mutter sagte mir nie ich sei zu dick und ich war für sie immer das wunderhübscheste Mädchen auf dem Planeten (neben meiner Schwester). Aber woher kommt das eventuell verschobene Selbstbild? Waren es die Filme und Serien oder auch die Kataloge, die regelmäßig von mir durchforstet wurden? Meine Mutter war sehr dick, weswegen sie bei Versandhandel wie Schwab, Quelle und wie sie nicht alle heißen am liebsten ihre XXL-Schlüpper bestellte. Diese Schlüpper konnte man nur in speziellen Katalogen für Fette bestellen. Sie sahen auch meist echt scheiße aus. Die Zelte für Babys hatten hässliche kleine Blumenmuster und sahen nicht gerade so aus als könnten sie bei egal wem Lust erwecken. Geiler waren noch die Miederhosen, die sie sich bestellte um ein bisschen Form in ihren weichen Laib zu bekommen. Hautfarbene Monster. Vielleicht ist sie ja hier zu suchen. Die Angst vor hautfarbenen Schlüpfern führt zu Selbsthass zwecks Angst vor „Noch ein Burger und zack wiegste auch über 100 Kilo und musst diese Unterhosen tragen und warum sprichst du so oft von Unterhosen!?!?!“.

Vielleicht ist es auch genau das. Oder ein nie überwundenes Pubertätstrauma, an welches im mich nicht erinnern kann. Ich weiß aber eins. Ich will endlich wissen woher sie kommt, meine Versagensangst was Optik anbelangt.

Einerseits würde ich gerne den fuck-you-all-Lifestyle zelebrieren und bauchfrei mit meinem Hüftspeck shakend durch die City stolzieren. Und jeder Freundin mit der gleichen Figur würde ich dazu raten und sagen „Go Girl, du siehst wunderschön aus.“, außer sie sähe in dem Oberteil scheiße aus, denn das geht dann nicht also so zwecks Farbe und Hautton oder dummer Print oder…. egal. Aber andererseits will ich mich optimieren dürfen ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Und dann will ich mich auch wieder nicht optimieren wollen, weil das Leben ist kurz… ok, nicht mehr so kurz wie damals, aber naja kurz halt und das will ich mir nicht versauen mit Sport und Essen das nach igitt schmeckt. Ich will Pizza und Döner und Eis, Hergott will ich viel Eis.

Doch zum Grundkern des Textes. Was zur Hölle ist kaputt mit uns? Warum wollen wir uns ständig und dauernd gegenseitig sagen was das Beste für uns ist? Warum gönnen wir uns nicht unsere Fehler, unsere schwachen Momente? Warum müssen wir uns ständig toll finden und der Gewinner sein? Warum können wir nicht ab und an einfach Bock dazu haben uns anzugucken und uns so ganz filterlos hässlich zu fühlen? (BTW mag ich bei Snapchat die Tierfilter, denn die machen so ein schmales Kinn!!!)

Ja, ich verstehe die Notwendigkeit ein bestimmtes Bewusstsein zu schafffen.  Und ich weiß auch, dass es die Extreme gibt, die entstehen können. Ich bin aufgewachsen in einer Zeit in der es normal war, dass in einer Klasse mindestens vier Mädchen eine Essstörung hatten. Ich kenne die Probleme beider Seiten. Die derer die zu viel haben und die derer, die meinen noch weniger sei noch besser. Doch es missfällt mir, dass es ein pauschales verteufeln gibt von Menschen, die sich vielleicht einfach nur wohlfühlen wollen und dabei nicht in Extreme fallen. Es soll Leute geben, die finden Sport voll gut. Es soll auch Menschen geben, die auf ihre Ernährung achten, weil sie gesund leben wollen. Ich gehöre nicht dazu aber ich hab davon gehört. Wirklich. Ein Bekannter von nem Freund… Spaß beiseite.

Es soll sich jeder in seinem Körper glücklich fühlen, so wie er es tut. Doch es sollte auch jedem zustehen, sich selbst einfach mal scheiße zu finden. Weil er es kann! Ich für meinen Teil, finde mich schon so ein bisschen eklig, wenn ich im Sommer vor dem Wohnzimmertisch hocke, die Beine in einer NASA-Short angewinkelt und meine Oberschenkel die Optik einer Orange haben. Und das Recht dies an meinem Körper ungeil zu finden, möchte ich mir nicht nehmen lassen. Vielleicht könnt ich mal anfangen am Strand einen Badeanzug unter der Jeans zu tragen. Nur für alle Fälle. Aber wir wollen es auch nicht übertreiben.

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Triggerwarnung

Frohes Neues! 2017! Fuck yeah! Es wird alles besser und großartiger und überhaupt… wir werden alle awesome sein… bullshit!!!!

