Wenn die Gläser leerer werden

Wenn die Gläser leerer werden, dann werden die Stimmen lauter. Die Musik, nur noch ein Brei aus Tönen, der kandiert ist, mit dem Grölen der vollen Menschen. In dir drin, ganz tief drin, wird es immer leiser. Du willst plötzlich Weltgeschehen bereden und dich belesen und wissen oder zumindest nur ahnen, wie es wohl sein muss, nicht du zu sein. Doch alles was dir bleibt ist die Coverband, die Rammstein pumpt und alles um dich herum glüht. Dein Gesicht, verzerrt, auf den Fotos. Deine Wange an der eines alten Mannes und alles was er will ist nicht alleine sein. Man feiert sich, den Moment und das Gefühl von nie enden wollen. Doch eigentlich läuft man nur weg vor dem Unausweichlichen. Wenn die Gläser leerer werden und die Menschen immer voller, dann will man mehr sein, als nur ein betrunkener Gedanke, der sich anfühlt wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Denn wenn die Gläser leerer werden, dann traut man sich auch Stimmen zu wählen, die sonst schweigen. Aber eigentlich, ja eigentlich, da werden eben doch nur Gläser leerer und Köpfe schwerer und am Ende, ja am Ende, ist man sich wieder ein Stück ferner als zuvor.

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