Schlingen

Enger schnürt sich die Schlinge. Nicht nur um den Hals. Sie schnürt sich tief ins Fleisch um die Brust, die Beine, den gesamten Körper. Die Hände zittern, die Augen suchen ein Ziel, die Gedanken springen und bleiben nicht greifbar. Das nervöse Zucken am Augenlid. Das Internet sagt es sei Stress. Das Internet sagt so viel, wenn der Tag lang und die Weingläser voll sind. Der Körper immer noch der Feind, obwohl sogar die neu gekauften Hosen schon wieder rutschen von den Hüften. Der Job eine Sackgasse. Keine Veränderung, jeder Tag dieses nett-sein zu Menschen denen man sagen möchte „Schalte doch einfach mal dein verdammtes Hirn ein!“. Der Schlaf der eines Toten. Kein Wachliegen das man zelebrieren könnte bei Kerzenschein und literweise Tee. Nichts zu sagen das man mit tintenbeschmierten Finger in ledergebundene Bücher ohne Zeilen kritzeln könnte. Eine Unruhe im Körper, im Geist, zu schwach was dagegen zu tun, rauszugehen, zu leben, erleben, verleben, vergeben. Sich Projekte suchen. Das Leben füllen mit Sinnvollem. Zumindest mit etwas wo man am Schluss sagen kann „Guck. Das habe ich mit meiner Zeit angefangen. Hier!“ Wie ein Projekt in Suchtkliniken. Und wieder dieses Zucken. Alle 20 Minuten. Ein kurzes Zucken. Seit Wochen. Man möchte sich das Lid rausreißen. Aber doch zu feige. Und wie sähe das denn aus?! „Du solltest eine Therapie machen. Mit jemandem sprechen der nicht dein Freund ist. Die Kasse zahlt das.“ Vielleicht sollte ich auch einfach nur aufhören so eine Pussy zu sein. Vielleicht sollte ich mir endlich die Eier wachsen lassen, die ich anderen schon so lange vorgaukle zu haben. „Du hast es gut“, sagt man mir. „Und du hast keine Ahnung“, denke ich. Der Rauch der Zigarette brennt in den Augen. Nur noch 15 Minuten und das Zucken… und die Schlinge. Die tausend Schlingen. Sie alle zerren und reißen und keine Schere in Sichtweite.

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