Poetry und ich

Manchmal mache ich mir Gedanken darüber, warum ich nie an einem Poetry-Slam, an einer Lesung teilnehmen, als Straßenpoet arbeiten könnte. Meistens passiert mir das während dem Versuch einzuschlafen. Denn genau dort brauche ich die Gedanken die mich so sehr anöden, dass ich in den wohligen Sog der aus Tiefschlafphase besteht, gleite.

Es beginnt doch schon bei den Texten. Wenn man sich diese crazy Poetry-Menschen anguckt, woah, was für ein crazy Leben die doch haben. Sie leben in absolut schrägen WGs oder erleben nur auf dem Weg zur Bahn ganze Lowbudget-Kunstfilme. Sie wollen irgendwie immer was. Wollen wachsen und atmen und größer und machen sich Gedanken darüber was sein könnte wenn sie nur endlich mal ihre Finger von der Tastatur lassen könnten. Meine Texte schmalzen oder hassen oder ergeben keinen Sinn wenn man nicht in meinen Kleinhirnkreisen wohnhaft ist. Wenn ich anfangen würde dieses Blog zu rezitieren, voller Elan und dem Willen das Fußvolk mit meinen wohlgewählten und von Alkohol getränkten Worten zu bespaßen, sie würden gucken wie ein Auto und fluchtartig das Kellergewölbe verlassen, in dem wir uns zusammengefunden hätten.

Und dann wie sie sprechen. Diese Poetry-Slammeister unserer Zeit. Sie prügeln jedes Wort in das Mikrofon. Jeder Satz ist wie ein Schuss aus einem dieser lustigen Waffen aus den Ballerspielen. Hektisch fuchteln sie mit ihren Zetteln in der Luft und hämmern ihre Satzgebilde zwischen die Augen der Hörenden und wenn man genau hinhört flüstern sie nach jedem fertigen Satz ein leises „Headshot!“. Ich würde mich verzetteln. Verheddern an dem Papier, mir live auf der Bühne die Pulsadern aufschneiden, stottern obwohl ich nie gestottert habe und spucken. Ich würde so dermaßen viel spucken, dass man ein Katastrophenteam rufen müsste um den Flutmengen die aus meinem Mund sprudeln würden herzuwerden. Ich würde unmenschliche Mengen an Speichel an das gesamte Puplikum verteilen, sodass diese nie wieder duschen müssten, würde man sich heutzutage mit Sputum duschen, statt mit warmem, klarem Wasser aus dem Brauseduschkopf.

Nervös wäre ich. Ich würde zittern. Mein Bein würde hektisch zucken. Minimal-Sounds würde ich trommeln und die Menge würde wohl beginnen zu tanzen weil sie denkt das sei nun der Teil zum Tanzen. Mein Herzschlag würde den Bass darstellen. Tief, laut und viel zu hektisch. Das leuchtende Rot meines Kopfes würde konkurrieren mit den Deckenstrahlern. Oder ich würde damit das schummrige Licht das mich umgibt zerstören. Diesen Moment der dadurch entsteht. Diese Atmosphäre. Ich würde leuchten wie eine betrunkene Diskokugel und wahrscheinlich auch so auf der Bühne herumtorkeln. Alles umwerfen. Mich vielleicht noch einmal am durchnässten Zettel in meiner Hand schneiden. Der wäre durchtränkt von Schweiß und Spucke.

So wäre es. Würde ich Texte lesen vor Menschen. Es wäre ein Meer aus Spucke, Blut und Schamesröte. Und eigentlich wäre es eigentlich auch egal, weil zuhören würde man mir schon lange nicht mehr.

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5 Gedanken zu “Poetry und ich

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