Ein Jahr verloren

„Blablablablabla… ich bin jetzt 26, blablablablabla!“

„Barbara, du hast am 14.05.1984 Geburtstag.“

„?“

Pause [In dieser Pause ging ein Rattern durch meine Gehirnwindungen. Der Taschenrechner wurde von den kleinen Synapsen gezückt mit der äußert wichtigen Frage „Was will mir der Kerl nur damit mitteilen? Habe ich meinen eigenen Geburtstag vergessen? Habe ich heute Geburtstag?“ Und während kleine Männchen mit grünen Augen und plüschigen Ohren lustige Worte mit dem Taschenrechner bastelten und ihn sich dann kichernd unter die Nase hielten, spucken sie parallel kurz angebunden ein Zahlenergebnis aus. 27!  Als diese Zahl dann auch wirklich bewusst bei mir ankam so in Bauch, Beine und Po war meine Reaktion ein verwackeltes

„OMFG!“

Bis vor Kurzem hätte ich mein gesamtes Hab und Gut verwettet (OK, kein Schwein hat Interesse an der Ansammlung nutzlosen Klimbim aber das sagt man nun mal so) wenn es darum ginge mein Alter mit einer 26 kundzutun. Stein und Bein hätte ich geschworen. Unter Androhung von Folter hätte ich weiter stur behauptet ich sei krosse 26 Jahre alt und wirklich keiner hätte mich von diesem Irrglauben abbringen können.

So bemerke ich also, dass ich ein ganzes Lebensjahr verloren habe. Weg ist es. Auf nimmerwiedersehen. So manch einer würde nun behaupten, dass dies so nicht stimmt. Ich hätte in diesem einen Jahr sogar sehr viel erlebt und könne auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Aber ich sehe das anders. Ja es stimmt. In einem Jahr ist viel passiert, viel Neues und Gutes und Großes wurde mir zuteil aber das hat nichts damit zu tun, dass mir plötzlich ein ganzes Jahr, so rein gefühlsmäßig, geklaut wurde.

Urplötzlich wurden die biologischen Uhren auf Apokalypse vorgeschraubt. Alle gleichzeitig und so ne Frau hat doch sicher mindestens drei davon. Und während ich so am Rechnen war wie lange ich es wohl noch dauern wird, bis meine biologische Uhren die Dschihad ausrufen, fiel mir auch noch ein, dass ich sicher viel verpasst habe in dem verdammten verlorenen Jahr.

Schon allein die alkoholischen Entgleisungen. So viele unnötige Gehirnzellen die immer noch quicklebendig in meinem Gehirn um die Wette pogen. Und jetzt weiß ich auch warum ich so zugenommen habe. Ich hatte in diesem verlorenen Jahr sicher den Plan Wrestling-Star zu werden und habe mir deswegen irgendwo etwas einpflanzen lassen das macht, dass ich sehr viel an Muskelmasse zulege, sobald ich mit dem Training beginne. Da ich mich aber nicht mehr daran erinnern kann, mache ich logischerweise keinen Sport und werde dick.

Wieviele Konzerte ich wohl verpasst habe. Neue Alben bei denen ich mir schwöre sie im Original zu kaufen oder zu zumindest über iTunes herunterzuladen und dann doch danach google in Kombi mit dem Wort ‚megaupload’.

Wahrscheinlich habe ich genau in diesem Jahr Tonnen von neuen besten Freunden getroffen. Die sind natürlich vergrault, haben mich bei facebook gelöscht und auch wenn ich mich wieder an sie erinnern würde, sie würde doch sicher kein Wort mehr mit mit wechseln weil ich sie ein ganzes Jahr verdrängt habe.

Die Wirtschaft. Der muss es in der Zeit auch dermaßen schlecht ergangen sein. Keiner kauft so ausgiebig sinnlosen Müll den er nach einigen Wochen wegwirft, um sich dann weiteren Rotz zu kaufen, wie ich. So viele Dosen Red Bull die weggeworfen werden mussten weil ich sie nicht in verschlafener Grundstimmung in meinen Körper geschüttet habe.

Vielleicht habe ich in diesem Jahr Sprachen gelernt, habe mein Talent in Bereichen wie Zeichnen, Klöppeln oder Tontaubenschießen entdeckt. Alles futsch. Habe ich vielleicht Urlaub gemacht? Sogar so mit ins Flugzeug setzen und so. Oder vielleicht hatte ich den Führerschein gemacht. Oder ich lernte Kunstflug. Hatte den besten Sex meines Lebens. Wurde Germanys Next Topmodel. Gewann die hundertste Bigbrother-Staffel.

Ich trauere nun diesem einen Jahr hinterher. Kaufe eine Dartscheibe, schreibe auf einen Zettel die Zahl 27 und trainiere meine Pfeilwurf-Skills.

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