Nichts wird besser. Nicht weil wir es nicht verdient hätten, sondern weil wir daran die Schuld tragen. Wir sind alle verdammte Hurensöhne. Nichts gegen eure Mütter, die sind super… doch wir sind Hurensöhne. Wie wir uns freuen, wenn wir einmal im Monat ein einziges Produkt im Supermarkt kaufen, auf dem ein BIO abgedruckt ist. Dann haben wir unseren Beitrag geleistet. Wir haben die Welt verbessert.

Ich steh an der Kasse und freu mich nen Keks, wenn die nette Dame fragt, ob ich eine Plastiktüte will. Nein, my dear, ich packe die in Indien zusammengenähten Kleidungsstücke, die ich auf keinen Fall brauche, weil ich einen Schrank voll davon zu Hause habe, gerne in meinen von Kinderhänden zusammengefummelten Rucksack, der mehr gekostet hat, als die in nem Monat verdienen. Ich rette damit nämlich die Welt. Mit dem Verzicht auf Plastiktüten. Ich bin ein verfickt guter Mensch. Ey und wirklich. Wenn ich zu Primark gehe, die Sachen, die ich da kaufe, die trage ich auch. Nicht wie diese youtube-Schnallen, die einfach nur kaufen um dann ein Video davon zu machen und alles danach in den Altkleidercontainer ballern. Ich bin ein guter Primark-Konsument. Schör!

Natürlich ist der Verzicht auf eine Plastiktüte dem toten Schwein egal, was sein Leben lassen musste für den Schinken in meinem Kühlschrank aber hey, die arme Sau. Das Leben was es bisher hatte war doch echt nicht lebenswert. Vielleicht war das ganz froh getötet zu werden. Sterbehilfe, sozusagen. Und hab ich schon erwähnt, dass die Gurke da in dem Salat voll krass BIO ist. Ok. Derzeit ist keine Gurkenzeit und das Zeuch kommt ausm Ausland und musste extra für mich hier her gekarrt werden, aber besser als die Gurken die nicht so öko sind.

Und überhaupt. Ich kaufe ja jetzt Waschmittel und so Zeug nur von der ökologischen Sorte. Weil ich will ja meinen Teil dazu beitragen, dass das Wasser nicht zu sehr belastet wird. Sogar den Weichspüler. Da ist ein niedlicher kleiner Frosch drauf. Die dürfen so ein Tier sicher nicht auf was drucken, was nicht gut ist für die Umwelt. Wie, ich könnte einfach weniger Klamotten haben und die weniger waschen und dadurch weniger Wasser verbrauchen? Ja also ne… find ich voll krass wenn Menschen das können so mit diesem Minimalismus und so aber mein Ding ist das nicht, weil ich brauche ja schon ne Auswahl und manchmal ist mir halt nach dem einen Teil, welches seit drei Jahren unberührt im Schrank lungert. Ganz sicher.

Wir sind Hurensöhne. Jeder für sich. Jeder auf seine Art. Der eine mehr, der andere weniger. Es gibt diese schwindend kleine Anzahl an Menschen, daran glaube ich ganz fest, die es ändern könnten. Die als realitätsfremde Spinner in eine Schublade gestopft werden und da hocken sie dann und wollen doch einfach nur ihren Beitrag leisten.

Außerdem… hab ich schon erwähnt, dass ich spende. Ja! So richtig mit Geld und jeden Monat und Dauerauftrag. Na gut. Ist das Geld, welches eigentlich an die Kirche gegangen wäre, aber ich bin aus der Kirche ausgetreten und da kann man das Geld, was man vorher schon nicht hatte, auch einfach einer einem absolut fremden Stiftung in den Arsch schieben. Dann kriegt man auch immer Post von denen. Was fühl ich mich dann beseelt, wenn ich die lächelnden Kinder auf den Fotos sehe. Ich habe meinen Beitrag geleistet. Ich Gutmensch!

Ich mag die Welt gerade nicht. Oder anders ausgedrückt. Ich mag die Welt, die Menschen darauf stören mich nur unglaublich. Mir eingeschlossen. Ich versuche mich zu verschließen. Weil ich es langsam nicht mehr ertrage. Diese Flut an Beschissenheit, die einem jeden Tag mit Hilfe jeglicher Kanäle ins Gehirn gewichst wird. Menschen bringen sich gegenseitig um, weil sie der Meinung sind, dass es das Richtige ist. Wir sind dann kurz betroffen, aber auch nur für bestimmte Menschen. Weil man kann ja nicht jeden Tag trauern, denn wusstet ihr, dass wenn Promis schnippen, in Afrika Kinder tot umfallen? Wir haben auch Angst. Plötzlich. Sogar ich. Für kurze Momente. Ich schäme mich. Wenn diese Ängste kommen. Rucksäcke. In der Bahn. Finde ich plötzlich völlig ungeil. Ich dummer Mensch. Das ist doch der Sinn dahinter. Ich falle drauf rein. Ertappe mich, reiße mich zusammen und starre dann weiter auf mein Handy, welches mir die letzte Fähigkeit klaut, mich länger als fünf Minuten daran zu erinnern, was ich eigentlich gerade für eine sinnfreie Suchanfrage bei google starten wollte.

