Geburtstort

Bayern. Ich zucke mit den Schultern. „Wann fährst du denn mal nach Bayern?“, fragen sie. Nicht viele. Aber sie fragen. Und ich zucke mit den Schultern und eine innere Stimme flüstert „Nie wieder.“. Sie nennen es meine Heimat. Ich nenne es Geburtsort. Nichts wofür man sich schämen sollte, worauf man aber auch auf keinen Fall stolz sein kann. Dinge passieren, Kinder werden geboren und weil es Bayern nunmal gibt, werden auch dort, weil die Menschen sich nunmal fortpflanzen, kleine Babys geboren. Heimat war es nie. Und wenn sie dann weiterfragen, warum denn nicht oder warum ich es denn nicht wüsste, weil man wolle doch sicher mal wieder in die alte Heimat, zucke ich weiter mit den Schultern und sage Dinge wie „Weil ich nichts vermisse.“, „Schon mal ein Bahnticket gekauft von Hamburg nach Bayern?“ oder „Keine Zeit.“

Alles Dinge, die irgendwie, so für sich selbst eine kleine Wahrheit enthalten. Aber der Hauptgrund, wenn ich in mich horche ist, dass ich mich der Konfrontation der „Zurückgebliebenen“ nicht stellen möchte. Sie gucken einen an. Mit diesem Blick der einem sagt, dass sie Großes von einem erwarten. Weil man ist nicht nur vom Land in eine größere Stadt gezogen. Nein. Man hat den Schritt gewagt fast bis an das andere Ende von Deutschland zu ziehen. Und so eine Großstadt, die pulsiert doch und man erlebt ständig verrückte Sachen und trifft seltsame Menschen und ist auf Hinterhofpartys eingeladen die darin enden, dass man splitterfasernackt in der Elbe schwimmen geht und dabei der Sonne beim Aufgehen zusieht. Man trinkt nur noch Starbuckskaffee und isst Gerichte deren Namen man nicht aussprechen kann. Das Leben, wird erwartet, wird so viel aufregender sein als am Land. Da wo man geboren ist. Weil die Großstadt… Da trifft man doch dauernd Künstler und vielleicht wird man selber Künstler und eröffnet einen eigenen Laden in dem man seine mundgeschnitzten Briefbeschwerer verkauft. Oder man geht ständig ins Theater. Weil Großstadt eben…

Und wenn sie einen dann angucken und Geschichten erwarten, dann kann man nur erzählen, dass man südlich der Elbe wohnt. Und nein, man kann da nicht auf die Elbe gucken. Man fährt ins Büro, geht danach Wolle kaufen. Und nein, im Büro kann man auch nicht auf die Elbe gucken. Aber der Kiez… ja der ist da. Manchmal versumpft man dort. Zusammen mit den Touristen. Guckt sie an, wie sie aufgeregt und verschämt an den Damen am Hans-Albers-Platz vorbeilaufen und kichern. Aber selten. Weil man doch nur ein kurzes Wochenende hat. Und es ist noch so viel zu erledigen. Und man setzt sich nicht stundenlang an die Landungsbrücken. Kann man auch gar nicht. Weil da sind die Touristen. Und man will nicht aussehen wie ein Tourist. Und eigentlich will man die Touristen schubsen, weil die so langsam sind und so langsam gehen und gucken und immer eigentlich gar nicht wissen wo sie gerade hinwollen.

Und dann kann ich nichts erzählen, außer, dass ich plötzlich gerne Dinge mache wie sticken. Und häkeln. Und nen Freund, ja den hab ich auch. Und den Kater, immer noch. Aber sonst. Ja nix. Und sie wirken so betroffen. Sind enttäuscht, weil wozu denn dann in die große Stadt ziehen, wenn man nicht mehr macht als zuvor und eigentlich das selbe macht.

Weil ich es kann. Weil ich dort in diesem Bayern immer das Gefühl hatte ich müsste erleben. So viel erleben, dass mir der Kopf platzt wegen den Bildern und den Farben und den Tonnen an Erfahrungen. Und jetzt wo ich hier bin. Hier, wo man erleben könnte, wenn man doch nur wollen würde, dann will ich nicht. Es reicht zu wissen, dass ich könnte. Es reicht das Gefühl rausgehen zu können und schon wär es da. Das Erleben. Man müsste nur danach greifen. Aber ich entscheide mich frei dazu, dass ich es nicht möchte. In Bayern, ja da war es anders. Da wurde ich gezwungen nichts zu erleben. Wie aufregend es war, wenn wir biertrinkend an der Tankstelle saßen. Es reichte mir, uns. Für diesen Moment. Manchmal vermisst man diese Momente. Aber jetzt. Da hat man genug Bandbreite, eine eigene Couch, versorgt sich selbst und will nicht mehr raus, weil man es nicht kann, sondern will nicht raus, weil man nicht möchte.

