Der wichtige Wicht

Glatzkopf. Resthaar wegrasiert und alles was übrig blieb sind kurze Haarstoppel die nutzlos an der Kopfhaut kleben. Breite Schultern, Anzug, Lederschuhe mit dünnen Sohlen. Wichtiger Kopf mit wichtigem Handy und wichtigem Koffer mit Rollen unten dran um immer wichtig durch die Welt zu wichteln. Lautstarkes Telefonat mit lederbeschuhtem Fuß an der gegenüberliegenden Sitzbank. Ganz oft die Worte „Geschäftsführer“ und „Schweiz“ fallen lassen, denn dann ist man wichtig. Heute Abend noch eine Halloweenparty auf der man sich nicht verkleidet, denn wichtige Hamburger verkleiden sich nicht. Sogar das Spiel auf dem Handy mit Geräuschen die einem die Nervenbahnen zersägen. Denn man ist wichtig und so kriegt man die Aufmerksamkeit. Immer. Weil man doch so verfickt wichtig ist, so als Wicht.

Jedes Wochenende versucht er seine Frau zu besteigen. Brunftlaute die aus seinem dicken Hals kriechen denn das ist alles was er kann. Laut sein. Zwei Minuten besinnungsloses Gehämmer mit einem halbsteifen Penis. Und eigentlich will er doch einfach nur still sein. Manchmal. Sich klein machen. So klein, dass er wieder hineinpasst in den vertrockneten Uterus seiner Mutter. Aber er hat ihr versprochen was aus sich zu machen. Und nur wenn man laut ist, dann ist man wichtig und man kriegt Geld und dann kommen die Frauen und die Freunde und die Mutter kann stolz Bilder von ihrem Sohn zeigen wie er auf fremden Inseln große Fische in die Kamera hält und laut lacht.

Die ganze Woche war er unterwegs. Ist lachend in Ärsche gekrochen. Ein Lachen das klingt als würde man in eine Regentonne rülpsen. Hände hat er geschüttelt, fühlte sich dabei wichtig wie er diese Hände zerdrückte und das Geld auf seinem Bankkonto leise stöhnen hörte.

Manchmal will er verrückt sein. Vielleicht Frauenkleider anziehen. Oder barfuß durch die Fußgängerzone laufen und auf Trommeln schlagen bis die Fingerkuppen Hornhaut haben. Kiffen oder einfach mal keine Krawatte tragen. Vielleicht mal etwas spenden und es nicht von der Steuer absetzen. Aber wenn er das täte würde er merken, dass er doch nicht so wichtig ist. Das schon ein anderer wartet der ihn ersetzt und sich polternd lachend den Bauch hält. Er würde sein Leben führen, seine Frau besteigen, mit seinen Freunden Whiskey trinken. Es würde keinem auffallen wenn er der Mann wäre der zusammengekauert auf der Straße sitzt und fremde Menschen um ein paar Cent anbettelt. Und bevor ihn diese Gedanken zerfressen lacht er einfach. Auch wenn er weinen möchte. Bereitet sich auf die Gespräche vor, die er gleich führen wird. Und in denen wird er erzählen wie wichtig er doch ist. Dort in der Schweiz mit den Geschäftsführern.

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