Und dann gibt es diese Momente voller Freude. Sie sind einfach da. Ich bin glücklich mit dem hier und jetzt und erfreue mich an Menschen die gut sind zu mir und zu denen, die sie umgeben. Plötzlich fällt all die Schuld von mir ab und für einen kurzen Moment bin ich kein Hurensohn. Aber es sind eben nur diese kurzen Augenblicke, in denen ich nichts konsumiere. Keine Kleidung, kein Essen, keine Nachrichten, kein Nichts! Dann bin ich nur Mensch und voll OK.

Wir sind alles Hurensöhne. Haben Angst vor Schatten und vergessen dabei, dass diese zu uns gehören und nur unsere eigene Courage sind, vor der wir versuchen wegzulaufen.

2017! Wird super… oder beschissen. Muss jeder für sich entscheiden.

Betrunkene sind auch nur…

Betrunkene sind seltsam. Es ist unterschiedlich, sie sind unterschiedlich in ihrer Seltsamkeit.

Bei manchen hat man das Gefühl, dass ihnen mit jedem Schluck aus dem Glas ein noch viel größerer Brocken von ihrer Seele purzelt und sie endlich der Vollidiot sein können, der sie nun mal sind, so tief in sich drin. Sie trinken und reden, plappern, werden redselig und bei manchen möchte man sich, wie ein Kind, die Finger tief in die Ohren stecken und Sepultura-Songs brüllen, nur um nicht noch tiefer in deren Innerstes zu gelangen, dass glibberig und so völlig entblößt vor einem liegt und gestreichelt werden will. Sie bewegen sich komisch und beginnen plötzlich zu tanzen, zu Liedern, die sie hassen.

Früher gab es draußen nur Kännchen. Heute gibt es dort die Männer mittleren Alters, die sich zur Feier des Tages die billigsten Zigarillos des Kiosks gegönnt haben. Paffend stehen sie da, mit glänzenden Augen und glotzen damit den Frauen in ihren engen Kleidern auf die Titten und die Ärsche. Vergessen dabei Frau, Haus, Baum, Kind. Vielleicht sehnen sie sich danach jung zu sein, so wie früher, was vergessen ist, denn jetzt ist man Chef oder zumindest irgendein Leiter von einer Abteilung, einer Ressource oder vielleicht auch nur der Blitzableiter von einem anderen, der über ihm steht.

Die Frauen, mit ihren kleinen Fältchen, die sie jeden Morgen aufs Neue verfluchen, kichern albern, wenn sie trinken und die Männer mit den Augen an ihren Ärschen haften. Sie fühlen sich begehrt, ausnahmsweise. Zu Hause gucken sie heimlich Pornos, manche fassen sich dabei sogar an und schämen sich nicht mal dafür. Sie wollen gefickt werden, wie damals, als es OK war, für fünf Minuten in der Dorfdisko auf dem Klo zu verschwinden. Es war nie schön, der Orgasmus so weit weg, wie der Prinz auf dem weißen Ross, aber sie fühlten etwas dabei und wenn es nur die kalten Fließen auf dem Rücken waren.

Junge Dinger hopsen dazwischen hin und her und feiern sich und ihr Leben und Millionen Möglichkeiten, die Tonnen an Zeit, die vor ihnen liegt. Sie sorgen nicht, sie sind einfach nur. Sogar sie fühlen sich von den Sabberblicken der Männer noch ein bisschen schöner. Sie spüren, wie die Alten ihnen die Jugend neiden und machen sich größer als sie jemals sein werden.

So betrunken wie sie sind, jeder für sich ein bisschen anders und doch im Kern gleich. Jeder von ihnen kehrt die größte Sehnsucht heraus, sobald die Promillegrenze erreicht und das Torkeln beginnt. Nähe wollen sie oder Aufmerksamkeit. Vielleicht setzen sie sich auch nur in eine Ecke, bedauern sich öffentlich, ansonsten tun sie dies nur alleine im Wohnzimmer mit der Fernbedienung in der linken und der Knarre in der rechten Hand. Doch bevor man abdrückt, schaltet man lieber weiter und sucht das Elend in tausend Kanälen um sich besser zu fühlen.

