Liebe dich selbst, denn sonst tut es doch sowieso keiner

Derzeit wird mehr denn je über Selbstliebe debattiert. Darüber, ob es übertrieben ist, sich immer total knorke zu finden und auch darüber, dass es voll OK ist sich awesome zu finden und das mit Hängetitten und Orangenhaut. Es wird über Medien gesprochen, darüber welches Bild einem als Kind von sich selbst und seinem zukünftigen ICH in den Kopf gepflanzt wird und außerdem das Dauer-Mantra runtergebetet, dass bei Instagram alles gar nicht so real ist wie es scheint.

Die erste Frage, die mir bei der ganzen Debatte sofort in den Kopf schießt ist die, ob ich als eigenständig denkender Mensch das Recht verwirkt habe, mit mir und meinem Aussehen absolut unzufrieden zu sein. Worin besteht der Unterschied zwischen dem was mir die Werbeplakate aufzwängen wollen und dem was mir nun die ganzen anderen Medien ins Gehirn scheißen? Die Einen sagen „Du genügst nicht du fettes Stück Scheiße, wie aus du siehst, wie rum du läufst.“. Die Anderen im Gegenzug säuseln mir ins Ohr, dass ich mich doch nicht so anstellen soll und es voll OK ist mit einem absolut beschissenen BMI in Hotpants rumzulaufen, denn du hast dich trotz Cellulite verfickt nochmal gut zu fühlen.

Dadurch erschließt sich mir aber nun eine Folgefrage. Ich für mich selbst habe beschlossen, dass ich mich scheiße finden darf. Ich darf in den Spiegel gucken oder an meinen Oberschenkeln rumdrücken und schluchzend jede Tüte Chips verfluchen und meine Gene sowieso. Nun aber die Frage zu diesem Schluchzen. Finde ich das nun nur hässlich, weil es mir von den Medien so suggeriert wurde, oder hätte ich es auch ohne die Bitches der H&M-Plakate so empfunden?

Ich kann mich daran erinnern, dass ich mich als Teenager immer zu dick fand. Ich war es nicht. Ich hatte den Pubertätsbabyspeck um die Hüften, der sich erstmal verteilen musste. Meine Reaktion auf dieses Unwohlgefühl in meinem Körper war, dass ich auch im Hochsommer mit langen Pullis durch die Gegend gelaufen bin. Ich habe geschwitzt und bin fast gestorben. Noch heute praktiziere ich solch Dummheiten. Geht mir mir an einen Strand. Wenn ihr einen guten Tag erlebt, dann kremple ich meine Hosenbeine hoch. Aber auch wirklich nur an einem sehr, sehr, sehr guten Tag.

Aber zurück zu der Frage woher dieser Selbsthass kommt. Die Erziehung konnte es nicht sein. Meine Mutter sagte mir nie ich sei zu dick und ich war für sie immer das wunderhübscheste Mädchen auf dem Planeten (neben meiner Schwester). Aber woher kommt das eventuell verschobene Selbstbild? Waren es die Filme und Serien oder auch die Kataloge, die regelmäßig von mir durchforstet wurden? Meine Mutter war sehr dick, weswegen sie bei Versandhandel wie Schwab, Quelle und wie sie nicht alle heißen am liebsten ihre XXL-Schlüpper bestellte. Diese Schlüpper konnte man nur in speziellen Katalogen für Fette bestellen. Sie sahen auch meist echt scheiße aus. Die Zelte für Babys hatten hässliche kleine Blumenmuster und sahen nicht gerade so aus als könnten sie bei egal wem Lust erwecken. Geiler waren noch die Miederhosen, die sie sich bestellte um ein bisschen Form in ihren weichen Laib zu bekommen. Hautfarbene Monster. Vielleicht ist sie ja hier zu suchen. Die Angst vor hautfarbenen Schlüpfern führt zu Selbsthass zwecks Angst vor „Noch ein Burger und zack wiegste auch über 100 Kilo und musst diese Unterhosen tragen und warum sprichst du so oft von Unterhosen!?!?!“.

Vielleicht ist es auch genau das. Oder ein nie überwundenes Pubertätstrauma, an welches im mich nicht erinnern kann. Ich weiß aber eins. Ich will endlich wissen woher sie kommt, meine Versagensangst was Optik anbelangt.

Einerseits würde ich gerne den fuck-you-all-Lifestyle zelebrieren und bauchfrei mit meinem Hüftspeck shakend durch die City stolzieren. Und jeder Freundin mit der gleichen Figur würde ich dazu raten und sagen „Go Girl, du siehst wunderschön aus.“, außer sie sähe in dem Oberteil scheiße aus, denn das geht dann nicht also so zwecks Farbe und Hautton oder dummer Print oder…. egal. Aber andererseits will ich mich optimieren dürfen ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Und dann will ich mich auch wieder nicht optimieren wollen, weil das Leben ist kurz… ok, nicht mehr so kurz wie damals, aber naja kurz halt und das will ich mir nicht versauen mit Sport und Essen das nach igitt schmeckt. Ich will Pizza und Döner und Eis, Hergott will ich viel Eis.