Bayern? Frage ich mich. Was soll ich da denn? Außer Leberkäse essen und eine Stunde auf den nächsten Bus warten?! Da rege ich mich doch lieber mit nem Franzbrötchen in der Hand darüber auf, dass ich jetzt wirklich 4 Minuten auf die nächste Bahn warten muss.

Deutsch für Bayern

Den Wulff, den finden wir doch doof, oder? Der ist Politiker. Natürlich können wir den nicht leiden. Weil DIE DA OBEN, DIE MACHEN DOCH SOWIESO WAS SIE WOLLEN! Und der Wulff, der sagt viele Dinge. Ist ja Politiker. Ist deren Job. Reden. Und unsere Aufgabe ist es, uns darüber aufzuregen. Weil DIE DA OBEN…, ihr wisst schon.


Momentan wird viel über das Thema Integration gesprochen. Weil der Onkel Sarrazin hat nämlich gesagt, dass sich die Muslime nicht integrieren wollen. Um Arbeit geht’s. Kriminalität. Schulen. Alles wird durchgerödelt und wenn man bei wordpress die aktuellen deutschsprachigen Top-Posts durchklickt, behandeln grob geschätzt mindestens die Hälfte davon, dieses Thema. Ein Integrationsdebatten-Boom.


Dann kommt der Opa Wulff und sagt „Wer bei uns arbeiten will muss Deutsch sprechen.“. Hat er ja irgendwie recht. Meine bescheidene Meinung. Wenn ich Brötchen kaufen gehe, will ich, dass ich mich nur verbal äußern muss, ohne Zeichensprache anwenden zu müssen um mein Anliegen zu verdeutlichen. Nur mal so.


Aber der Satz an sich interessiert mich gar nicht. Soll er doch. Reden und reden lassen. [Und während ich das hier tippe denke ich mir, verdammte Axt. Jetzt gibste denen auch noch DAS Argument um dich dann tot zu reden, weil die soll ich dann halt auch einfach reden lassen. Mist, Mist, Mist. Egal. Vielleicht fällt’s ja nicht auf. Einfach ein paar blumige Neologismen einwerfen. Das lenkt doch immer ab. Puh!] Was mir saure Wutrülpser entlockt ist das immer wieder auftauchende Thema BAYERN.


Wer nicht versteht was ich gerade meine, eine kleine Assoziationskette, die zu weiteren Witzen über das Bayervolk führte.


Wulffi -> wer arbeiten will muss Deutsch sprechen -> nicht Deutsch sprechen -> unverständliche Dialekte -> yeah, Bayern -> aber Opa Wulffi, so viele arbeitslose Bayern, das geht doch nicht -> Schenkelklopf, höhöhöhöhö!!!


Verstanden? Gut. Und gelinde gesagt geht es mir derbe gegen den Strich. Absolut subjektiv brülle ich ein „Nieder mit dem Bayernbashing!!!“ in die traute Leserschaft. Warum? Ich bin Bayer. Und da ich nun mal ein Teil des eigenwilligen Völkchens bin, fühle ich mich persönlich verarscht und ausgelacht. Hihi, kuck mal. Die kann nicht richtig Deutsch reden. Lustig!!! Nicht!!!!!! Ich müsste mich nicht angesprochen fühlen. Ich könnte sie reden lassen. Wie ich den Wulffi-Schnupsipups reden lasse. Doch leider ist es so, dass sich diese Thematik wie ein roter Faden durch meine Außenwelterfahrung zieht.


„Wie? Du kommst aus Bayern? Das hört man aber gar nicht.“

„Also das du aus Bayern kommst, das hört man schon.“

„Wenn du dann nach Hamburg ziehst und keine Wohnung findest, vielleicht haben die im Asylantenwohnheim noch einen Platz für dich.“


Der Bayer spricht komisch, er feiert saublöde Feste, er kleidet sich absolut beschissen und überhaupt, weg mit diesem Bayernvolk, weil wollen wir nicht in unserem schönen Deutschland haben.


Besonders in dem Fall macht sich bei mir der Eindruck breit als, wäre Bayern ein sprachliches Gallien.


