Wein, Weib und ein sterbendes Blog

Ich schreibe nicht. Ich höre keine Musik. Den Fernseher nehme ich wahr als einen Kasten dessen Bilder lustig wackeln, wenn man lange genug darauf starrt. Ich trinke wieder. Mehr, weniger, aber immer ohne Anlass. Und wenn ein Anlass gegeben ist, dann lasse ich es durch mich hindurchlaufen. Ich rauche zu viel und sehe meiner Vergangenheit dabei zu wie sie immer blasser wird. Wenn Menschen sterben, dann nehmen sie die Geschichten mit, die sie einem erzählen könnten. Die Aufmerksamkeitsspanne bei Gesprächen reduziert auf ein Minimum. Supportniveau. Alles über fünf Minuten ist schlecht und schadet dem Durchschnitt den wir halten müssen weil es wichtig ist, dass man viele Gespräche führt. Der Inhalt, egal. Hauptsache die Zahlen sind rund und schön und machen nette Gesichter wenn man sie auf Tafeln projiziert.  Immer öfter tauchen Dinge auf, für die ich noch nicht erwachsen genug bin, mein Umfeld scheinbar schon. Sie heiraten. Dieses Jahr sind es schon zwei. Kinder wollen sie noch nicht kriegen. Nachdem ich gesehen habe wie dieses Kinderkriegen vonstatten geht, will ich das auch nicht mehr. Ich erinnere mich daran, dass man dort sicher oft Nadeln in den Körper gesteckt bekommt um Sachen abzupumpen. Um zu testen ob alles gesund ist. Zu viele Nadeln. Viel lieber will ich Tattoos auf meinen Körper kratzen lassen. Die muss man wenigstens nicht zu Helden erziehen. Tage die stumpf an mir vorbeilaufen, kurz nicken, weitergehen und mich schon vergessen haben, wenn sie über die Straße gelaufen sind. Fremde Menschen die mich angrinsen. Ich grinse zurück, mechanisch. War am Samstag bei Ikea. Wir haben uns über die Namen der Kinder lustig gemacht, die in Küchenabteilungen verloren gehen und aus dem Kinderparadies abgeholt werden wollen. Das habe ich gar nicht bei facebook gepostet. Welch schlechter Zuckerberg-Jünger ich doch bin. Schnell die Chronik aufpolieren und all diejenigen blocken die meinen, durch das Teilen von Bildern würden Spendengelder verschenkt werden. Die innere Firewall blockiert gerade alle Ports. Oft sitze ich nur da. Möchte weinen. Der Grund ein unbekannter und vielleicht beweine ich nur wieder mich, weil ich nun mal selbstmitleidig bin. „Was hast du aus deinem Leben gemacht?“, frage ich mich. Ich blicke in dem Raum herum, der mein zu Hause ist und finde keine Antwort.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Wein, Weib und ein sterbendes Blog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s