Doch zum Grundkern des Textes. Was zur Hölle ist kaputt mit uns? Warum wollen wir uns ständig und dauernd gegenseitig sagen was das Beste für uns ist? Warum gönnen wir uns nicht unsere Fehler, unsere schwachen Momente? Warum müssen wir uns ständig toll finden und der Gewinner sein? Warum können wir nicht ab und an einfach Bock dazu haben uns anzugucken und uns so ganz filterlos hässlich zu fühlen? (BTW mag ich bei Snapchat die Tierfilter, denn die machen so ein schmales Kinn!!!)

Ja, ich verstehe die Notwendigkeit ein bestimmtes Bewusstsein zu schafffen.  Und ich weiß auch, dass es die Extreme gibt, die entstehen können. Ich bin aufgewachsen in einer Zeit in der es normal war, dass in einer Klasse mindestens vier Mädchen eine Essstörung hatten. Ich kenne die Probleme beider Seiten. Die derer die zu viel haben und die derer, die meinen noch weniger sei noch besser. Doch es missfällt mir, dass es ein pauschales verteufeln gibt von Menschen, die sich vielleicht einfach nur wohlfühlen wollen und dabei nicht in Extreme fallen. Es soll Leute geben, die finden Sport voll gut. Es soll auch Menschen geben, die auf ihre Ernährung achten, weil sie gesund leben wollen. Ich gehöre nicht dazu aber ich hab davon gehört. Wirklich. Ein Bekannter von nem Freund… Spaß beiseite.

Es soll sich jeder in seinem Körper glücklich fühlen, so wie er es tut. Doch es sollte auch jedem zustehen, sich selbst einfach mal scheiße zu finden. Weil er es kann! Ich für meinen Teil, finde mich schon so ein bisschen eklig, wenn ich im Sommer vor dem Wohnzimmertisch hocke, die Beine in einer NASA-Short angewinkelt und meine Oberschenkel die Optik einer Orange haben. Und das Recht dies an meinem Körper ungeil zu finden, möchte ich mir nicht nehmen lassen. Vielleicht könnt ich mal anfangen am Strand einen Badeanzug unter der Jeans zu tragen. Nur für alle Fälle. Aber wir wollen es auch nicht übertreiben.

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Großstadt > Dorf

Aktuell ein sehr wichtiges Thema in meinem Leben und auch sehr zukunftsweisend in besonderer Hinsicht ist das Thema Großstadt vs. Dorf/Landleben. Der werte Freund hatte sich vor zig Jahren in jugendlichem Leichtsinn gedacht „Hamburg… da sind die so viele coole Bands und Hip Hop-Menschen her, da muss ich hin..“, oder so. Und total awesome, dass er hier hergezogen ist, sonst hätten wir uns nie kennengelernt und LOVE und so bullshit. Aber nun ist der Tag gekommen, an dem wir vor einem Scheideweg stehen und man gucken muss wohin denn die fuckin Reise nunmal geht.

Ich komme vom Land. So richtig hart vom Land. Ich bin eins der wenigen Landeier, das keinen eigenen Führerschein ihr eigen nennen kann weil das Geld ist viel besser in Nietengürtel und Konzerte investiert, als in so nen dummen Lappen, der einem erlaubt ein motorisiertes Gefährt von Punkt A nach Punkt B (der zig Kilometer weit weg ist) zu dingsen. Also kenne ich die Abhängigkeit von Anderen, diesen verzehrenden Wunsch auszubrechen und die Stunden des Wartens auf den nächsten Bus, wenn denn überhaupt einer fuhr, weil es ist Wochenende und scheinbar wollen Dorfies nur unter der Woche in die nächstgrößere Stadt um dort zu arbeiten, weil was sollten sie denn sonst dort tun, sie haben es doch so schön hier mit Feuerwehr und der netten Kapelle und überhaupt, zur Kirche kann man auch zu Fuß laufen, wenn man sich nur dolle anstrengt.

Nach vielen Jahren der Dorf-Knechtschaft, zog ich nun nach Hamburg. Besser gesagt nach Harburg, was für die echten Hamburger nicht mehr dazu gehört, weil ist ja südlich der Elbe (FUCK OFF!!!!). Wenn wir Freunde in Niedersachsen besuchen, gibts immer das Freudenfäustchen, wenn wir wieder nach Hause fahren und das Schild sagt „Yo digga, biste wieder in Hamburg.“ Weil ich das hier mag. Und nun die Gründe, die gegen „eigenes Haus“, „eigener Garten“, „mehr Platz“ und den ganzen anderen Kram spricht, der rausgeholt wird, wenn es darum geht, dass man doch aufs Land ziehen sollte, weil viel schöner.