„Ganz Deutschland spricht verständliches Hochdeutsch… ganz Deutschland? Nein, ein kleines Bundesland leistet nach wie vor der Verhochdeutschisierung heftigen Widerstand.“


Ja, der Bayer ist stolz auf seinen Dialekt. Ja, viele Bayern vertreten die Ansicht, dass man sich ja nicht mit ihnen unterhalten müsste, wenn man sie nicht versteht. Sehe ich alles ein. Auch ich selbst machte mich über die Engstirnigkeit beim Thema „Erweiterung des sprachlichen Horizonts“ lustig. Aber es ist nun mal eine Tatsache, dass ich das darf. Weil ich Bayer bin. Ich darf über meine Landsleute herziehen und ihre sprachlichen Äußerungen als Verbaldurchfall betiteln. Unfair, aber ist nun mal so. Und vor allem erweckt es jedes Mal bei mir den Eindruck, als wäre Bayern das einzige Bundesland mit einem Dialekt dem man nur folgen kann, wenn ein Untertitel dabei ist.


Ein kleiner Schwank aus meinem Erfahrungsschatz was Dialekte anbelangt. Ich fuhr einmal vier Stunden mit einem Sachsen von Punkt A nach Punkt B. Die Unterhaltung mit dem netten Menschen fiel mir sehr schwer, weil jeder zweite Satz von mir ein „Wie bitte?“ war. Ich verstand ihn zum Großteil einfach nicht. Und so ist es in weiten Teilen von Deutschland. Es gibt so viele verschiedene Dialekte, die eben auch nur die Leute verstehen, die diesen sprechen. Ösis reden auch komisch. Über die macht man sich nicht lustig. Weil ist ja ein anderes Land. Die dürfen das. Oder die Schweizer. Versteht keine Sau. Ich war einmal in der Schweiz. Das Zahlen der von mir erworbenen Artikel war nur möglich, weil ich die Zahlen am Kassendisplay sah. Den Kauderwelsch den mir der Mensch da entgegenbrummelte war unverständliches HubbaBubba-Genuschel. Aber auch ein anderes Land. Stimmt. Scheiß auf das Deutsch in Schweizer-Deutsch.


Und mir wird das langsam zu blöd (schon wieder). Das ich ständig hören darf wie selten scheiße wir doch sind. Wir Bayern mit unserem Bier und unserem Winter und unserer Sprache. Urlaub auf dem Bauernhof im Bayerischen Wald. So schön idyllisch. Und alle waren sie so nett und freundlich.


Kindergartenniveau. Es fehlt nur noch die rausgestreckte Zunge und ein gesungenes Nanananana. Dann wäre es perfekt.


Ich bin es leid, mich für was zu entschuldigen, indirekt, was ich nun mal bin. Ich kann nichts dafür. Ich habe mir das nicht ausgesucht. Ich boxte meine Mutter im Bauch nicht in Richtung Bayerischer Wald und gab ihr Morsezeichen, dass sie mich genau da rauspressen soll.


Ach und ihr Komiker. Nur mal am Rande. Deutsch ist nicht gleich Hochdeutsch. Nur mal so.


Und während Opa Wulff darüber nachdenkt, wie er den Bayern richtiges, echtes, brauchbares Deutsch beibringt, damit er nicht Abermillionen neue Arbeitsamt-Besucher hat, philosophiere ich still und leise, aber in Mundart, darüber, dass es der Bayer schafft, mit nur einem einzigen Buchstaben eine ganze Unterhaltung aufrecht zu erhalten.


Pfiad eich!

Ein Prosit

Bierzeltstimmung, Zuckerwatte, gebrannte Mandeln, Kotzfahrgeschäfte, Losbuden, Bier aus riesigen Krügen trinken und zu viel Geld für versalzenen Käse und trockene Brezen zahlen. Oder in einem Wort: Dult. Was für den Münchner das Oktoberfest ist, ist für den Passauer die Dult. Zweimal im Jahr. Einmal im Mai und einmal im September. Und ich, wie sollte es auch anders sein, hasse es.

Man könnte mich arrogant nennen. Weil ich auf solch typisch bayerischen Veranstaltungen keinen Wert lege. Weil ich sie abstoßend finde und ich mich einfach nur unwohl fühle, wenn ich mich durch die Zuckerjunkies und Rauschkugeln drängen muss. Es ist die Musik, der unausgesprochene Dresscode, das Schunkeln und die Stammtischstimmung mit Wackelärschen auf Biertischen. Es ist der absolute Vollrausch, der über all dem schwebt. Ja, ich bin arrogant aber hey, ich stehe dazu.

Und heute wurde ich seit Ewigkeiten wieder auf eine dieser Veranstaltungen gezerrt. Herbstdult nennt es sich. In Passau findet es statt und mir reichten die zwei Stunden vollkommen aus, um für die nächsten trilliarden Jahre darauf verzichten zu können. Erster Punkt. Es riecht. Entweder nach Pisse. Überall. Weil das Bier, dass sich der lederbehoste Niederbayer in den Astralkörper schüttet, auch wieder irgendwo hin muss. Überteuertes Bier. Das einzig gute an dem besagten Gesöff ist, dass Festbier um einiges besser reinhaut, als die Ottonormaltag-Variante. Und wenn es nicht nach Urin müffelt, dann eben nach Fisch. Oder Fett. Oder Zuckerschock. Oder einfach nur nach Pferdedung. Milliarden Gerüche die auf einen einprasseln und einem die netten kleinen Härchen im Naseninneren wegätzen.

