Lass mich los

HÖR VERFICKT NOCHMAL AUF MIR ZU FEHLEN!!!! Tagelang vergesse ich dich. Du bist einfach nicht da. Wenn andere Menschen von ihren Müttern sprechen, ein kurzer Gedanke an dich, wie du tot in deiner Urne liegst und nicht mehr. Weil es so ist, dass Menschen sterben, so manch einer früher, so manch einer später. Du so, wie ich meine, dass es richtig war. Für dich. Doch dann kommen diese Momente. Ich fahre an einem Pflegeheim vorbei und dann ist da diese Frau. Sie hat nicht viel Ähnlichkeit mit dir außer die Tatsachen Rollstuhl und die Körperfülle. Und plötzlich brennt es. Tief in mir drin. Eine Trauer die in Tränenform aus mir brechen möchte. Weil ich dich vermisse, weil man seine Mama nunmal liebt. Ich saß dir gegenüber, sah dir beim Essen zu und ekelte mich vor dir. So viele Texte handeln davon. Wie sehr du mich aufgefressen hast mit deinem Schmerz und wie sehr ich damit beschäftigt war mir Sorgen zu machen. Es ist verdammt nochmal gut, dass es dich in der Form, in der du dich am Schluss befunden hast, nicht mehr gibt. Weil ich dich nicht mehr ertragen hätte. Wie beschissen ich mich dabei fühle, diese Worte zu denken und auch noch zu fühlen. Aber du warst eine Last. Für eine sowieso gebeutelte Familie warst du das Schirmchen im Kackhaufen. Die Krönung. Du warst einer der liebsten Menschen, die es auf diesem gottverfickten Planeten gab. Dein Herz so groß für andere. Für dich zu klein, weswegen es aufhörte zu schlagen. Kannst du es verstehen wenn ich dich liebe und vermisse und doch hasse, dass ich wegen dir so bin, wie ich bin? Kannst du es verstehen, dass ich es vermisse dir mich in meiner jetzigen Form, in meinem Dasein zu zeigen? Ich spreche manchmal mit dir. Wenn ich besoffen oder einfach nur zu müde bin um Realist zu sein. Ich hasse die Vorstellung, dass du über mich wachst. Denn du sollst das alles nicht sehen. Du sollst nicht sehen, wenn du Recht damit hast, dass ich meinem Vater ähnle. Ich will dir diesen „Ich habs doch gesagt“-Moment einfach nicht gönnen. Und doch will ich dich nicht loslassen. Ich bin verdammte 32 Jahre alt. Da muss mal langsam klarkommen mit diesem Tod. Weil er passiert. Und es ist doch schon so lange her. Ich war Mitte 20. Das Jahr vergessen. Den Tag nie. Den Moment. Immer noch diese Erinnerung. Als der Vater in den Bus stieg, mich ansah, mit diesem Blick. Und vor all den fremden Leuten sagte, dass du tot bist. Der Vermieter, der Witze machte, weil uns die Polizei suchte. Die Scham in seinem Blick. Das Bigpack, dass ich wegrauchte. Du fehlst mir. Dein du sein. Deine Herzlichkeit. Dein mich trotzdem lieben, auch wenn ich dich immer wieder von mir gest0ßen habe. Ich vermisse nicht die Momente in denen ich Dinge machte, vor denen sich viele Menschen ekeln. In denen du mich mit Sauerstoffgerät im Gesicht nach einer Zigarette angebettelt hast. Nicht den Moment als ich Morgens aufwachte und du leblos auf deinem Bett lagst und ich nicht wusste was zu tun ist. Dröhnte dir eigentlich der Kopf nach diesen Schlägen ins Gesicht? Wir sprachen nie darüber. Diese Bilder werde ich nie los und dich werde ich nicht los. Nicht die Erinnerung, die sich in mein Hirn frisst, sobald ich jemanden sehe, der nur ansatzweise ist, wie du es warst. Und sei es nur eine dicke Frau in Leggins. Jeder Schritt in ein Krankenhaus, auch sei es weil ich jemanden besuche der ein Baby bekommen hat, ist ein Kampf für mich. Hör auf damit. Hör auf mir zu fehlen. Bitte lass mich endlich los. Weil ich nicht weiß damit umzugehen. Geh dahin, wo du hinsollst. Valhalla, der Himmel oder einfach das Nichts. Aber geh. Bitte. Ich ähnle dir immer mehr. Das muss doch reichen. Ich bin du. Reicht dir das nicht? Lass mich los. Bitte.

Deine Tochter

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2 Gedanken zu “Lass mich los

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