Es reicht

Es reicht! Mir! Jetzt! Immer. Schon eine ganze Weile aber jetzt besonders. Mein Name ist Bracka, ich habe in was-weiß-ich-wie-vielen-Monaten was-weiß-ich-wieviele-Kilos abgenommen. Ich bin nun 1,64 groß und wiege ca. irgendwas unter 60 Kilo. Das mit den Kilos weiß ich aber nur, weil ich dauernd gefragt wurde, wieviel ich denn nun abgenommen hätte und ich immer nur sagen konnte „Jetzt trage ich Körbchengröße A. Noch Fragen?“

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da nahm ich zu. Immer ein bisschen, immer mehr. Ich aß kein Frühstück zu Hause, kein Frühstück und Mittagessen im Büro, nur Abends zu Hause. Ich nahm trotzdem zu. Vielleicht lag es an Joeys oder auch an Call a Pizza aber sicher nicht an Le Crobag. In dieser Zeit wurde mir gesagt ich sei hübsch. Ich fühlte mich beschissen, hüllte mich in Big Shirts die zum Glück gerade voll im Trend waren/sind und war unzufrieden.

Dann sagte mein Kopf mir „Schätzchen, du bist fast 30 und lebst wie ein kleiner Student der es nicht besser weiß und nicht dran denkt, dass er seinen verdammten Körper noch eine Weile braucht.“ Ich wollte wissen warum ich stetig zunahm und zählte Kalorien. Ein App verriet mir, dass ich mit dem was ich in mich stopfe ganze Kinderheime sattkriegen könnte. Also regulierte ich meinen Fressdrang. Fing an Nahrung abzuwiegen, scannte Produkte ein und zählte so hoch wieviel ich denn nun aß. Ich fing an im Büro mein Müsli zu essen. Verzichtete aber auf die 1,5%-Milch-Plörre und kam trotzdem inklusive Abendessen auf eine Zahl bei der die App sagte „Jetzt nimmste sicher ab.“ Und es passierte. Ich wog weniger, die Hosen rutschten, die Oberteile schlabberten und von allen Seiten bewundernde und hasserfüllte Blicke. Ich war nicht mehr die Dicke in der Abteilung. Ich machte keinen Sport weil ich eine faule Sau bin und es mir leichter fällt auf Franzbrötchen zu verzichten als deswegen 5 Stunden auf einem Laufband meine Lunge auszukotzen. Dafür erntete ich noch mehr Neid. Weil andere müssen sich ja anstrengen. Bei denen purzeln die Pfunde nicht einfach so. Dass ich mich tagelang mit dem beschäftigte was ich zu mir nehme und was nicht, was mir davon schmeckt und was nicht, sah keiner. Ich wurde einfach nur dünner und passte plötzlich in Kleidergröße S.

Und dann fing es an. Das erste Mal ein „Wieviel willst du denn noch abnehmen?“ Schon lange war kein Gedanke mehr an Diät. Ich aß auch mal sehr viel nur wusste ich langsam was mein Körper will und braucht und konnte seit langem mal wieder einen halb vollgepackten Teller stehen lassen, weil ich satt war. Das kannte ich lange nicht und war begeistert. Endlich übernahmen die Urinstinkte wieder die am besten wussten was gut ist für mich und was nicht. Wenn der Magen knurrte aß ich was, knurrte er nicht, aß ich nichts. Ich fühlte mich nie besser weil ich endlich einen Punkt erreicht habe in dem ich nicht zwanghaft verzichtete um dann umso mehr auf die Kacke zu hauen. Ich will nicht mehr abnehmen. Die Oberschenkel sind mir immer noch zu dick aber das ist nunmal mein Körper. Bevor die dünner werden schrumpfen meine Titten zu einem -A-Körbchen, kriechen in den Brustkorb und dann hab ich die Nippel am Rücken. Wenn man dann antwortet auf die Frage mit einem „Ähm, ja nix eigentlich. Das passiert alles so wie es passiert.“ wird dies gern erwidert mit einem „Ja mehr darfst du auch nicht abnehmen. Das sieht sonst nicht mehr gut aus.“