Nicht jeder Betrunkene wird akzeptiert. Es gibt feine Nuancen. Nicht jeder ist der perfekte Betrunkene und wird der Flirt bei dem Büromauerblümchen noch als niedlich empfunden, ist es bei der alternden Abteilungsleiterin nur noch peinlich und macht einen betroffen. Der laute junge Kerl aus der Postabteilung, der die Mädchen um sich schart und einen Drink nach dem anderen spendiert, ist der Held des Abends, während der Chef, der seinen Kollegen einen ausgibt, doch einfach nur Sympathiepunkte sammeln will, die dumme Sau.

Nüchtern betrachtet, sind Betrunkene doch auch nur Menschen. Vielleicht mehr, als sie es nüchtern je sein werden.

grown-up

Dann bist du erwachsen. Einfach so. Es ist passiert. Ein bisschen hast du es herbeigesehnt. Die Freiheiten, die man plötzlich nicht nur auskostete, wenn der Mann an der Kasse keine Ahnung hatte, dass man so machen Dinge nicht an Minderjährige verkauft. Sie waren einfach da, lagen vor einem und man hat sie genossen, so sehr. Jeder Schnaps in der Kehle der Undurstigen sondern der Verklemmten, ein Genuss. Jeder Zug an der Zigarette ein „Fuck yeah, du kannst mir gar nichts mehr.“ Ein jedes Tattoo ein „Mir doch egal ob ich dieses dumme Ambigramm irgewann verfluchen und mir vom Bein reissen möchte mit den bloßen Zähnen. Jetzt bin ich cool und voller Emotion und Hate ist nun mal Love, nur auf dem Kopf, bitch.“ Die erste Wahl ein Fest. Aufgeregt reihte man sich am Sonntag ein, zwischen all diesen erwachsenen Menschen. Man wählte dumm, hatte sich zwar die Programme durchgelesen aber CSU das macht jeder und du bist anders. Nicht Nazi-anders aber auch nicht links. Deine Kreuze hatten keinen Wert und anstrengend war es, weswegen du seitdem die Briefwahl vorziehst, weil du dich dann darauf konzentrieren kannst und dann doch wieder nur die wählst, die keinen Doppelnamen haben. Du willst plötzlich arbeiten, Geld verdienen und nicht mehr abhängig sein von Behörden oder Eltern. Und du lernst einen Beruf den du nicht ausübst, machst andere Dinge und verdienst gerade eben so viel, dass wenn du sparen würdest, du dir einen kleinen netten Urlaub in Griechenland leisten könntest. Dir wird mehr Geld versprochen, du erhältst mehr Geld und der Arbeitgeber tut so, als wäre es ein großer Schritt für dich und auch für sie bis zu dem Zeitpunkt an dem du erfährst das andere, die nicht fünf Jahre in der Firma sind, schon zu Beginn fast so viel verdienen wie du jetzt. Du hast das Gefühl endlich alles machen zu können was du willst. Rausgehen und erleben und so lange wach sein wie du willst, doch eigentlich willst du plötzlich nur noch schlafen und gar nicht mehr wach sein, denn das bedeutet du müsstest Dinge tun und dann streitest du dich mit dem Freund darüber wer die Spülmaschine ausräumt und gibt es nicht Wichtigeres?  Und irgendwann kriegen sie alle Kinder und bauen oder kaufen Häuser und du trauerst immer noch deiner Katze hinterher, die du einschläfern lassen musstest. Sogar die Jungen, die dich umgeben, haben mehr Ahnung vom Erwachsensein. Sie haben Versicherungen deren Namen du nur vom Hören-Sagen kennst und legen ihr Geld an. Du freust dich, wenn du eine halbe Schachtel Zigaretten findest, die du versoffen in einer Handtasche vergessen hast. Du hast den Absprung verpasst und bist gefangen in dem „Für immer 21“ und wenn du krank bist, so richtig mit Husten und stechender Brust, dann weißt du, wie es sein wird wenn du alt bist. Noch älter als jetzt. Man sagt dir, dass man dir dein Alter nicht anmerkt und du schämst dich. Weil du dich damals, als du es dir vorgestellt hast, reif warst und nicht nur altklug. Die Frage nach dem Ausweis beim Zigarettenkauf, immer noch kein Kompliment, wird es nie sein. Denn es erinnert dich nur daran, dass du nicht so bist, wie man es von dir erwartet. Und du möchtest doch eigentlich nur endlich das Erwachsen genießen, wie du es dir vorgestellt hattest. Doch es macht keinen Spaß.  Arbeiten, putzen, einkaufen, Wäsche waschen, regelmäßig zum Frauenarzt gehen. Erwachsen bin ich. Bist du. Mit dem Ausweiß. Doch der Rest… verlorenes Irgendwas.

