Blog Blog Hurra!!!!!

Kenne mich ja nicht so aus im Blogger-Mileu aber so einen Bloggeburtstag, den feiert man doch, oder? Da werden die Luftballons aufgepustet und die schlechtesten Witze ausgegraben.

Mein Blöggchen wird heute genau ein Jahr alt. Groß ist es geworden. Und mit diesem hier, fing alles an. Ein Jahr später, 119 Einträge und 23,709 Aufrufe mehr, kann man folgendes fazitieren.

„Ich bin kein Stück schlauer geworden. Ich werde immer noch ständig von meinen Gedankenmonstern mit Fragen bombadiert. Meistens geht es darum, dass ich einfach nicht verstehe, warum Dinge so sind wie sie sind. Und warum alles so kompliziert sein muss. Aber ich bin ja die Mutter der Gehirnverkrümmung. Ich darf mich gar nicht darüber ärgern, dass die Menschen zu viel Zeit mit dem dreschen von Phrasen vergeuden.“

Ach und dann muss man doch auch irgendwie danke sagen. Den schmerzfreien Lesern. Wenn es euch nicht gäbe, säße ich haareraufend in einer Gummizelle und würde versuchen aus meiner Spucke kleine Nacktschnecken zu klöppeln. Ihr seid die Wand, die ich beschmieren darf.

Ja und weil heute Geburtstag ist, rege ich mich auch heute mal nicht auf. Ich werde zu meine Spongebob-Tröten auspacken, mit Edding „PARTEY“ auf meine Stirn schmieren und meine gesammelten unfertigen Beiträge mit einem Feuerwerk in den Papierkorb transferieren.

Ach und wünschen tu ich mir auch was tun. Los! Sagt mir mal was. Was ihr meint, was ich eigentlich schreiben sollte. Oder so ähnlich. Ach egal. Macht euch ne Bowle und huldigt meinem Antlitz. Das reicht mir fürs Erste.

Erbaulichkeit und Fellatio

So manch einer wird sich fragen, was man denn so lernt, wenn man katholische Religionspädagogik studiert. Wenn ich ehrlich bin, dann weiß ich noch heute nicht, was so manche Fächer sollten. Also was mir da schlussendlich beigebracht wurde. Entweder weil ich mich tief in meinem Inneren total dem katholischen Glauben verschloss oder weil die Professoren vielleicht selber manchmal nicht wussten, worum es eigentlich geht.

Eins der Fächer, das für mich auf ewig ein Buch mit drölfmilliarden Siegeln blieb war wohl „Dogmatik“. Als ich in die erste Vorlesung ging dachte ich an Ben Affleck und Matt Damon. Wenn man Wikipedia fragt, die alte Besserwissersau, dann sagt die einem, dass ein Dogma eine fest stehende Definition oder eine grundlegende (Lehr-)Meinung ist, deren Wahrheitsanspruch als unumstößlich gilt. Das heißt also ich saß in einer Vorlesung in der mir die nette Professorin Wahrheiten über Gott erzählte, die man nicht anzweifeln darf, weil die Kirche sagt, dass das jetzt ein Dogma ist. Der Studienkollege mit dem ich mich eingeschrieben hatte, wagte es einige Male Frau Lumberjack Edelweiß (so wurde sie liebevoll von ihm getauft weil sie entweder in Holzfällerhemden oder Tracht erschien) in eine Diskussion zu verwickeln. Irgendwann kam aber immer der Punkt an dem sie folgenden Satz von sich gab: „Schlussendlich ist alles ein großes Geheimnis.“ Aha! Danke für die Information. Dies ist also der Beweis dafür, dass wir was lernten, was zwar grundsätzlich unwiderlegbar ist, aber dann doch einfach nur frei erfundendes Geblubber, weil genau wissen wir jetzt auch nicht was Sache ist.