Und dann die Menschen. Alle Farben, Formen und Stufen von boah-verpiss-dich-aus-meinem-Gesichtsfeld-oder-ich-hau-dir-eine-rein. Die quietschigen Teenies, die Bierkrugtragend am Autoscooter lehnen und sich gegenseitig beim Paffen von Marlboro Light supercoolst fühlen. Die übergroßen Gruppen an Landhausmodenkatalog-Models die jeden Coversong der Täterä-Band auswenig können und das Bierzelt zum Wackeln und mich zum Brechen bringen. Im normalen Leben studieren sie BWL und KuWi aber wenn Dult ist, dann machen sie mit, bei diesem eigenwilligen Brauchtum der Bayerwäldler und lassen die Sau raus. Nun hätten wir noch die Checkerjungs, die, weil ihnen ihr motorisierter und aufgemotzter Untersatz fehlt, ihre Runden zu Fuß um den Dultplatz drehen. Immer auf der Suche nach Streit, weil was wäre eine Dult ohne eine ordentliche Klopperei. Erst wenn der letzte Bierkrug auf einem Hohlschädel zerschellt ist, werdet ihr merken, dass ihr einfach nur bescheuert seid. Nachmittags gibt es dann noch die Muttis. Früher Breitarschmutti. Heute Magerarschmutti, Anfang zwanzig die sich den Namen ihres Sprösslings auf den Unterarm tättowieren hat lassen. Neben das Tribal mit der Rose darin. Stopfen dem Kleinkind versalzene Pommes in den Mund und schütten brav Colamix in die fettbeschmierten Mäulchen. Ach und die Omis mit den Enkelchen. Dürfen auch mal raus. Beide. Lassen es so richtig ordentlich krachen die beiden. Sie bestellt ein Radler, er ist zehn Jahre alt und darf aber artig mittrinken. Denn ein richtiger bayerischer Junge muss doch wissen wie man einen Bierkrug hebt.

Der dritte Punkt ist das Bedürfnis sich der guten alten Tradititon der Stammtischdiskussion hinzugeben. Politik immer ganz groß. Die da oben. Alles Schweine. Außer der Sarrazin. Der ist momentan ein super Typ, weil der das ausspricht, was doch alle denken. Bloß nicht diskutieren. Einfach noch einen tiefen Schluck aus dem gläsernen Putzeimer nehmen und sich das sieben Euro-Bier schmecken lassen.

Und dann laufen die Menschen immer in eine andere Richtung als ich. Warum tun die das? Sie rempeln mich an und kucken dann auch noch dumm, wenn ich sie mit meinen Blicken töten möchte. Die machen das doch extra. „Oh kuckt mal, die Barbara. Die will Richtung Norden. Schnell, schnell. Formatiert euch. Alle Richtung Süden. Ich wiederhole. Richtung Süden!!!!“

Als kleines Kind fand ich Dult sicher super. Es gab diese riesigen Luftballons. Und Kettenkarussell und Zuckerwatte. Lose und Papa hat einem Rosen geschossen. Auch als Teenie war es noch eine nette Veranstaltung. Zu zweit eine ganze Maß trinken. Heimlich hinter dem Klohäuschen eine rauchen und dann sich zu den Coolen beim Autoscooter schummeln. Übermäßig viel Geld für Fahrchips und billigen Modeschmuck ausgeben. Hach, damals da war es noch eine schöne Sache.

Heute weckt so eine Veranstaltung den puren Fluchtreflex. Ich sehe ein riesiges Bierzelt und will weg. Einfach nur weg. Wahrscheinlich bin ich auch einfach nur zu engstirnig. Oder zu nüchtern um die wahre Wunderbarigkeit eines solchen Events genießen zu können. Aber solange mich keiner mit drei Promille voll pumpt, werde ich nie wieder auf einer Dult auftauchen. So wahr mir der Anstich helfe.