10 gute Vorsätze

Weihnachten ist überstanden. Haben sich endlich wieder alle vertragen, auch das letzte ungeliebte Geschenk wurde eingetauscht und die neu angefressenen Speckröllchen grinsen einen jetzt jeden Morgen an. 2015 sagt Tschö und 2016 klopft an die Tür. Der perfekte Zeitpunkt für verdammt gute Vorsätze. Weil 2016, das wissen wir ja wohl alle, wird so viel anders als das Jahr davor. Und davor und das davor… ach… Blödsinn. Bevor man sich also mit dummen Vorsätzen fürs neue Jahr abquält, die man sowieso nach drei Wochen wieder abschreibt, könnte man sich doch einfach mal vornehmen netter zu sein. Zu sich. Und den Menschen in seinem Umfeld. Und vielleicht auch zur Natur. Ich habe da mal ein paar gute Vorsätze für 2016 gesammelt, die so überhaupt nicht schwer sind.

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  1. Rolltreppenregeln kennen und korrekt umsetzen. Links gehen, rechts stehen. Voll gar nicht schwer. Ich weiß, dass man gerade auf Rolltreppen gerne mal superwichtige Dinge mit seiner BFF ausdiskutieren muss. Aber hey, so eine Fahrt mit der Rolltreppe dauert unter einer Minute… es mag verrückt klingen, aber oben angekommen, ist das Thema immer noch topaktuell. Wirklich!
  2. Thema Rolltreppe ist DAS Thema 2016. Ich sag euch das. Es soll ja Menschen geben, die nach so einer netten Fahrt mit einer Rolltreppe ihren Weg fortsetzen wollen. Wenn du dann da oben wie so ein Depp stehen bleibst, um erstmal die Atmosphäre der dich neu umgebenden Gegend aufnehmen zu müssen, nervt da. Und nicht nur den Menschen direkt hinter dir. Sondern den dahinter und den da dahinter. Schatz, geh nen Schritt zur Seite. Auch dort sind die Eindrücke, die da plötzlich auf dich einpoltern, genauso umwerfend und bestaunenswert. Wirklich.
  3. Breitbeinig in der Bahn sitzen. Ich kann leider nicht aus Erfahrung sprechen, weil mir ein Penis und die dazugehörigen Hoden fehlen, aber ja, ich kann mir vorstellen, dass dieses Gebaumel da zwischen den Beinen auch echt mal ein bisschen Freiraum braucht. Und vielleicht sind die Sitze so einer Bahn auch dumm konzipiert, dass die solche Bedürfnisse wegen mangelnder Breite nicht abdecken. Aber es wäre richtig nett, wenn man sich neben dich setzt und seinen Hintern nicht ganz dolle anspannen muss, weil man versucht es sich auf einem halben Sitz bequem zu machen. Wäre voll nett.
  4. Ja, auch ich sitze in der Bahn mal auf der Gangseite, obwohl am Fensterplatz noch was frei ist. Weil ich dann meist ein Paket oder eine monströse Tüte mit mir herumschleppe, die einfach nicht auf meinen Schoß passt. Aber du… der du da so dusselig dämlich meinst, nur weil du früher aus dem Bahngefängnis entfliehen kannst, wenn du wie angetackert auf dem Platz im Gang sitzt… du nervst. Rutsch doch einfach mal rüber. Ist auch viel schöner. Kann man rausgucken. Kriegt nicht die Rucksäcke der Gangsteher in die Fresse. Nur Vorteile so ein Platz am Fenster.
  5. Böden in der Bahn sind dreckig. Ich weiß. Und so ne Tasche, die trägt man überall hin und dann klebt die vielleicht auf der Unterseite oder riecht komisch. Aber der liebe Herr Miele erfand ein Gerät zum Lösen solcher Probleme. Wenn also die Bahn wieder mal supervoll ist und du meinst nur ein Rucksack auf dem Rücken ist ein guter Rucksack, stell dich einfach mal bei dir zu Hause in den Flur und hau dir rhythmisch dieses Ding gegen den Arm oder, weil es soll kleine Menschen geben, ins Gesicht. Fühlt sich ungeil an? Tja. Dann ab mit dem Teil.
  6. An der Kasse auch einfach mal jemanden vorlassen. Tut nicht weh und man wird es kaum glauben, meistens sagen die Leute dann auch noch Danke und freuen sich und dann kann man sich mitfreuen. Super Sache. Wenn du also einen Großeinkauf machst und hinter dir eine Mensch mit einer Dose Suppe steht und sonst nichts, einfach mal nett fragen ob er denn nicht vor möchte.
  7. Plastiktüten weglassen. Man kennt sie die spontanen Großeinkäufe. Da will man nur eine Packung Nudeln kaufen und am Schluss hat man einen Einkaufswagen voller Produkte, die alle im Angebot waren und total wichtig sind. Auch wenn es ein Hipsterkleidungsstück ist. Schon Mutti wusste, dass so ein Jutebeutel total praktisch ist. Kann man sogar immer dabei haben. Und die Umwelt so „Fuck yeah!“
  8. Einfach mal die Fresse halten. Meinungen sind gut und wichtig und jeder darf eine haben. Nur muss die nicht jeder wissen. Man kann auch mal Geheimnisse haben. Nicht alles was man tut, will kommentiert werden. Jeder Satz der mit einem „Also ich würde ja…“ beginnt und mit „… aber ist ja deine Entscheidung.“ ist ein Satz den man sich schenken kann. Gleiches gilt für „Ich habe nichts gegen XXX aber…“ Schweigen. Stilles, beruhigendes Schweigen. Kann Wunder wirken. Und vielleicht wirkst du dann nicht wie ein Vollpfosten.
  9. Dem Obdachlosenzeitungsverkäufer auch einfach mal eine Zeitung abkaufen und ihm dabei sogar ins Gesicht sehen. Die freuen sich nämlich. Gut… manche sabbeln ein bisschen viel aber hey… der Mensch freut sich und du hast was zum Lesen.
  10. Etwas Nettes tun. Für Andere und auch für dich. Immer mal wieder. Jemandem helfen, ungebeten. Dabei nicht aufdrängen. Oft reicht ein „Soll ich helfen?“ Lehnt derjenige ab, musste nichts machen aber der andere weiß „Ey. Der ist voll nett.“ Und sei auch nett zu dir. Gönn dir Schlaf. Und auch mal einen Eimer Eis. Weil du es kannst. Gönn dir. Dein Körper ist dein Tempel und manchmal muss in so einem Tempel auch mal mit Kohlehydraten eine Party gefeiert werden.