Dann gab es noch den Herrn Nudel aka Mr. Tagliatelle. Eigentlich hieß der anders aber ich konnte mir seinen Namen nie merken und weil er Italiener war und sich sein Name sehr nach dieser Nudelsorte anhörte, wurde er einfach mal umgetauft. Diesen netten kleinen dicken Herrn hatten wir in „Exegese des Alten Testaments“. Eine der Vorlesungen auf die ich gut und gerne verzichtet habe weil ich es einfach nicht ertrug und weil die meisten Partys immer am Tag vor dieser Vorlesung stattfanden. Vormittags. Da musste ich schlafen. Versteht man doch. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass die Vorlesung dazu diente den lernwilligen Studenten total zu verwirren. Er erzählte uns von der Entstehung des besagten Buchteils und hüpfte in der Geschichte herum wie ein schizophrener Geschichtslehrer auf Speed. Meine Notizen die ich machte, wenn ich denn imstande war mitzuschreiben, waren eine sinnlose Aneinanderreihung von Jahreszahlen und krakeligen Informationen, die ich meist nicht mehr entziffern konnte. Einer seiner Lieblingsaussagen war, dass das aaaaaaaalte Testaaaaaaameeeeeeent seeeeeeeeeehr eeeeeeeerbaulich sei. Diesen Herrn durfte ich ganze vier Semester genießen. Er riet uns außerdem, dass wir nicht in seiner Vorlesung sitzen sollten, hätten wir die Bibel nicht gelesen. Dies sah ich als persönliche Aufforderung an, den Vorlesungen fern zu bleiben, denn ich hatte mich erst im vierten Semester zum Kauf einer solchen entschieden. Vorher empfand ich es als unnötig Geld für so einen alten Schinken auszugeben außerdem musste ich doch Käse, Brot und HappyHour-Cocktails kaufen. Da hatte man kein Geld für die Bibel.

Dann war da noch die Tante, die ich bei der ersten Vorlesung für die Putzfrau hielt. Sie lehrte uns die „Exegese des Neuen Testaments“. Diese bestand darin, dass wir uns alle eine Synopse kauften in der die ersten drei Evangelien zum exegetischen Vergleich bereit nebeneinander aufgelistet wurden. Unsere Aufgabe bestand darin die Parallelen und Unterschiede herauszufinden und diese farblich zu markieren. Wozu das Ganze gut sein sollte, bin ich mir nicht mehr ganz sicher. Ich glaube es ging immer darum, dass man erkennen sollte, welche Gemeinden hinter dem jeweiligen Evangelium standen. Oder so ähnlich. Das einzige woran ich mich noch erinnern kann ist, dass mich diese Professorin freundlichst darum bat, meinen Lutscher aus dem Mund zu nehmen, denn das würde sie stören. Ich saß in einem mittelgroßen Hörsaal mittig und leckte fröhlich an diesem runden Ding aus purem Zucker, ohne merkliche Geräusche zu erzeugen. Doch die Evangelien-Liesel störte das. Wir durften bei ihr auch nichts trinken oder essen. Von dem Zeitpunkt an konnte ich sie nicht leiden. Sie tat ja grade so als hätte ich mir eine dicke Line auf dem Tisch gezogen und sie geräuschvoll durch die Nase gezogen. Vielleicht machte sie das ganze auch nur geil und sie hatte Sorge, dass sie einen der Streberkerle in der ersten Reihe anspringt. Ehrlich gesagt will ich es gar nicht wissen.

Dann gab es noch das Partyseminar. So nannte ich es immer, denn es ging um kirchliche Feiertage. Deren Herkunft, wie man sie wo feiert, den ganzen Blödsinn eben. Der Dozent ein altersschwacher Mann bei dem ich jedes Mal die große Sorgen hatte, dass er genau JETZT tot umfällt und wir nicht wissen was wir tun sollen. Es war eines dieser Seminare in denen ich die Muse fand meinen Daheimgebliebenen Briefe zu schreiben. Wir mussten nichts machen außer ab und zu „Hier!“ zu sagen, wenn er unsere Namen aufrief.

Psychologie-Seminar war für mich so der Versuch aus dem katholisch verseuchtem Bereich auszubrechen und auch mal etwas zu lernen was mich wirklich interessierte. Es war wohl eins der nervigsten Seminare in dem ich je saß. Wir mussten einen Versuch durchführen. Es ging darum herauszufinden ab wann man einem Menschen hilft. Das Szenario sah vor, dass ein Student einen anderen um seine Unterlagen bittet. Einmal waren diese befreundet, dann kannten sie sich nur vom Sehen und im letzten Fall, war es ein total Fremder. Dann natürlich noch die Umstände, warum der liebe Student keine eigenen Notizen hatte. Einmal wegen Krankheit und der andere Grund war der Besuch des Freibads. Von meiner Gruppe wurde gerne als Alternative meine Person genannt. Mit der Begründung saufen gewesen zu sein. Man merkt, ich hatte meinen Ruf weg. Wir erstellten Fragebögen und machten die Erfahrung, dass Psychologie ein Fachbereich ist, der die Wortklauberei erfunden hat. Es gab eine ca. halbstündige Diskussion darüber, ob man bei dem Fragebogen den Befragten mit einem distanzierten „Sie“ oder einem freundlichen „Du“ ansprechen soll. Und so ging das jedes Mal.