Achja. Was ich dann heute alles gemacht habe? Radler getrunken, einen ganzen Liter. Dem leicht angesäuselten Mädchen gegenüber beim wirr reden gelauscht. Sie berichtete mir von ihrem Kinderwunsch und davon, dass sie sofort wieder mit dem Rauchen beginnt, wenn sie das Jüngelchen hat. Spiegelkabinett. Im Verzerrspiegel bemerkt, dass ich einfach nur einen längeren Oberkörper bräuchte und kurze Stummelbeine, dann wäre ich total sweet. Suche nach einem Geschenk für die kleine Schwester an den Schmuckständen. Erinnerungen an die Kindheit als ich eine Kette mit einem Plastikdelphin sah. Hach damals, die Plastikschnuller. Das waren noch Zeiten. Versucht ein Glücksbärchenstofftier in einem dieser Greifarmautomaten abzugreifen. Mädchen gegenüber prahlte mit ihrem Talent. Sie hat gelogen. Kind die Zunge gezeigt. Es hat angefangen. 250 Gramm Käse und Breze für „günstige“ sechs Euro erstanden. Hat sich doch gelohnt, oder?

Blog Blog Hurra!!!!!

Kenne mich ja nicht so aus im Blogger-Mileu aber so einen Bloggeburtstag, den feiert man doch, oder? Da werden die Luftballons aufgepustet und die schlechtesten Witze ausgegraben.

Mein Blöggchen wird heute genau ein Jahr alt. Groß ist es geworden. Und mit diesem hier, fing alles an. Ein Jahr später, 119 Einträge und 23,709 Aufrufe mehr, kann man folgendes fazitieren.

„Ich bin kein Stück schlauer geworden. Ich werde immer noch ständig von meinen Gedankenmonstern mit Fragen bombadiert. Meistens geht es darum, dass ich einfach nicht verstehe, warum Dinge so sind wie sie sind. Und warum alles so kompliziert sein muss. Aber ich bin ja die Mutter der Gehirnverkrümmung. Ich darf mich gar nicht darüber ärgern, dass die Menschen zu viel Zeit mit dem dreschen von Phrasen vergeuden.“

Ach und dann muss man doch auch irgendwie danke sagen. Den schmerzfreien Lesern. Wenn es euch nicht gäbe, säße ich haareraufend in einer Gummizelle und würde versuchen aus meiner Spucke kleine Nacktschnecken zu klöppeln. Ihr seid die Wand, die ich beschmieren darf.

Ja und weil heute Geburtstag ist, rege ich mich auch heute mal nicht auf. Ich werde zu meine Spongebob-Tröten auspacken, mit Edding „PARTEY“ auf meine Stirn schmieren und meine gesammelten unfertigen Beiträge mit einem Feuerwerk in den Papierkorb transferieren.

Ach und wünschen tu ich mir auch was tun. Los! Sagt mir mal was. Was ihr meint, was ich eigentlich schreiben sollte. Oder so ähnlich. Ach egal. Macht euch ne Bowle und huldigt meinem Antlitz. Das reicht mir fürs Erste.

Witzigkeit mit Grenzen

Dank Twitter bin ich heute auf eine sehr erbauliche erbauliche Seite der JU gestoßen bei der es sich um eine Singlebörse der Jungen Union handelte.

Schon allein die Einleitung ist doch bitte zum Knutschen und Augen wund reiben.

Irgendwie entsteht beim Lesen der paar Zeilen dieser eigenartige bittere Beigeschmack den man nur empfindet, wenn die nette Omi von nebenan davon erzählt, dass ihr Enkelsohn ein ganz fescher Bursche ist, aber ohne Freundin und das man selbst doch so ein herzallerliebstes, zuckriges Wesen sei, ob man denn nicht Lust hätte, diesen Prachtkerl kennenzulernen. Meistens will man das nicht. Weil er einfach mal ein offensichtliches Griff ins Klo ist.

Als ich den pelzigen Belag auf der Zunge weggekichert habe, weil ich es einfach zu herzallerliebst finde, wie eine Partei versucht einen auf jugendlich und offen zu machen, besonders bei der JU wirkt dies ziemlich drollig, stattete ich Twitter einen kleinen Besuch ab und siehe da, natürlich gab es ein paar Stimmchen, die es gar nicht nett fanden, das man sich über diese armen kleinen Würmchen lustig macht.

Naja, jetzt mal Spaß beseite. Die Kinder-Küche-Kirche-Witze hebe ich mir auch für einen besonderen Anlass auf. Aber irgendwie stellt sich mir da eine ganz große Frage und die hätte ich gerne beantwortet. Vielleicht hat ja jemand Lust und Zeit? Es geht nämlich darum.