Wem noch weitere umsetzbare Vorsätze einfallen, tob dich aus. Es kann so einfach sein 2016 zu einem Jahr zu machen das euch und eurem Umfeld gut tut. In diesem Sinne, habt euch lieb, liebt euch hart und innig, lächelt ab und zu und gönnt euch auch mal ein Bier.

Man wird sich ja wohl mal graue Haare wachsen lassen dürfen

30 werden. Das war eine große Nummer. Noch schnell eine To-Do-Liste geschrieben, die bis dahin abgehakt neben den leeren Bierdosen liegen sollte, wenn man hineingleitet in den Zustand 30. Damals stand nicht viel auf diesem Zettel. Ich glaube ich wollte mein Zimmer aufräumen. Habe ich auch gemacht. Zufrieden setzte ich ein rotes Häkchen und konnte endlich ohne schlechtes Gewissen 30 werden. Das war vor einem Jahr.

30 sein fühlte sich gut an. Es kam der Moment des Verstehens, dass es mir absolut egal sein kann, was andere Menschen von mir denken, solange ich mit meinem Verhalten und Auftreten niemanden kurzfristig oder nachhaltig schädige. Ich machte kurze Reisen, für mich große Schritte in die richtige Richtung. Ich begann mich zu finden. Versuchte mich nicht dauernd in Frage zu stellen und hörte auf das innere JA. Ich sagte plötzlich ja. Ja zu neuen Menschen, zu Erfahrungen. Vielleicht zu oft ja zu dem weiteren Bier… aber das ist ein anderes Thema. Kuschelig fühlte sie sich an. Diese 30.

Und vor einigen Tagen dann die 31. Unspektakulär. Jede Supermarkteröffnung löst wohl größere Gefühlsausbrüche aus, als dieser Geburtstag. Umgeben von Menschen die ich liebe, aber ohne ein Gefühl des „jetzt werde ich älter“-Werdens. Vielleicht ein kurzer Moment. Zwischen zwei Schluck Bier.

Und dann heute Nachmittag… nachdem das kalte China-Essen von gestern vertilgt war, ein forschender Blick des Freundes. Seine Aufmerksamkeit war auf meinen Kopf gerichtet. Ich dachte eine Nudel hätte sich dort verfangen. Kann passieren. Im Eifer des Gefechts… essen war noch nie eins meiner Talente. Er entdeckte es. Schob mich durch die Wohnung, vielleicht liegt es auch am Licht.

Das erste graue Haar!