Philosophie war auch so eine Nummer für sich. Mir tat der Professor leid. Nicht weil er körperliche Gebrechen hatte. Sondern weil er dazu verflucht war uns kleinen Minigeistern die Welt der Philosophie beizubringen. Er betonte gerne, dass er nicht so tief einsteigen könnte, weil er nicht von uns verlangen könnte, dass wir uns so sehr auf sein Fach konzentrieren. In meinen Ohren klang das wie folgt. „Ihr seid zu dumm. Ich hätte hier lieber einen Haufen RICHTIGER Philosophie-Studenten sitzen als so einen kleinen Möchtegernhaufen der denkt wenn er den Nagel liest, hätte er einen Ahnung von der philosophischen Welt. Ihr Trottel.“ Ich mochte ihn. Er gab mir eine 1,7 für meinen idiotischen Blödsinn den ich bei der Prüfung ablieferte. Meine beste Note im gesamten Studium. Ach mich kann man so leicht für sich gewinnen.

Meistens waren Vorlesungen eigentlich nur der Beweggrund um aus dem Haus zu gehen um dann schlussendlich in der WG-Küche bei Zenz zu landen um dort Kaffee zu trinken und enorm viel zu rauchen und Blödsinn zu reden. Sonst wäre ich ja nie aus dem Haus gekommen. Irgendwann saßen wir in den Vorlesungen und spielten Reise-Scrabble. Was sollten wir denn sonst tun? Dort entwickelte ich auch eine gewisse Sudoku-Sucht, die ich Gott sei Dank überwunden habe.

Uni ist schon was Schönes. Ja doch. Man lernt sehr viel. Zumindest über sich und seine absolute Bildungsverweigerung.

highway to heaven

Nochmal kurz zur Erinnerung. Wir befinden uns rein geographisch in Eichstätt, einem kleinen verschlafenen, erzkatholischen, langweiligen Nest in der Nähe von Ingolstadt. Dort verbrachte ich ganze zwei Jahre und frage mich zum Teil noch heute, warum ich mich nicht einfach auf die Gleise der Bimmelbahn geworfen habe.

Ach ja, Bimmelbahn. Als ich das erste Mal nach Eichstätt fuhr, so ganz alleine mit Panik, dass ich diese störrischen Türen am Zug nicht aufkriege (ja, ich bin ein komisches Mädchen. Ich bin die, die immer da aussteigt wo mindestens noch ein Mensch aussteigt, weil es bei den alten Waggons nicht diese lustigen Druckknöpfe gibt, sondern bei denen muss man so einen Bügel nach rechts oder links drücken. Ich weiß bis heute noch nicht in welche Richtung und ich kann es einfach nicht.)…. Faden verloren. Achja… Bahnfahrt alleine nach Eichstätt. Nach der ersten Zugfahrt dorthin hatte ich scheinbar verdrängt, dass Eichstätt, vielleicht um die Pilgerstürme besser unter Kontrolle zu haben, gleich zwei Bahnhöfe besitzt. Der eine nennt sich „Eichstätt Bahnhof“. Als Unwissender steigt man aus und denkt sich „DA!“. Ganze zwei Gleise gibt es dort, aber einen Getränkeautomaten. Jetzt sucht man aber vergebens dieses Eichstätt. Wo versteckt sich dieses kleine Städtchen denn nur? Man will ihm ja nichts Böses. Als Eingeweihter und Mensch der fähig ist, seine kleinen Abfahrtszeiten auf dem Thermodrucksuperbiopapier der DB lesen zu können weiß man, dass man dort nur UMSTEIGT. Man steigt also am „Eichstätt Bahnhof“ aus, wo weit und breit noch kein Eichstätt zu erkennen ist und steigt dann in eine nette kleine Bimmelbahn, die einen dann nach „Eichstätt Stadt“ fährt. Man hat ein bisschen das Gefühl man befände sich in einer zu groß geratenen S-Bahn. Viele Haltestellen befinden sich dazwischen. Germering und wie sie nicht alle heißen diese kleinen Dörfers. Der Bahnhof „Eichstätt Stadt“ genau so ernüchternd wie der Bahnhof-Bahnhof. Aber ein Getränkeautomat. Und hab ich schon erwähnt, dass Eichstätt einen Mc Donalds hat? Ist ja wohl das heutige Eichmaß der Zivilisation. Sonst haben sie nix, außer Kirchen aber einen
Fetttempel. Es verwundert mich, dass ich nicht an einer Herzverfettung verstarb, da sich dieser Würgkotz in unmittelbarer Nähe zu meinem Wohnklo befand. Vielleicht weil die nicht meine Pfandflaschen als Gegenleistung gelten ließen, mit denen ich bei Lidl gegenüber zahlte. (Liebe Teenies, das war noch vor der Zeit als es diese Styloautomaten gab. Da zählte die nette Kassieren deine Mitbringsel in einen überdimensionalen Müllbeutel, in dem man den Jahresmüll einer fünfköpfigen Familie verstauen könnte.)