  1. Menschen

Wir haben hier Menschen. So viele, dass wir sie in Häusern in kleinen Wohnungen übereinanderstapeln müssen. Aber das ist OK. Denn wir sind uns egal. Erst nachdem wir einen Wasserschaden in unserer Wohnung bemerkten, der offensichtlich bis zu den Nachbarn ging, merkten diese vorsichtig an, dass es ganz nett wäre, wenn wir nicht um 3 Uhr Morgens unsere Wäsche waschen würden, weil das laut sei. Die wären nicht im Leben auf den Gedanken gekommen uns zu nerven. Weil man es als Großstädter nunmal einfach hinnimmt, dass 99% der Menschen, die einen umgeben, Arschkrampen sind. Und so ist es nicht nur mit Nachbarn. Auch die Leute, die mir in der Bahn gegenübersitzen und lautstark meinen ihren Jahresvorrat an Karotten wegzusnacken. Die seh ich nie wieder. Mit denen muss ich mich auseinandersetzen, weil sie irgendwann in den Weiten des Großstadtuniversums verschwinden und nichts bleiben als eine lästige Erinnerung. Auf dem Land ist es was Anderes. Man kennt sich. Und wenn man sich nicht kennt, dann wird trotzdem gesprochen. Übereinander. Das ist die welche und haste gesehen wie sie am Samstag noch um 12 Uhr Mittags mit der Schlafanzughose vor dem Haus rumgelaufen ist?! Ungekämmt!!! Man ist sich nicht egal. Zwar ignoriert man sich, wenn man sich trifft, oder man grüßt sich, wenn man Wochenends spazieren geht, weil es sonst nichts gibt, was man tun kann, außer seiner Familie auf den Sack zu gehen oder heimlich im Partykeller den Wodkavorrat leerzusaufen. Aber man spricht übereinander. Man hat Meinungen. Und die Meinungen, die gehen nicht weg, weil man eben nicht nach einer Station aussteigt und dann in die nächste Bahn steigt. Man hängt fest in seinem kleinen verfickten Scheiß-Universum und hat nunmal nicht anderes als sich und mit sich will man sich nicht beschäftigen als beschäftigt man sich dem was einen umgibt und das sind die Nachbarn, die den Rasen nicht mähen und das Unkraut nicht rupfen und viel zu laut sind oder zu leise, sonderbar einfach, weil nicht so wie man selbst.

2. Essen

In einer Idealvorstellung von Landleben hat man seinen eigenen Garten mit Kräutern und Gemüse und alles ist so schön und geil und man liegt masturbierend (wenn die Hecken hoch genug sind) zwischen den drallen Beeten und freut sich schon über die Instagramfotos die man posten kann von #healthyliving und #selfwattauchimmer. Aber ich will mir nicht mühselig mein Gemüse aus der Erde rupfen. Ich will es in kleinen Schälchen, nett portioniert vor die Tür geliefert bekommen, fertigt gegart mit einer unmenschlichen Portion Reis dazu und weil man sich mal was gönnt auch ne Flasche Wein oben drauf. Ich will die Auswahl haben. Asiatisch, indisch, italienisch oder doch einfach nur ein pampiger Burger? Wenn man Glück hat, dann hat man einen Liefertypen aufm Land. Der ist völlig überfordert und so eine Lieferung die dauert, weil er seine zig Kilometer zurücklegen muss. Vielleicht sind die Pizzen bei ihm geiler, weil keine Massenproduktion, aber wen interessiert das, wenn er nach einer Stunde vor Hunger den Kitt aus den Fenstern gefressen hat? Ich will Sushi und indisch. Ich will den Dönermann um die Ecke und um die Ecke und um die Ecke und verdammte Scheiße ich weiß gar nicht wo ich Döner essen will, wenn ich aus dem Haus gehe weil ich allein 3 Dönerläden in nächster Nähe habe. Und wenn ich ganz verrückt bin dann geh ich raus und geh in Burgerläden mit dem geilen Scheiß. Nicht die Mc King-Scheiße. Mit geilen Brötchen und auch die Currywurst am Kiez ist besser als alles was ich mir selber in meinen eigenen vier Wänden zusammenbrutzle. Ich kann essen wo ich will, wann ich will, was ich will. Ich muss nur meinen Geldbeutel zücken und vielleicht ein paar Meter laufen. Wenn überhaupt.

3. Veranstaltungen

Ich nehme an kaum welchen von diesen hippen Dingen teil. Diesen ganzen Stadtteilfesten auf denen man sich gegenseitig beschissen im Weg rumsteht, während einem die Soße von irgendeinem leckeren neuen veganen fancy Irgendwas aufs Shirt tropft. Doch ich weiß, dass es sie gibt. Und allein das Wissen darüber beruhigt. Kein Schützenfest, auf dem Jugendliche betrunken hinter die Pommesbude kotzen, sondern die guten Sachen. Früher waren solchen Feste ein Zwang weil man wollte raus und Alkohol. Jetzt braucht man das nicht mehr, weil das Angebot so groß ist, dass man sich nicht mehr schlecht fühlen muss, wenn man stattdessen die bequeme Jogger anzieht und sich einfach auf dem Sofa verkriecht. Man hat endlich mal keinen Zwang an irgendwas teilzunehmen. Man kann, aber man entscheidet selbst, dass man nicht will.