Twitter ist so dieses Ding, da macht man sich einfach über alles lustig. Die Bauer-sucht-Frau-Genossen die halt nun mal schon so verzweifelt sind, sodass sie sich an RTL wenden um Bumsmaterial zu erhalten. Ach, einfach alles und jeder wird durch den Kakao gezogen. Ganz groß sind die Alltime-Running-Gags „Katholizismus“, „Bayern“ und natürlich auch „eigenwillige bayerische Parteien“. Jetzt ist meine Frage. Es ist also total legitim, sich über ein ganzes Bundesland lustig zu machen, zu dem ich auch gehöre, wo ich aber nix für kann? Es ist ebenso absolut in Ordnung, wenn man sich über eine gewisse Partei lustig macht? Aber es ist nicht in Ordnung, wenn man sich dabei ertappt zu kichern, wenn man liest, dass die Hobbies von Tim Helijumping, Freeclimbing und Briefmarken sammeln sind? Es ist erlaubt, sich über Facebook und die selten dummen Postings der vermeintlichen „Freunde“ lustig zu machen, es ist aber nicht OK, wenn man schmunzelt weil die JU meint, ein kleines Partei-Herzblatt veranstalten zu müssen?

Nur um festzuhalten. Ich bin katholisch. Wurde halt getauft. Ich bin Bayer. Wurde halt hier geboren. Bei Witzigkeiten, die vermeintlich auf meine Kosten gehen, kann ich zwar nicht wirklich lachen aber fühle mich auch keinesfalls angesprochen. Nicht das man meint ich würde mich hier nur aufregen weil ich Rache für all die Bayernwitze nehmen möchte. Aber ich würde gerne wissen, mit welchem Maß bei Twitter gemessen wird. Denn das würde mich schwer interessieren. Ach und ich stelle mir auch die Frage, hätte die NPD so eine Single-Börse, jetzt mal ein bisschen überspitzt dargestellt, fände man es dann auch so schlimm, wenn man sich über die kleinen Single-Menschlein lustig machen würde?

Erklärungen und Beschimpfungen nehme ich gerne entgegen. Bin es ja gewohnt. So als weiblicher, bayerischer Katholik.

[Edit: Wie in den Kommentaren zu lesen, wurde die Seite von der Internetseite der JU entfernt. Erklärung dazu gibt es HIER. ]

Das Volk hat entschieden

„Boohoo“, winseln die Raucher. „Woopidoo“, machen die Nichtraucher. Bayern hat entschieden. Frische Luft für alle und zwar sofort. Naja, ob die Luft in den Clubs und Lokalen wirklich um so vieles frischer ist, sobald die Raucher nicht mehr die Luft verpesten, sei mal dahingestellt (Menschen können so eklig riechen), aber der Nichtraucher wird ab August nicht mehr von dem rauchenden Ekelpaket in seiner gesundheitlichen Situation beeinträchtigt.

Ich bin ja Raucher. Das Thema hatten wir schon einmal. HIER! Und ich als Raucher muss gestehen, dass ich nicht mit entschieden habe. Nicht weil es mich nicht interessiert. Ich habe mich aus der Nummer herausgehalten, weil ich 1. zu lahmarschig war den Antrag zur Briefwahl rechtzeitig bei meiner Gemeinde einzuwerfen und 2. weil ich mich weder für „ja“, noch für „nein“, hätte entscheiden können.

Ich verstehe die Nichtraucherfraktion vollkommen. Da sitzt du beim netten Italiener von Nebenan, willst deine leckere Penne mit Supigeilomatensoße und ordentlich Knoblauch genießen und dann sitzt neben dir so ein penetranter Wichser, der nichts Besseres zu tun hat, als dir den Rauch auf die Nudeln zu blasen. Dann wird er vielleicht sogar noch frech, wenn man ihn höflich darum bittet, er solle doch seine Zigarette ausmachen, wenn man isst, weil es einen stört. Und dann kommen die altklugen Superposersprüche. „Mich stört es ja auch nicht, dass Sie essen.“ Boah Kinders. Wer mit solchen Argumenten kommt, sollte vielleicht noch einmal überlegen ob er sich nach draußen in die Zivilisation wagen sollte. Und ich verstehe es auch, dass ihr keinen Bock habt, nach einer durchfeierten Partynacht zu riechen als hätte man euch in einem Aschebecher gewälzt. So Rauch ist ekelhaft. Ich gebe es zu. Alles riecht danach und wie ein fieses schleimiges Monster setzt es sich in allen Stoffen fest und will da einfach nicht mehr raus. Jede Pore des Körpers, jeder Fetzen Stoff an einem riecht nach Lungenrasseln und man ekelt sich vor sich selbst. Und eigentlich der wichtigste Punkt an der ganzen Sache ist ja, wollen wir mal nicht vergessen, die Gesundheit. Ich habe mich ein bisschen darüber informiert wie das ist mit diesem passiven Rauchen. Der Bayer würde sagen „Nix gwiss woas ma ned!“. Es gibt sicherlich Statistiken die beweisen, dass das passive Rauchen zum Tod führen kann. Aber inwieweit man diesem Rauch ausgesetzt sein muss, konnte ich da nicht herauslesen. Wer klüger ist und besser informiert obendrein, der möge mich bitte aufklären. Und wenn es nun mal so ist, dass der Raucher einen eigentlich unbeteiligten Menschen mit seinem Gequarze dem Sarg ein Stückchen näher bringt, finde ich die Regelung eigentlich ganz OK. Bin ja kein Unmensch. Obwohl ich Raucher bin. Man stelle sich das einmal vor. Drastische Vergleiche werden gezogen mit Alkohol am Steuer und anderen Gräueltaten bei denen unbeteiligte Menschen in den Tod gestürzt werden. Wenn ich jetzt überlege wie oft ich schon jemand passiv angeraucht habe, nie direkt versteht sich, war immer der Wind, dann fühle ich mich jetzt mal kurz wie ein Massenmörder. Ich verstehe es, wenn Nichtraucher nicht hineingezogen werden wollen in den Dunst aus Tod und Verderben. Aus diesem Grund hätte ich mit keinem reinen Gewissen mein Kreuzchen bei „Nein“ machen können.