Diese beiden Dinge waren übrigens die einzigen „Institutionen“ die in meinem direkten Umfeld waren. Wir erinnern uns noch mal daran, dass Eichstätt ein kleines Kaff ist. Ich glaube sogar die haben mehr Kirchen als Supermärkte. Die haben ja sogar einen Dom. Sonst haben die nichts. Außer zwei Schlecker. Auf dem wurde ein „AR“ auf eins der Fensterfoliendinger gezeichnet. Ich fand es immer wieder witzig wenn ich dran vorbei lief. Ich bin halt einfach gestrickt. Alles weitere was ich erreichen musste befand sich mindestens 20 Gehminuten entfernt. Das war dann der Bahnhof. Zur Uni dann noch mal 10 Minuten. Kein Wunder, dass ich so oft Vorlesungen schwänzte. Das muss man jetzt schon mal verstehen. Dafür machte ich mich des Nächtens auf den Weg zu einem Freund weil er mich blutend und fast weinend darum bat ihm seinen Abwasch fertig zu machen. Er lockte mit Wein und Essen. Was sollte ich bitte tun?

Und nicht nur, dass ich das teuerste Wohnklo hatte, das stank als wären tausend Marder in den Abwasserrohren verendet. Nein, das lag nicht an mir. Da roch es so als ich einzog, da dachte ich noch der Vormieter hätte halt einfach einen schrägen Eigengeruch, und es roch dort so, als ich auszog. Also muss es die Wohnung gewesen sein. Nein, natürlich hatte ich es auch geschafft dort zu wohnen, wo die liebe kleine Bimmelbahn im regelmäßigen Zyklus hin und her fuhr. Ich wusste schon immer wann sie kam, diese Bahn, denn sobald ich ein Fenster geöffnet hatte, gab es dieses nette Summen der Schienen, die mich darauf hinwiesen, dass ich jetzt die Chance hätte mich in Slowmotion zu Matsch quetschen zu lassen. Trotz der geringen Entfernung zu den Gleisen habe ich es nie gewagt, mich mal kurz probeweise drauf zu legen. Denn dann hätte ich wahrscheinlich noch den Müll mit runter nehmen müssen, weil ich ja dann direkt an den Mülltonnen vorbei gelaufen wäre.