4. Kiosk

Supermärkte auf dem Land sind weit weg und man muss mit dem Auto hin und man muss immer alles auf dem Zettel haben was man braucht und was man will, weil nochmal raus ist voll anstrengend. Hier habe ich allein drei Kiosk in erreichbarer Nähe. Sie warten auf mich. Die netten Menschen da drin die mir Kippen und mein Bier verkaufen. Ich kann da rein, ungewaschen und völlig neben der Spur, weil es egal ist, denn nach mir kommen die Berufsalkis, die sehen um Welten schlimmer aus als ich. Im Supermarkt sehe ich nur die Nachbar. Die, die nett grüßen, wenn sie am Haus vorbeilaufen und dann sich das Maul darüber zerreissen, wenn die Haare fettig aussahen oder die Hose dreckig war. Wenn man oft genug einen bestimmten Kiosk besucht, dann grüßt einen der Besitzer schon von Weitem. Er nennt einen vielleicht sogar beim Namen und fragt einem wie es einem geht. Ist verwirrt, wenn man eine Weile nicht gekommen ist, macht sich vielleicht sogar Sorgen. Der Supermarkttante ist es egal, wenn man nicht kommt.

5. S- und U-Bahn

Ich kenne die Erfahrung, dass man mit dem Bus versucht auf dem Land ein Ziel zu erreichen. Nicht nur, dass die Busse nur alle heiligen Zeiten fahren und man, wenn man so einen Bus verpasst gerne mal eine Stunde warten darf. Wenn sie denn fahren, dann fahren die da gesamte Gebiet ab… alles… jeden Misthaufen… jeden verfickten Misthaufen. Hier in Hamburg bin ich schon überfordert, wenn eine Bahn länger als 5 Minuten auf sich warten lässt. Was fange ich nur an mit dieser Zeit????? Noch schnell eine rauchen gehen? Panisch hin- und herlaufen und mit den Händen fuchteln? Wenn man auf dem Land wo hinfährt, dann ist alles Minimum 40 Minuten entfernt. In Hamburg 20 Minuten. Immer. Egal wo man ist, egal wohin man will. Und ich mag den Geruch. Ich mag es, dass mir eine freundliche Stimme sagt, was die nächste Haltestelle ist. Auf dem Land sitzt du in so nem Bus und hast keine verfickte Ahnung wo du dich befindest und wann du rausmusst. Du musst den netten Busfahrer in seinem 80er-Jahre-Bus fragen ob er so nett ist dir mitzuteilen, wann du dein Ziel erreicht hast, denn du würdest es verpassen.

6. Wohnen

Wir leben hier in einer ziemlich übertriebenen Wohnung in Hamburg für zwei Personen. Man stelle sich vor dass diese Wohnung gedacht war als WG für drei Personen. Nun hat jeder, weil wir es verfickt nochmal können, jeder sein eigenes Zimmer und ein Schlafzimmer und ein Wohnzimmer und eine Küche in der noch ein Tisch für 4 Personen Platz hat und awesome!!! Wenn mir meine Nachbarn ab irgendeinem Punkt ganz derbe auf den Sack gehen würde z. B. der komische Spast, der meint rechte Parolen von sich geben zu müssen, während er volltrunken auf der Straße torkelt, dann suche ich nach einer neuen Wohnung, sage „Fick dich Gegend!“ und verpiss mich. Weil ich es kann. Weil ich keine Verantwortung habe. Wenn ich jedoch ein Haus kaufe und nebenan wohnt einer, der gerne mal tagelang die „Best of Landser“ auf hyperlaut spielt, dann bin ich am Arsch. Denn das Haus wurde gekauft, finanziert, vielleicht sogar hart renoviert… Fuck! Und man kriegt den Idioten ja nicht weg. Also muss man sich arrangieren. Aber das möchte man nicht. Ich würde sagen… kacke. Wenn ich hier wohne, dann muss ich das nicht. Ich kann, weil ich es will. Wenn da ein Haus ist, dann muss ich da leben. Und wenn es sich herausstellt, dass die gesamten Menschen in dem näheren Umkreis absolute Vollidioten sind, dann muss ich damit klarkommen.

Das sind die ersten Punkte die mir einfallen. Und klar sehe ich nur das Negative. Weil ich eine Abneigung gegen dieses „Land“ habe. Und natürlich könnte auch alles total geil sein, weil alles Menschen um einen rum voll nett und super und awesome aber eigentlich mag ich das so wie es jetzt ist. Genau so! ABER Liebe versetzt Berge und ich bin ja wohl kein Berg… und ich kriege ein Fahrrad! Freudenfäustchen!

