5 Jahre

Es sind genau 5 Jahre. Heute vor 5 Jahren schlief ich die erste Nacht in dieser Wohnung, in der ich noch heute bin. Als Einzige der Startbesetzung. Ich erinnere mich. An die Fahrt hier her. Der Kater im Katzenkorb, wie er mir hysterisch ein Loch in die Hose gerissen hatte, weil er den Katzenkorb beschissen fand. Das Schleppen der Habseligkeiten in ein neues Umfeld. Ich glaube wir hatten an diesem Abend bei Joeys Pizza bestellt. Es war ein großer Schritt. Es klingt so albern. Weil es doch nur ein stumpfer Umzug von Bayern nach Hamburg war. Für mich war es seit Langem etwas, was ich tat, weil ICH es wollte. Weil ich nicht mehr das Gefühl hatte, mich kümmern zu müssen. Das dieses Gefühl schnell verfliegt, wenn man von der Polizei in Bayern angerufen wird, weil der Vater sich aus dem Krankenhaus geschlichen hatte, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. An diesem Tag gab es noch keinen Vater der Blut kotzt. Nur einen Vater. Irgendwie. Und genau der Moment kam. Die Erinnerung daran, dass dies der kalte Moment war, an dem ich ihn zuletzt lebendig gesehen hatte. Als nächstes stand ich vor seinem Grab. Gefühlt schon mehr als 5 Jahre weit weg. Dieser Moment. Und doch heute so greifbar, dass ich ihn verarbeite wie er es getan hätte. Der Apfel, der Stamm. Eine neverending story. Und so viel passiert in diesen 5 Jahren. Der Kater tot. Die Wohnung nun keine Rumpelkammer mehr mit gelb verrauchten Wänden. Es wohnt hier nun ein Mann und keine zwei Mitbewohnerinnen. Denn eine macht die Sache mit der Familie, die Andere… keine Ahnung und die ganz Andere, die ist in Australien und macht dort kluge Dinge. Ich möchte mich freuen. Über diesen Tag. Weil hier so viel Gutes passiert ist. Seit ich hier bin habe ich so viel gewonnen. Ich habe diesen Mann. Ich habe  bald ein Buch. Ich habe… fast-Wunschgewicht… ich habe… ich bin… ich fühle… ich bin frei von Verantwortung meinen Eltern gegenüber. Und so bin ich zerrissen. Ein Yeah und ein Menno im Herzen. 5 Jahre. Ist was passiert? Ich bin passiert. Ich bin geworden. Und jetzt bin ich. Nicht nur ein lebendes Etwas sondern eins, dass versucht seine Träume zu verwirklichen. Vielleicht, so stumpf und abwegig es klingt, Autor. Ein bisschen zumindest. Liebe. Die von der guten Sorte. Der Kater. Er fehlt mir. Ich verzeihe ihm das mit der Hose. Wenn er nur wieder käme.

Vor 5 Jahren hat sich alles verändert. 5 Jahre sind eine lange Zeit. Und doch fühlt es sich manchmal an wie ein einziger Atemzug.

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3 Gedanken zu “5 Jahre

  1. Danke, für diesen Text, und alle deine Texte. Er macht Mut. Alle machen sie eigentlich Mut, weil ich einiges nachvollziehen kann. Und du hast echt so viel geschafft. Respekt! Fast würd ich gern sagen, ich bin stolz auf dich, dabei kenn ich dich ja nicht mal persönlich. Aber ich bin es trotzdem!
    Bin selber seit 1 Monat in einer neuen Wohnung mit neuen Leuten. Schlechtes Gewissen, ja, alles zu schnell gegangen und doch so überfällig… Sprünge ins kalte Wasser machen wach! Aber sie machen auch Angst und tun manchmal ein bisschen weh.

  2. Immer wieder erstaunlich wie schnell und langsam ächzend ein paar Jahre doch vorbeigehen. Ich freue mich für dich. Ich erinner mich zwar nicht mehr an den ersten Eintrag, den ich damals von dir las, vor mehr als drei Jahren, aber ich weiß, dass dieser hier eindeutig positiver ist. Wie du sagst. Du bist passiert. Schreiben kannst du immer noch toll. Und ich wünsche viel Glück und Mut weiterhin 🙂

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