Und weil das nicht reicht war mein Nachbar links von mir, ein Profi-Taktmacher. Er saß wohl stundenlang mit Musik auf den Ohren, ich wagte es nie rüber zusehen aus Angst er könnte vielleicht nackt sein, auf dem Balkon und trappelte den Beat der Musik mit. Mit seinem Fuß. Stundenlang. Ständig. Immer. Andauernd. Damals gab es ja noch so Sommer mit schwitzen und so. Deshalb musste ich die Balkontür weit öffnen um nicht in meinem eigenen Schweiß zu ertrinken. Und er trommelte. Immer ein und denselben Takt. Ich versuchte es kurzzeitig mit Gegenprogramm. SOIL auf laut. Es hat ihn nicht gestört. Er trommelte weiter. Der Nachbar rechts von mir war eher ein stiller Genosse. Naja, außer am Wochenende wo ich offiziell ausschlafen durfte. Dort bohrte er. Er bohrte die ganzen zwei Jahre. Ich hatte kurzzeitig die Theorie, der wolle sein Wohnklo vergrößern und irgendwann bricht die Wand zwischen uns einfach durch, weil er mühevollst mit einem kleinen Akkubohrer an der Wand herumdoktert. Bei kleinen Anfällen totaler Paranoia suchte ich die Wände nach kleinen Gucklöchern ab. Zu Gesicht bekam ich den Herren nie.

Dafür die Zeugen Jehovas. Die hatten es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht, alle Studenten die dort lebten, zu bekehren. Die beiden Weibchen, die mich nach einem Gespräch regelmäßig besuchten und mir nette Literatur zum wegwerfen schenkten waren so meine einzigen neugewonnen Freunde unter den Einwohnern von Eichstätt. Sie freuten sich immer wie kleine Kinder, wenn ich ihnen die Tür aufmachte und ihnen interessiert zuhörte wie sie mir Bibelverse um die Ohren pfefferten. Einmal bedankten sie sich sogar, dass ich die einzige sei, die ihnen nicht sofort die Nase vor der Tür zuschlägt. Einer der Gründe war aber einfach, dass ich keinen Türspion besaß und so beim Fenster neben der Tür rauslugen hätte müssen um zu sehen, wer das denn ist. Dies hätte bedeutet ich hätte den Vorhang lüften müssen was sofort signalisiert hätte, dass da wer zu Hause ist. Ein Teufelskreis. Und weil ich nun mal ein höflicher Mensch bin, hörte ich mir alles brav an, bedankte mich dafür, dass sie meine arme katholische Seele retten wollen und wünschte ihnen noch viel Spaß auf ihrer Mission. Einmal hatten sie sogar einen knackigen jungen Kerl dabei der sich krampfhaft an einer Bibel festhielt. Sex sells! Auch bei den Zeugen. Leider bot ich zu dem Zeitpunkt einen widerlichen Anblick, sodass ich ihm meine Paarungsbereitschaft nicht glaubwürdig genug unterbreiten konnte. Ich wette der hätte das Ave Maria gesungen wenn er gekommen wäre. Und ich hätte ihn ausgelacht. So lebte es sich also ich Eichstätt. Ob die Zeugen da immer noch rumlaufen und ob sie sich noch erzählen von dem netten Mädchen mit den schwarzen Haaren, das ihnen höflich die Tür öffnete?

Futtern wie bei Muttern Maria

„Haha, die Prollschlampe Barbara hat mal Theologie studiert! Hihihi!“ „Religionspädagogik du Spast und jetzt fick dich und fahr zur Hölle.“

Wenn ich erzähle, was ich fünf Semester lang studiert habe, ernte ich immer wieder dieses WTF-Gesicht. Ihr kennt es alle. Diese plötzlich hervorstechenden Augen vielleicht noch gepaart mit einem weit geöffneten Mund. Dann dicht gefolgt von Gelächter. So. Und damit ihr alle noch mal schon dieses WTF-Gesicht machen könnt, ich sehe es ja nicht, also interessiert es mich nicht.

Ich habe fünf Semester lang katholische Religionspädagogik an der KU Eichstätt studiert. Ich habe erfolgreich das Vordiplom erhalten und
könnte, wenn ich mich denn bei der katholischen Kirche einschleimen würde, dieses Studium beenden und dann als Obertrottel neben dem Pfarrer arbeiten. So diese komische arme Sau, die immer die Fürbitten für die Kleinen auseinanderschnippelt.