Wahrscheinlich sind dort schon viele. Irgendwo in diesem Wust an ungekämmten, unförmig geschnittenen Haaren verstecken sie sich. Nun traute sich aber eins von ihnen raus. Raus in die Öffentlichkeit. Ohne Feuerwerk. Ohne großes Blasorchester. Ohne Sektempfang. Einfach so. Und als ich es genau betrachtete im Spiegel, war der erste Reflex weder es auszureissen oder mit Rotznase und Superheldenschlafhose in die nächste Drogerie zu laufen, um diesem einzelnen Haar mit Färbemitteln den Garaus zu machen. Ich nahm es hin.

Bis eben… es stört mich immer noch nicht. Zumindest nicht auf die Weise, auf die es mich stören könnte. Soll heißen der Ästhetik-Faktor ist mir egaler als jedes Finale jeglicher Castingshow oder die Tatsache, ob diese komischen Hampelmänner auf RTL2 denn nun endlich eine Frau finden, die sie ranlassen und gleichzeitig verstehen, welchen Blödsinn die Herren der Schöpfung von sich geben.

Viel mehr beschäftigt mich die Frage „Was nun?“

Ich bin 31. Das ist nicht alt. Wenn ich vielleicht mal anfangen würde auf meine Gesundheit zu achten (schrieb sie mit der Kippe im Mund und dem Bier neben sich… demonstrativ daneben die Packung Vitamine), ist das noch nicht mal die Hälfte meines Lebens.

Aber Menschen mit grauen Haaren. In meinem Kopf sind sie weise. In jedermanns Kopf sind das weise Menschen. Sie erinnern sich an geschichtliche Ereignisse, können Philosophen zitieren oder können zumindest benennen was sie am 7.8.19sonstwas um 14:53 Uhr gemacht haben. Ich kann mich nicht mal mehr daran erinnern von welchem Strand der dunkle Sand ist, den ich in einem Anfall von Kitsch in ein Glas gepackt und auf ein Regal gestellt habe. Und das ist ganz sicher keine vier Jahre her.

Philosophen habe ich gelesen… einen. Die Hälfte eines seiner Bücher. Weil ich musste. Geschichte… ja damals. Krieg, bumm bumm, alle tot. Stimmt doch meistens immer, wenn es um Geschichte geht, oder? Vielleicht habe ich Talente, die ich weitergeben könnte. Grauhaarig wie ich bin, habe ich doch jetzt einen Lehrauftrag. Die heranwachsenden Kinder der Freunde. Die sollen doch was davon haben, dass ich nun grauhaarig bin. Bierflaschen mit einem Feuerzeug öffnen zählt da wohl nicht dazu. Nicht mal Geschichten vorlesen kann ich gut. Zwei Stunden ein Buch über Traktoren angucken. Nur mit Bildern. Das kriege ich sehr gut hin. Und Little Big Planet auf der PS Vita innerhalb von zwei Tagen durchspielen kann ich auch. Macht man das als grauhaariger Mensch überhaupt noch? Zocken?! Oder sollte ich jetzt nur noch bei gedimmten Licht Klassik hören und dabei dicke Wälzer lesen? Und damit meine ich keine Bücher die nur dick sind wie Twilight. Sprachen kann ich keine bis auf bruchstückhaftes „No thanks.“ auf die Frage ob ich eine Tüte oder den Kassenzettel haben möchte, wenn ich einkaufe. Ich habe nie den Führerschein gemacht, stricken kann ich immer noch nicht, nähen nur, wenn die Sachen krumm aussehen dürfen. Vom Backen wollen wir gar nicht erst anfangen.

Zusammengefasst die stumpfe Frage… was kannst du überhaupt? Was hast du, was du der Welt oder minimieren wir das Ganze, deinem Umfeld mitgeben kannst, was Wert und Sinn hat. Außer auf Fotos komisch zu gucken, super rülpsen und Ikea-Regale aufbauen zu können. Was ist der Wert dieser 31 Jahre?

„Oh Barbara… du hast so vielen Menschen blabla geschenkt. Blabla.“ Was auch immer blabla ist. Aber jetzt ist er wieder da, der Wunsch mehr als nur blabla zu sein, mehr als bodensatz, brackarawr. Nicht nur klugscheißen mit Halbwissen. Wirklich klug sein. Nicht nur dilettantisch alles ein bisschen können, sondern endlich DAS Talent aus sich herauskitzeln, welches in einem schlummerte. Nicht nur erleben, erinnern.

Blogeinträge endlich mal mit einem richtigen Ende versehen. Das könnte doch mal ein erster Schritt sein. Ein letzter Satz, nicht nur tausend offene Fragen. Eine runde Sache. Aber ich bin ja erst 31 und das ist das erste graue Haar. Bis es mit mir zu Ende geht hab ich noch genügend graue Haare, die ich mir wachsen lassen kann, wegen diesem Thema.