Schlafende Pendler

Schlafende Menschen in der Bahn. Ich könnte sie stundenlang beobachten. Nicht weil sie lustig grunzen, mit weit geöffnetem Mund jede kleine Fliege inhalieren, die an ihnen vorbeihuscht, sondern weil sie etwas ausstrahlen, was mich beruhigt. Ich romantisiere den Moment, ich weiß. Die meisten Menschen schlafen in der Bahn ein, weil sie nunmal müde sind. Fünf Tage die Woche pendeln sie. Erst mit dem Auto zur Haltestelle. Dann eine Stunde in dem wackelnden Gefährt bis zum Ziel. Die Nacht zuvor wenig geschlafen weil Baby oder Party oder Gartenzaunstreichen bis der letzte Sonnenstrahl von der Nacht verschluckt wurde. Sie versuchen zu lesen oder zumindest einem Hörbuch zu lauschen. Die Müdigkeit haut ihnen mit einem Knüppel auf den Kopf. Doch mir sind diese Dinge egal. Ein schlafender Mensch strahlt Unschuld aus. Auch wenn die Träume in dessen Kopf morbide sein könnten, sie wären doch nur Träume und keine Realitäten, bei denen man vor Entsetzen die Hände über dem Kopf zusammenschlägt. Das Gesicht ist entspannt. Nicht jeder sieht dabei schön aus, doch man hat das Gefühl, dass all die Last, die auf den Schultern dieser Pendler sitzt, abgeworfen wurde. Zumindest für einen kurzen Moment. Sie vertrauen. Einfach so. Den Menschen um sich herum, dass sie ihnen kein Leid antun. Sie vertrauen ohne die anderen zu kennen. Das alles strahlen sie aus. Ich möchte es aufsaugen und mitnehmen. Nicht schlafend möchte ich entspannt, unschuldig und vertrauend sein, sondern wenn ich wach bin. Doch dann hört man Geschichten. Handtaschen, die aufgeschnitten wurden, während man schlief. Fest im Arm gehalten. Vertrauen an der falschen Stelle. Und wenn man schon nicht mehr darauf bauen kann, dass einem im Schlaf kein Leid zugefügt wird, wie soll man das, wenn man wach ist!? Also bleibe ich wach, hellwach. Misstraue, bin selbst ein bisschen verschlagen, verdecke meine Karten, auch wenn sie miserabel sind. Der Nacken verspannt und jeder Muskel in Warteposition um schnell aufzuspringen oder jemanden anzuspringen. Für einen kurzen Moment, da beruhigen sie mich. Die schlafenden Pendler. Ich verliere mich in der Unschuld ihrer Gesichtszüge und schmunzle, ohne Wertung, wenn sie schnarchen. Ob ich selbst in der Bahn schlafe? Ich bin doch nicht bescheuert. Da sitzen so Psychopaten. Die starren einen an und wollen einem nur Schlechtes. 
  

Betrunkene sind auch nur…

Betrunkene sind seltsam. Es ist unterschiedlich, sie sind unterschiedlich in ihrer Seltsamkeit.

Bei manchen hat man das Gefühl, dass ihnen mit jedem Schluck aus dem Glas ein noch viel größerer Brocken von ihrer Seele purzelt und sie endlich der Vollidiot sein können, der sie nun mal sind, so tief in sich drin. Sie trinken und reden, plappern, werden redselig und bei manchen möchte man sich, wie ein Kind, die Finger tief in die Ohren stecken und Sepultura-Songs brüllen, nur um nicht noch tiefer in deren Innerstes zu gelangen, dass glibberig und so völlig entblößt vor einem liegt und gestreichelt werden will. Sie bewegen sich komisch und beginnen plötzlich zu tanzen, zu Liedern, die sie hassen.

Früher gab es draußen nur Kännchen. Heute gibt es dort die Männer mittleren Alters, die sich zur Feier des Tages die billigsten Zigarillos des Kiosks gegönnt haben. Paffend stehen sie da, mit glänzenden Augen und glotzen damit den Frauen in ihren engen Kleidern auf die Titten und die Ärsche. Vergessen dabei Frau, Haus, Baum, Kind. Vielleicht sehnen sie sich danach jung zu sein, so wie früher, was vergessen ist, denn jetzt ist man Chef oder zumindest irgendein Leiter von einer Abteilung, einer Ressource oder vielleicht auch nur der Blitzableiter von einem anderen, der über ihm steht.

Die Frauen, mit ihren kleinen Fältchen, die sie jeden Morgen aufs Neue verfluchen, kichern albern, wenn sie trinken und die Männer mit den Augen an ihren Ärschen haften. Sie fühlen sich begehrt, ausnahmsweise. Zu Hause gucken sie heimlich Pornos, manche fassen sich dabei sogar an und schämen sich nicht mal dafür. Sie wollen gefickt werden, wie damals, als es OK war, für fünf Minuten in der Dorfdisko auf dem Klo zu verschwinden. Es war nie schön, der Orgasmus so weit weg, wie der Prinz auf dem weißen Ross, aber sie fühlten etwas dabei und wenn es nur die kalten Fließen auf dem Rücken waren.