Jedoch muss ich auch sagen, dass die bisherige Regelung wie sie jetzt stattfand vollkommen meinen Zuspruch fand. Die Wirte durften entscheiden wo geraucht werden darf und wo nicht. Ich war in Lokalen wo ich rauchen durfte, ich war in welchen in denen ich nicht rauchen durfte. Und nie war der Abend davon abhängig, rein Spaßpartyjuhu-mäßig, ob ich mich rausstellen musste, oder ob ich drinnen meine Schachtel verqualmte. In Restaurants sehe ich es vollkommen ein. Da bin ich für ein striktes Rauchverbot, denn auch ich finde es nicht gerade angenehm, wenn mir beim Essen einer in meinen Beilagensalat nikotiniert. Aber gerade in Bars sollte es im Ermessen des Betreibers liegen, inwieweit er den möglichen Profit vor oder hinter die Gesundheit seiner Gäste stellt. Und insbesondere so Bierzeltveranstaltungen… jetzt mal ehrlich? Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Türsteher dann auch noch anfängt alle Menschen mit einer Kippe in der Hand vor die Tür zu setzen, wenn er mehr damit beschäftigt ist, besoffene Bierkrugschmeißer übers Knie zu legen.

Inwieweit sich das Ganze durchsetzen wird oder auch nicht, wird die Zeit zeigen. Liebe Nichtraucher freut euch über euren kleinen Sieg. Er sei euch vergönnt. Und liebe Raucher. Wenn ihr schon argumentieren müsst, verzichtet doch bitte auf so Aussagen wie:

„Immer auf die Raucher. Zigaretten sind sowieso schon so teuer und dann noch das.“

oder

„Wer nicht vollgequalmt werden will, der muss ja nicht weggehen.“

Wenn ihr schon meint euch verteidigen zu müssen, euch und eure Sucht, dann macht das doch bitte sachlich und macht euch nicht peinlich. Weil ich bin eine von euch und muss mich dann ganz viel schämen. Danke!

Ein Königreich vs. Hochdeutsch

„Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.“

Eine Lebensweisheit die ich gerne für die Menschengruppe „Bayer“ umformuliere.

„Was der Bayer nicht kennt, frisst er nicht, verurteilt er und wenn keiner hinsieht, dann spuckt er auch noch drauf.“

Bevor ich es mir mit allen wilden Bajuwaren, die sich unter meiner Leserschaft befinden verscherze, möchte ich das natürlich lokal eingrenzen. Erstens, weil ich nur über das urteilen kann, was ich jeden Tag live und in Farbe um mich herum erlebe und zweitens, weil der Niederbayer, der der aus dem Wald kommt, sich sowieso für den einzig wahren Bayern hält.

Und hier fängt es schon an.

Wir befinden uns in Niederbayern. Im Bayerischen Wald genau genommen. Diese Bayern werden auch liebevollst ‚Waidler’ genannt. Übersetzt die ‚Waldler’, ‚die die im Wald leben’ oder einfach ‚Affenmenschen’.