Unmensch

Jeden Morgen stehe ich auf und male mich. Nicht mich an. Nicht diese Nummer mit Eyeliner und Mascara. Ich male mein Selbst. So wie ich bin, sein will. Ich versuche ein echter Mensch zu sein. Ein guter. Einer, der denkt, bevor er spricht. Was selten funktioniert. Aber ich versuche gerecht zu sein. In dem was ich tue. In dem wie ich mich Menschen gegenüber verhalte. Und ich male mit Farben, die ich oft selbst nicht kenne. Manchmal treffe ich die richtigen Farbtöpfe und der Tag und die Begegnungen mit den Menschen um mich herum stimmen sich farblich ab. Dann war es ein guter Tag. Mit einem Lächeln. Und manchmal gibt es diese Disharmonie. Sie ist nicht schlimm. Sie ist nie so drastisch, dass man das Bild des Tages wegwerfen müsste, weil es in den Augen brennt. Aber das ist auch gut so. Sogar Van Gogh, Da Vinci und wie die ganzen Ficker heißen, die krasse Kunstkacke am Start hatten, heißen mögen, haben ganz sicher so manches Bild in die Tonne gekloppt.

Doch dann kommt der Tag an dem ein Mensch, der dir sonst positiv gesonnen war, einen Edding auspackt. Er nimmt ihn, setzt an und schreibt auf deine Stirn Unmensch. Vielleicht weil er nur verletzt ist, vielleicht aber auch, weil er dich verletzen will. Und dann wache ich auf, beginne zu malen, wie jeden Morgen. Aber da ist es. Dieses dicke, fette, krakelige ‚Unmensch‘. Auf der Stirn. Kein Farbton der es übertünchen könnte. Und ich frage mich, hat dieser Mensch Recht. Die Tage über, trotz dieses Tags auf der Stirn, tänzeln nette Menschen um einen herum. Sie malen an dir. An mir. Sie malen kleine Blumen und Herzen und versuchen dich zu versüßen. Mich zu versüßen. Ich nehme es war. Doch sehe ich nur dieses Wort. Und schlafe mit einem bitteren Geschmack von Selbstgerechtigkeit ein.

Die Tage vergehen, der Edding verblasst. Die Pinsel tun das was sie am besten können und ich versuche den Gedanken wegzuschieben. Halte mich zurück. Versuche zu verschwinden. Schattengrau zu werden, statt neongrün. Es funktioniert. Man nimmt mich nicht mehr wahr. Die Blümchen werden weniger. Und es umgibt mich das sichere Grau des Schweigens. Doch es reicht nur ein kleiner Klecks signalrot. Vielleicht nicht mit Absicht. Ein kleiner Tupfer dort wo das Herz sitzt, vielleicht auch die Seele. Und schon beginnen die Nächte kürzer zu werden weil die Gedanken toben und ich mich hinterfrage. Immer und immer wieder. Listen, die geschrieben werden. Menschen, die einen bestätigen, ohne es zu müssen. Aber man hört nicht hin. Tut es ab als Nettigkeit die es geben muss, sonst würde das Konstrukt Welt zusammenstürzen und verenden.

Tränen der Wut auf meinem Gesicht. Nicht stark genug um das Grau zu zerstören. Stark genug einzudringen. In mich. Mich zu hinterfragen. Mich stumm zu schalten.

Ich wollte nie gemocht werden. Immer nur akzeptiert. Ich wollte nie verletzen. Teste Grenzen, erkenne sie zu oft nicht. Und es schwappt immer wieder die Frage auf „Muss man mich wirklich so hinnehmen wie ich bin, oder bin ich einfach ein schlechter Mensch?“ Erkaufe ich mir Liebe mit Annehmlichkeiten, die ich anderen Menschen zukommen lasse? Bin ich ein Freier meiner Freunde? Was wäre wenn die Freigiebigkeit sein Ende fände? Stünde ich dann alleine da? Und vor allem, wäre es wirklich so schlimm?

Ich kippe die bunten Farben, die strahlenden, weg. Sehe keinen Sinn darin. Nicht im Moment. Es bleiben die Töne die an Wein, Bier, Whisky und an das Vergessen erinnern. Weil vielleicht hatte der Edding Recht…

Ich gehe zu Karstadt. Schreibwarenabteilung. Die Auswahl riesengroß. Weil es in dort selten einen Spiegel gibt, muss die Handykamera herhalten. Ich hole den dicksten Edding heraus, teste ihn, an mir. Mit dicken Lettern in Spiegelschrift ein ‚WER BIST DU ÜBERHAUPT?‘. Auf der Stirn. Das Wort ‚Unmensch‘ schimmert durch.

Ich ignoriere es und lasse den Stift einfach fallen.