Junge Dinger hopsen dazwischen hin und her und feiern sich und ihr Leben und Millionen Möglichkeiten, die Tonnen an Zeit, die vor ihnen liegt. Sie sorgen nicht, sie sind einfach nur. Sogar sie fühlen sich von den Sabberblicken der Männer noch ein bisschen schöner. Sie spüren, wie die Alten ihnen die Jugend neiden und machen sich größer als sie jemals sein werden.

So betrunken wie sie sind, jeder für sich ein bisschen anders und doch im Kern gleich. Jeder von ihnen kehrt die größte Sehnsucht heraus, sobald die Promillegrenze erreicht und das Torkeln beginnt. Nähe wollen sie oder Aufmerksamkeit. Vielleicht setzen sie sich auch nur in eine Ecke, bedauern sich öffentlich, ansonsten tun sie dies nur alleine im Wohnzimmer mit der Fernbedienung in der linken und der Knarre in der rechten Hand. Doch bevor man abdrückt, schaltet man lieber weiter und sucht das Elend in tausend Kanälen um sich besser zu fühlen.

Nicht jeder Betrunkene wird akzeptiert. Es gibt feine Nuancen. Nicht jeder ist der perfekte Betrunkene und wird der Flirt bei dem Büromauerblümchen noch als niedlich empfunden, ist es bei der alternden Abteilungsleiterin nur noch peinlich und macht einen betroffen. Der laute junge Kerl aus der Postabteilung, der die Mädchen um sich schart und einen Drink nach dem anderen spendiert, ist der Held des Abends, während der Chef, der seinen Kollegen einen ausgibt, doch einfach nur Sympathiepunkte sammeln will, die dumme Sau.

Nüchtern betrachtet, sind Betrunkene doch auch nur Menschen. Vielleicht mehr, als sie es nüchtern je sein werden.

grown-up

Dann bist du erwachsen. Einfach so. Es ist passiert. Ein bisschen hast du es herbeigesehnt. Die Freiheiten, die man plötzlich nicht nur auskostete, wenn der Mann an der Kasse keine Ahnung hatte, dass man so machen Dinge nicht an Minderjährige verkauft. Sie waren einfach da, lagen vor einem und man hat sie genossen, so sehr. Jeder Schnaps in der Kehle der Undurstigen sondern der Verklemmten, ein Genuss. Jeder Zug an der Zigarette ein „Fuck yeah, du kannst mir gar nichts mehr.“ Ein jedes Tattoo ein „Mir doch egal ob ich dieses dumme Ambigramm irgewann verfluchen und mir vom Bein reissen möchte mit den bloßen Zähnen. Jetzt bin ich cool und voller Emotion und Hate ist nun mal Love, nur auf dem Kopf, bitch.“ Die erste Wahl ein Fest. Aufgeregt reihte man sich am Sonntag ein, zwischen all diesen erwachsenen Menschen. Man wählte dumm, hatte sich zwar die Programme durchgelesen aber CSU das macht jeder und du bist anders. Nicht Nazi-anders aber auch nicht links. Deine Kreuze hatten keinen Wert und anstrengend war es, weswegen du seitdem die Briefwahl vorziehst, weil du dich dann darauf konzentrieren kannst und dann doch wieder nur die wählst, die keinen Doppelnamen haben. Du willst plötzlich arbeiten, Geld verdienen und nicht mehr abhängig sein von Behörden oder Eltern. Und du lernst einen Beruf den du nicht ausübst, machst andere Dinge und verdienst gerade eben so viel, dass wenn du sparen würdest, du dir einen kleinen netten Urlaub in Griechenland leisten könntest. Dir wird mehr Geld versprochen, du erhältst mehr Geld und der Arbeitgeber tut so, als wäre es ein großer Schritt für dich und auch für sie bis zu dem Zeitpunkt an dem du erfährst das andere, die nicht fünf Jahre in der Firma sind, schon zu Beginn fast so viel verdienen wie du jetzt. Du hast das Gefühl endlich alles machen zu können was du willst. Rausgehen und erleben und so lange wach sein wie du willst, doch eigentlich willst du plötzlich nur noch schlafen und gar nicht mehr wach sein, denn das bedeutet du müsstest Dinge tun und dann streitest du dich mit dem Freund darüber wer die Spülmaschine ausräumt und gibt es nicht Wichtigeres?  Und irgendwann kriegen sie alle Kinder und bauen oder kaufen Häuser und du trauerst immer noch deiner Katze hinterher, die du einschläfern lassen musstest. Sogar die Jungen, die dich umgeben, haben mehr Ahnung vom Erwachsensein. Sie haben Versicherungen deren Namen du nur vom Hören-Sagen kennst und legen ihr Geld an. Du freust dich, wenn du eine halbe Schachtel Zigaretten findest, die du versoffen in einer Handtasche vergessen hast. Du hast den Absprung verpasst und bist gefangen in dem „Für immer 21“ und wenn du krank bist, so richtig mit Husten und stechender Brust, dann weißt du, wie es sein wird wenn du alt bist. Noch älter als jetzt. Man sagt dir, dass man dir dein Alter nicht anmerkt und du schämst dich. Weil du dich damals, als du es dir vorgestellt hast, reif warst und nicht nur altklug. Die Frage nach dem Ausweis beim Zigarettenkauf, immer noch kein Kompliment, wird es nie sein. Denn es erinnert dich nur daran, dass du nicht so bist, wie man es von dir erwartet. Und du möchtest doch eigentlich nur endlich das Erwachsen genießen, wie du es dir vorgestellt hattest. Doch es macht keinen Spaß.  Arbeiten, putzen, einkaufen, Wäsche waschen, regelmäßig zum Frauenarzt gehen. Erwachsen bin ich. Bist du. Mit dem Ausweiß. Doch der Rest… verlorenes Irgendwas.