Grundsätzlich besitzt der bayerische Affenmensch eine gewisse Art von Arroganz. Aussagen wie „Weißwurstäquator“, „Das heißt nicht Tschüß, das heißt Pfiade! (für meine Leserschaft die kein bayerisch versteht natürlich übersetzt. Original würde dieses so lauten „Des hoast ned Tschüß, des hoast Pfiade!“), „München gehört nicht mehr zu Bayern!“ und meine absoluter Favorit „Bayern soll wieder ein Königreich werden!“ All diese Aussagen erwecken den Eindruck, dass der Bajuwarenaffe gerne für sich sein möchte. Er möchte sich ein kleines Königreich aufbauen mit Verbalakrobat Stoiber als Hofnarr und Papst Benedikt als herrschende Königin. Ich möchte sogar behaupten, dass der tief verwurzelte Bayernaffe gar nicht wissen will, was da draußen noch so passiert. Er ist zufrieden mit seinen Lokalnachrichten, kennt seine Nachbarn in- und auswendig, weil man sich ja auf den jeweiligen Festivitäten trifft und übereinander herzieht und zum Italiener gehen, auch wenn man dort ein Schnitzel isst, muss doch reichen um sagen zu können man habe internationale Luft geschnuppert. Und wir wählen die Schwarzen, weil wir die schon immer gewählt haben und wir gehen Sonntags in die Kirche weil wir das auch schon immer so gemacht haben. Schön hat es so ein Äffchen. Muss sich um nichts sorgen, denn seine Art zu leben, wurde ihm schon von Kindesbeinen an eingetrichtert.

Jetzt ist es ja so, dass der Waidler nicht nur auf sein Bier stolz ist, sondern auch auf den Verbaldurchfall den er Dialekt nennt. Richtiger Satzbau ist hier fehl am Platz. Es wird sogar behauptet, dass die kurzen Grunzlaute, die so ein Bayer von sich gibt, die Grundlage waren für den SMS-Schreibstil, der sich in den letzten Jahren bei Teenagern eingebürgert hat. Das Bayernäffchen ist auch ein richtiger Macher, wenn man ihm einmal genau zuhört. Er geht nicht irgendwo hin. Das wäre zu einfach. Er tut wo hingehen. Er tut schneeschippen, er tut bügeln und vögeln tut er auch tun. Der Bayer hat echt was auf dem Kasten.

Was das Bayeräffchen gar nicht mag, sind Menschen die Hochdeutsch sprechen. Was er noch weniger mag sind Bayeräffchen, die Hochdeutsch sprechen. Ich glaube das macht ihnen Pickel am Arsch, sonst würden sie ja nicht so allergisch darauf reagieren. Wenn man sich mit einem Waldbewohner im Dialog befindet und seine Aussagen in verständlichem Deutsch formuliert, kann es schon einmal vorkommen, dass man darauf hingewiesen wird, dass man auch normal sprechen könnte. Meine Theorie, warum die Waidler solch eine Abneigung gegen eine verständliche Sprache haben ist folgende.

Der Bayer trifft in seinem Leben nur selten auf Menschen die eine andere „Sprache“ sprechen als er. Die einzigen Menschen die er mit der Sprache „Hochdeutsch“ in Verbindung bringt sind meist Autoritätspersonen. Politiker, Lehrer und Beamte weil deren Beamtendeutsch wird gern in die selbe Schublade gesteckt, wie das liebe Hochdeutsch. Und mögen wir Autoritätspersonen? Nein. Sobald der Bayer also jemanden hochdeutsch sprechen hört, hat er das Gefühl zurecht gewiesen zu werden. Er erinnert sich an die Qualen in der Schulzeit und die vielen, vielen Formulare die er ausfüllen musste, um endlich sein Hartz4 bewilligt  zu bekommen. So etwas prägt. Habt also Verständnis. Ihr seelenlosen Tiere.

„Schreibt euch nicht ab und lernt bayerisch!“

Die schönste Begebenheit, die ich bezüglich „Der Bayer und das hohe Deutsch“ hatte war im Studium. Eine Studienkollegin hatte die Wahl Mathematik oder Deutsch als Studienfach zu wählen. Sie wählte Mathematik. Nicht weil sie Pythagoras und seine Freunde so super fand, sondern „Weil ich nicht hochdeutsch sprechen kann.“. Schön wenn sie es wenigstens einsieht. Ich fragte mich ab dem Zeitpunkt immer, wie sie es nur schaffte die Pflichtlektüre zu lesen. Vielleicht kannte sie jemanden, der ihr diese Bücher übersetzte. Wer weiß. Ich traute mich nie zu fragen. Die selbe Studienkollegin war auch steif und fest davon überzeugt, dass sie es nicht nötig hätte, sich mit Menschen, die nicht aus Bayern kommen, in verständlicher Sprache zu unterhalten. Wer sie nicht verstand, der hatte Pech. So ihre Theorie die sie auch in der Praxis verwendete. Gott sei Dank hatte sie große Brüste, sodass sie nicht total einsam durch die Studienzeit wandeln musste. Da sieht man gerne mal über eine Sprachbehinderung wie die ihrige hinweg.

Liebe Leser! Ich geh jetzt ein Weißbier trinken, ist ja Grundnahrungsmittel also so was wie ein gutes Frühstück und dann die Kühe melken. Und das nächste Mal erkläre ich euch, warum der Bayer so katholisch ist.