Zu dem Studium kam ich natürlich wie die Jungfrau zum Kind. Wie sollte es anders sein. Ein Freund rief mich an, der früher als kleiner Junge schon den Wunsch hegte, Pfarrer zu werden, er würde am nächsten Tag nach Eichstätt fahren und sich einschreiben. Für dieses Studienfach weil es bei ihm aus purer Faulheit auch nur zu einem mittelprächtigen Fachabitur gereicht hatte. Vor Ewigkeiten hatte ich an einem der sagenumwobenen Wodka-Cola-Abenden verlauten lassen, sollte ich immer noch ziellos herumirren, wenn er seinen Abschluss macht, würde ich das selbe studieren wie er. Da ich nichts Besseres zu tun hatte und ich mir mal Gedanken um die Zukunft machen sollte fuhr ich mit. Schon bei der Einschreibung verliebte ich mich unsterblich. Nicht in die Stadt. Eichstätt. Ein Kaff. Klein und erzkatholisch. Punkt. Was mich verliebt machte, war der Typ, der sich auch einschrieb. Er hatte Tattoos, einen Tunnel im Ohr und diesen obercoolen Baggystyle bei dem man immer weiß, ob der Herr auch brav jeden Tag ne frische Unterhose anzieht. Leider konnte ich die zwei Jahre vor Ort auf keine Gegenliebe stoßen. Ich füllte also Formulare aus und war plötzlich ordentlich Studierende. Was auch immer das heißen mag. Ich hätte natürlich auch in München studieren können aber München, so teuer, kann sich doch kein Mensch leisten. Ich schaffte es trotzdem, mir wohl das teuerste Einzimmerwohnklo von ganz Eichstätt zu mieten. Weil musste ja dann alles sehr schnell gehen und da nimmt man dann einfach mal das Erstbeste was einem angeboten wird.

Zusammengefasst war es eine eher schräge Zeit. Schon der erste Tag, den ich total versoffen wegen vorangegangener dreitägiger Abschiedsfeiere mit Null Stunden Schlaf, über mich ergehen ließ, war eine Nummer für sich. Ich lernte Zenz kennen, die uns als erstes erzählte, dass sie in einer WG mit sechs Anderen leben würde und einer davon sei Marokkaner. Beeindruckte mich eher weniger, was aber vielleicht auch daran lag, dass ich nur schlafen wollte. Es hieß sich in die ersten Seminare einzuschreiben. Ich schickte den Kumpel rum und mir war egal wo er mich eintrug, Hauptsache ich hatte Seminare in denen ich meine verdammten Scheine ersitzen konnte. Naja, das erste Seminar, das eine Aktion von eineinhalb Tagen war, hab ich schon mal schön in den Sand gesetzt, weil ich am zweiten Tag, aufgrund von übermäßigem Alkoholkonsum freiweg verpennte. Aber am ersten Tag habe ich mir schon den Rebellenstatus aufs Hirn malen lassen. Gut gemacht. Der Dozent las einen Text vor, in dem Katholikenjünger davon sprachen, wie wichtig es ihnen doch sei, dass es die evangelische Kirche gibt mit diesem arroganten Unterton der deutlich mitteilte, dass sie sich trotzdem geiler finden. Als er unsere Meinung wissen wollte meldete ich mich tapfer und quasselte irgendwas von „Gehirnwäsche“. Sein Kommentar war dann: „Wenn das schon eine von UNS so sieht.“ Bis zum Ende des Studiums wusste ich nie genau was er mit diesem UNS meinte.

Man sollte vielleicht auch noch kurz erwähnen, dass unser Kurs der erste Kurs war, der einen solchen Andrang hatte. Wir teilten uns auf. Es gab die, die das Studium wirklich durchziehen wollten und dann die Trittbrettfahrer, die auf diesem Umweg ohne richtiges Abi Lehramt studieren wollten. Ich reihe mich einfach mal bei den Trittbrettfahrern ein. Diese Trennung war auch gut in Vorlesungen erkennbar. Es gab so diese Erstereihesitzer. Das waren natürlich die, die das Studium sehr ernst nahmen und auch brav Gottesdienste besuchten. Weil sie das alles aus einer tiefen Überzeugung heraus machten. Wir hatten sogar eine dabei, die wollte danach Nonne werden. So schauts aus. Gut in der ersten Reihe saß auch eine die hieß Fick (hihi, Fick!) aber der Name war dort wohl nicht Programm. Ich saß so im Mittelfeld. Immer schön mit etwas Anderem beschäftigt und ab und zu wäre ich auch beinah eingeschlafen.