10 gute Vorsätze

Weihnachten ist überstanden. Haben sich endlich wieder alle vertragen, auch das letzte ungeliebte Geschenk wurde eingetauscht und die neu angefressenen Speckröllchen grinsen einen jetzt jeden Morgen an. 2015 sagt Tschö und 2016 klopft an die Tür. Der perfekte Zeitpunkt für verdammt gute Vorsätze. Weil 2016, das wissen wir ja wohl alle, wird so viel anders als das Jahr davor. Und davor und das davor… ach… Blödsinn. Bevor man sich also mit dummen Vorsätzen fürs neue Jahr abquält, die man sowieso nach drei Wochen wieder abschreibt, könnte man sich doch einfach mal vornehmen netter zu sein. Zu sich. Und den Menschen in seinem Umfeld. Und vielleicht auch zur Natur. Ich habe da mal ein paar gute Vorsätze für 2016 gesammelt, die so überhaupt nicht schwer sind.

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  1. Rolltreppenregeln kennen und korrekt umsetzen. Links gehen, rechts stehen. Voll gar nicht schwer. Ich weiß, dass man gerade auf Rolltreppen gerne mal superwichtige Dinge mit seiner BFF ausdiskutieren muss. Aber hey, so eine Fahrt mit der Rolltreppe dauert unter einer Minute… es mag verrückt klingen, aber oben angekommen, ist das Thema immer noch topaktuell. Wirklich!
  2. Thema Rolltreppe ist DAS Thema 2016. Ich sag euch das. Es soll ja Menschen geben, die nach so einer netten Fahrt mit einer Rolltreppe ihren Weg fortsetzen wollen. Wenn du dann da oben wie so ein Depp stehen bleibst, um erstmal die Atmosphäre der dich neu umgebenden Gegend aufnehmen zu müssen, nervt da. Und nicht nur den Menschen direkt hinter dir. Sondern den dahinter und den da dahinter. Schatz, geh nen Schritt zur Seite. Auch dort sind die Eindrücke, die da plötzlich auf dich einpoltern, genauso umwerfend und bestaunenswert. Wirklich.
  3. Breitbeinig in der Bahn sitzen. Ich kann leider nicht aus Erfahrung sprechen, weil mir ein Penis und die dazugehörigen Hoden fehlen, aber ja, ich kann mir vorstellen, dass dieses Gebaumel da zwischen den Beinen auch echt mal ein bisschen Freiraum braucht. Und vielleicht sind die Sitze so einer Bahn auch dumm konzipiert, dass die solche Bedürfnisse wegen mangelnder Breite nicht abdecken. Aber es wäre richtig nett, wenn man sich neben dich setzt und seinen Hintern nicht ganz dolle anspannen muss, weil man versucht es sich auf einem halben Sitz bequem zu machen. Wäre voll nett.
  4. Ja, auch ich sitze in der Bahn mal auf der Gangseite, obwohl am Fensterplatz noch was frei ist. Weil ich dann meist ein Paket oder eine monströse Tüte mit mir herumschleppe, die einfach nicht auf meinen Schoß passt. Aber du… der du da so dusselig dämlich meinst, nur weil du früher aus dem Bahngefängnis entfliehen kannst, wenn du wie angetackert auf dem Platz im Gang sitzt… du nervst. Rutsch doch einfach mal rüber. Ist auch viel schöner. Kann man rausgucken. Kriegt nicht die Rucksäcke der Gangsteher in die Fresse. Nur Vorteile so ein Platz am Fenster.
  5. Böden in der Bahn sind dreckig. Ich weiß. Und so ne Tasche, die trägt man überall hin und dann klebt die vielleicht auf der Unterseite oder riecht komisch. Aber der liebe Herr Miele erfand ein Gerät zum Lösen solcher Probleme. Wenn also die Bahn wieder mal supervoll ist und du meinst nur ein Rucksack auf dem Rücken ist ein guter Rucksack, stell dich einfach mal bei dir zu Hause in den Flur und hau dir rhythmisch dieses Ding gegen den Arm oder, weil es soll kleine Menschen geben, ins Gesicht. Fühlt sich ungeil an? Tja. Dann ab mit dem Teil.
  6. An der Kasse auch einfach mal jemanden vorlassen. Tut nicht weh und man wird es kaum glauben, meistens sagen die Leute dann auch noch Danke und freuen sich und dann kann man sich mitfreuen. Super Sache. Wenn du also einen Großeinkauf machst und hinter dir eine Mensch mit einer Dose Suppe steht und sonst nichts, einfach mal nett fragen ob er denn nicht vor möchte.
  7. Plastiktüten weglassen. Man kennt sie die spontanen Großeinkäufe. Da will man nur eine Packung Nudeln kaufen und am Schluss hat man einen Einkaufswagen voller Produkte, die alle im Angebot waren und total wichtig sind. Auch wenn es ein Hipsterkleidungsstück ist. Schon Mutti wusste, dass so ein Jutebeutel total praktisch ist. Kann man sogar immer dabei haben. Und die Umwelt so „Fuck yeah!“
  8. Einfach mal die Fresse halten. Meinungen sind gut und wichtig und jeder darf eine haben. Nur muss die nicht jeder wissen. Man kann auch mal Geheimnisse haben. Nicht alles was man tut, will kommentiert werden. Jeder Satz der mit einem „Also ich würde ja…“ beginnt und mit „… aber ist ja deine Entscheidung.“ ist ein Satz den man sich schenken kann. Gleiches gilt für „Ich habe nichts gegen XXX aber…“ Schweigen. Stilles, beruhigendes Schweigen. Kann Wunder wirken. Und vielleicht wirkst du dann nicht wie ein Vollpfosten.
  9. Dem Obdachlosenzeitungsverkäufer auch einfach mal eine Zeitung abkaufen und ihm dabei sogar ins Gesicht sehen. Die freuen sich nämlich. Gut… manche sabbeln ein bisschen viel aber hey… der Mensch freut sich und du hast was zum Lesen.
  10. Etwas Nettes tun. Für Andere und auch für dich. Immer mal wieder. Jemandem helfen, ungebeten. Dabei nicht aufdrängen. Oft reicht ein „Soll ich helfen?“ Lehnt derjenige ab, musste nichts machen aber der andere weiß „Ey. Der ist voll nett.“ Und sei auch nett zu dir. Gönn dir Schlaf. Und auch mal einen Eimer Eis. Weil du es kannst. Gönn dir. Dein Körper ist dein Tempel und manchmal muss in so einem Tempel auch mal mit Kohlehydraten eine Party gefeiert werden.