Habt ihr verfickt nochmal gelitten? Ob ich gut aussehe oder nicht, so für mich, entscheide ich! Verrückt! Ich ganz alleine. Und wenn ich es geil fände, dass meine Hüftknochen als Garderobenständer für Großveranstaltungen im Winter verwendet werden können, dann wäre das mein verficktes Problem. Und es geht nicht nur um die Optik. Man mag es kaum glauben. Nein. Es geht vordergründig darum, dass ich meinem Körper endlich mal das gebe (bis auf Bewegung) was er braucht an Nährstoffen. Darum, dass ich meinen Körper nicht mit Zusätzen drangsaliere die ihn krank machen. Das ich nicht mit 50 lebe wie andere mit 100. Es sollte weniger die Sorge darum sein, wenn man schon meint sich Sorgen zu machen, ob ich dann noch gut aussehe, sondern ob es mir denn noch gut geht. Ob ich mich gut fühle, ob mein Körper nicht darunter leidet. Als ich immer dicker wurde kam nie einer an und meinte mir sagen zu müssen, dass ich nicht mehr zunehmen dürfte, weil das langsam nicht mehr gut aussähe. Weil das macht man ja nicht. Aber jetzt darf man mir wohl sagen wie ich auszusehen hätte.

Heute wurde mir gesagt wie eklig man es fände wenn Frauen aussähen wie Stöcke. So unrund. So ohne Kurven. Und ich erwiderte nur, dass es nicht deren verdammte Aufgabe sei irgendjemandem zu gefallen außer sich selbst. Man selbst verbringt 24/7 miteinander. Man kann sich nicht von sich abwenden weil der Blick immer auf irgendwas von einem selbst fällt. Wie einen das Umfeld wahrnimmt kann für viele wichtig sein, aber vordergründig sollte man die eigene Wahrnehmung heranziehen. Und so verrückt es klingen mag. Diesen fiesen-miesen Bauchspeck unter den Muskeln, den man nur wegkriegt mit diesen Tricks die einem angepriesen werden, wenn man, was man ja nicht tut, auf Streamingseiten mal wieder Game of Thrones guckt. Solch Bauchspeck habe ich. Es ist nicht alles flach und fest im Lande Bracka nur weil die sich nun in der Kinderabteilung Blusen in Größe 170 kaufen kann.

Ja, ich habe abgenommen. Ja, ich bin ein bisschen stolz drauf. Und verdammte Scheiße, ich hab nix mehr anzuziehen. Aber verfickt und zugenäht möge man doch bitte aufhören mir zu sagen, was ich dürfte und was nicht. Man sollte sich lieber für mich freuen, dass ich es schaffe endlich Morgens etwas zu essen. Wie ein normaler Mensch. Das mit dem Mittagessen üben wir noch. Man hätte sich damals Sorgen machen müssen um mich. Oder man sollte sich einfach mal um seinen eigenen Scheißdreck kümmern. Ach man sollte so viel. Darauf erstmal ein „Gute Laune Dinkelstangerl mit Gewürzen“.

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2 Gedanken zu “Es reicht

  1. Respekt, Baby, und scheiss auf die speckigen Penner. Die platzen doch alle nur vor Neid und wollen doch nur, dass Du genauso leidest, wie sie auch.

    Beim geilen Bodyfeeling gehen 70% über die Ernäherung, die hast Du jetzt schon. Die restligen 30% gehen über Krafttraining und werden eine verfickte GRANATE aus Dir machen. Und nix „Lunge herauskotzen am Laufband“, sondern verdammte Gewichte bewegen! Dann passen die Oberschenkel und die Möpse werden an die richtige Stellen gerückt! Hab mit 31 angefangen und fühle mich nun besser, als damals mit skinny-fettigen 18. Und DU hast das Zeug dazu!!!

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