Gottesdienste waren sowieso eine wichtige Angelegenheit. Die Relpäd-Jünger hatten so ein lustiges Sektenhaus in dem sie sich trafen, in dem Seminare abgehalten wurden und in dem man Vesper feierte. Ich glaub das Ding nannte sich KHG und man konnte da auch hingehen, sollte man irgendwelche Sorgen haben. Ich spielte oft mit dem Gedanken dort hinzulaufen und denen vorzuheulen ich hätte mir einen Tripper eingefangen. Nur um zu sehen, wie die Köpfe kurz vorm Platzen sind weil ich zur Tripperisierung ja Sex haben müsste und pfui, Sex, örgs. Igittigittigittigitt! Ab und zu ging ich mit zu dieser Vesper. Es gab einer dieser trendy Jugendgottesdienste wo auch mal aus so nem fancy Gesangsbuch gesungen wurde und ab und zu wurde auch mal auf einem Keyboard statt einer Orgel geklimpert. Mit Beat. Ja, dieses komische kleine Häuslein hatte eine Orgel. Der wahre Grund warum ich da hinging war natürlich das Essen. Da ich sowieso nie Geld hatte weil das für Happy Hours, Kippen und Bröselkaffee drauf ging, fand ich es ganz nett, dass ich mich auf Kosten anderer voll fressen konnte. Die Gottesdienste saß ich halt ab und lauschte brav. Stand auf aber kniete mich nie hin, wie all die andren Katholikenkinder. Ich saß stur auf meinem Platz und kuckte mir die andächtigen Gesichter an. Auch das Glaubensbekenntnis brabbelte ich immer nur zu einem gefühlten Zwölftel mit. Ich wollte ja nicht lügen und das während Gott gerade auf uns herabsieht. Die Hostie holte ich mir auch nie ab. Macht ziemlich einsam so ein Dasein als Mensch mit Prinzipien. Ich war der Überzeugung, dass ich nicht das Recht habe geschmacklose Oblatten in mich zu stopfen ohne wirklich daran zu glauben, dass diese Aktion jetzt einen besseren Menschen aus mir macht. Natürlich wurde ich jedes Mal schief angekuckt, wenn ich sitzen blieb. Aber da ich ja den Rebellstempel auf der Stirn hatte, durfte ich das. Einmal wurde der gesamte Kurs zu einem Gottesdienst bei dem Mönchen eingeladen. Ich wollte eigentlich nicht hingehen aber dann erfuhren wir, dass das Essen dort immer super sein sollte. Und wenn es um Futter geht… ihr wisst Bescheid. Wir also da hingepilgert, es war eiskalt. Drinnen in dieser Kirche noch kälter als draußen. Ich fror, hatte Hunger und spielte mit dem Gedanken meinen Discman auszupacken um mich von Innen mit Musik zu wärmen. Als die Kirchenaktion endlich zu Ende war, freute ich mich wie ein Kind auf Weihnachten, auf das versprochene Essen. Es gab Kartoffelsuppe. Mit altem Brot. Kartoffelsuppe? Das war wohl die Strafe Gottes dafür, dass ich Nahrung erschleichen wollte. Vielleicht habe ich auch deswegen einige Tage später dem Herrn Mixa vor sein Bischofspalais gekotzt. Volle Möhre vor die Tür. So als Ausdruck meiner Unzufriedenheit über die Kartoffelsuppe. Habe ich natürlich erst im Nachhinein erfahren, dass der da wohnt. Da wir aber alle sowieso der Meinung waren, dass der Mixa ein Wichsa ist, fand ich persönlich diesen Akt des würgenden Protests sehr angebracht. Einmal nahm ich an einer Wallfahrt teil. Nicht weil mich plötzlich die Zunge Gottes abgeleckt hatte, sondern weil ich die Stunden brauchte für mein Gemeindepraktikum. Und so ein bisschen Bewegung hat ja noch keinem geschadet. Hätte mir vorher einer erzählt, dass ich da eine Stunde lang einen Berg hoch hecheln muss, nur um dann eine weiter Stunde in der sengenden Hitze zu stehen, ich hätte mich lieber noch mal ein paar Stunden in so eine Vereinssitzung gesetzt. So sah das mit den Gottesdiensten aus.

Schaltet auch das nächste Mal wieder ein wenn es heißt „Die Barbara verarbeitet ihre zwei Jahre im katholischen Exil im Blog um endlich darüber hinweg zu kommen“.