Wem noch weitere umsetzbare Vorsätze einfallen, tob dich aus. Es kann so einfach sein 2016 zu einem Jahr zu machen das euch und eurem Umfeld gut tut. In diesem Sinne, habt euch lieb, liebt euch hart und innig, lächelt ab und zu und gönnt euch auch mal ein Bier.

wenn Liebe nicht reicht

„Manchmal reicht die Liebe nicht.“, sage ich. Halte mich an einem Bier fest oder der Zigarette. Hauptsache beschäftigen und die Stimme ruhig halten, um nicht anfangen zu weinen. Wie vor einigen Tagen mit zu viel Wein und zu viel Hysterie im Kopf und im Herzen und vielleicht auch im Bauch.

Wir highfiven. Haben den Trend „Trennungsjahr“ sicher umschifft. Uns gefeiert, die fünf Jahre mit einem Essen und sich schick machen und dabei albern vorkommen. Der Moment gerade verdient aber kein Highfive. Sondern nur eine Klatsche. Ins Gesicht. Stimmen von Fremden, die dir flüstern, dass du doch glücklich bist und man doch das Kind nicht mit dem Bade ausschüttet und wie klug sie doch alle sind. Ich sage dir, dass ich nur möchte, dass du glücklich bist. Irgendwann. Und dir was fehlen wird. Irgendwann mehr als im Jetzt. Und du sagst, dass wir das dann schon sehen werden. Du jetzt glücklich bist, wir glücklich sind. Doch denkt vielleicht auch jemand mal an mich? Daran, dass es für mich noch schwerer wird, wenn wir Jahr um Jahr kaputt Diskutiertes vor uns herschieben wie den nötigen Frühjahrsputz. Ich dann vielleicht noch mehr zerbrechen könnte, als jetzt schon? Ich deine Augen sehe, dich erlebe wenn dich das umgibt was du gerne hättest, was ich dir aber nicht geben kann, weil … es gibt so viele Argumente, die dagegen sprechen.

„Wir müssen reden.“ Wir reden, schweifen ab, lachen, weichen dem Thema aus. Da liegt es. Das Thema. Auf dem Tisch. Ich stupse es an, es quiekt. Dieses Thema, die dumme Sau. Es könnte doch alles so schön sein.

Plötzlich wird wieder gut geschlafen. Auf der linken Seite des Bettes. Ich tauche ein und den traumlosen Dunst aus körperlicher Müdigkeit. Mehr geht nicht. Kein erholsam in dem Wort Schlaf zu finden. Manchmal reicht Liebe allein nicht aus. „All you need is love!“ ist für Teenager, die ein ganzes Leben vor den Füßen haben. Erwachsene haben ein „Mein Haus, meine Yacht, mein Auto…“ Sogar wenn es um die Liebe geht.