Kapitel 2

Hier Kapitel 2 von insgesamt 3 Kapitel des unvollendeten Märchens.

Die Vögel zwitscherten und die Sonnenstrahlen suchten sich ihren Weg durch die schweren Damastvorhänge auf die Nase der Prinzessin Saxndi. Ein Morgen wie er im Buche stand. Saxndi kräuselte verschlafen ihre Nase, die zugegebenermaßen ziemlich groß war, wenn man bedenkt, dass sie die einer Prinzessin war. Jedoch war Saxndi, die von ihren Freundinnen liebevoll Trampel genannt wurde, der Ansicht, dass gerade ein großes Riechorgan ein gutes Merkmal ihrer königlichen Herkunft sei. Gähnend blinzelte sie in die Sonne und blickte in ein Paar blutunterlaufene und verklebte Augen. So manch einer hätte sich erschrocken bei diesem Anblick. Doch da die Prinzessin ihre Kammerzofe Verigania schon ihr ganzes Leben lang kannte, war er kein Schock mehr für sie. Verigania war eine dickliche ältere Dame, die immer aussah als hätte sie die ganze Nacht kein Auge zubekommen. Außerdem erinnerte ihr Gesichtsausdruck immer an einen Maulwurf der gleich wild los niesen musste. So sah sie schon aus als Saxndi noch ein feuchter Gedanke war und das würde sie wohl auch noch sein wenn sie das Zeitliche segnen wird. „Frühstück ist fertig meine liebste Prinzessin“, spuckte sie ihr ins Gesicht. Das lag daran, dass die Kammerzofe mit einem schweren Sprachfehler gestraft war, was sich durch schreckliches Lispeln bemerkbar machte. Freudig schnüffelte die Prinzessin, in der Hoffnung sie würde einmal in ihrem Leben eine Scheibe Knäckebrot serviert bekommen. Leider gab es nur wieder den Fischauflauf vom Vortag. Aber sie hatte gelernt, dass man dankbar sein muss für alles was man kriegt, und so sprang sie voller Tatendrang aus ihrem Bett, denn heute war Samstag und das hieß sie durfte wieder in die Schule gehen. Nicht das sie so wissbegierig gewesen wäre. Von ihrem Vater hatte sie gelernt, dass man nicht einmal bis elf zählen können muss um ein Land regieren zu können. Ihr Interesse galt mehr ihrer besten Freundin mit der sie sich schon einigen Ärger eingehandelt hatte. Die Freundin von Saxndi war ein Jahr jünger als sie und ein ziemlich vorlautes Ding Namens Dörke. Gemeinsam kamen sie auf die dümmsten Ideen und setzten diese auch oft genug in die Tat um.

Eines Tages hatten sie dem Hofschlagzeuger, der zu jeder vollen Stunde ein Drumsolo zum Besten gab, seine Fußpedale geklaut wodurch er nicht mehr die entsprechende Uhrzeit trommeln konnte, denn ohne ein ordentliches Doublebase-Solo, war das ganze restliche Getrommel total wertlos. Das erzürnte den König so sehr, dass er den trommelnden Kerl mit einem Fluch belegte. Man muss dazu sagen, dass der König dachte, er hätte magische Fähigkeiten und könnte mit seinem linken großen Zeh Sachen verfluchen indem er sie mit dem Zeh berührte. Menschen bohrte er dann damit immer solange in der Nase rum, bis sie freiwillig zugaben verflucht zu sein nur um dieser peinlichen Situation zu entkommen. Der König verfluchte gerne einmal einige seiner Untertanen. Oft nur, weil ihm langweilig war. Er veranstaltete kleine Feste, mit Riesenrad, Schlammcatchen, Losbuden und einem Spiegelkabinett. Als Höhepunkt galt immer die Ächtung einiger Auserwählter. Auf einer Bühne ließ sich der König theatralisch den Socken von seinem Fuß ziehen und reihte die Verdammten vor sich auf. Nachdem er ihnen erklärte warum er gerade sie auserwählt hatte steckte er jedem einzelnen den großen Zeh in die Nase. Bei mittelschweren Vergehen musste auch nur das Ohr der Verurteilten daran glauben. Die Verwünschungen gingen von schlimmer Pubertätsakne bis hin zu schrecklichem Köpergeruch. Saxndi fand die Veranstaltungen ziemlich albern, aber dort gab es immer Zuckerwatte und kleine Gummikröten die so schön am Gaumen kleben blieben, wenn man sie in einem Stück in den Mund steckte. Außerdem machten diese Feste den König immer so fröhlich, dass er noch 4 Tage danach allen erzählte welch einen Spaß er doch hatte und weil ihr Vater nun mal das einzige war, was sie noch hatte, wollte sie ihm diesen Spaß nicht verderben.

Freudig mampfend saß Saxndi an ihrem Schreibtisch der über und über beklebt war mit kleinen Zettelchen. Auf diesen Papieren machte sich die Prinzessin immer Notizen und um nichts zu vergessen klebte sie all diese Zettelchen an und um diesen Tisch. Auf diesen kleinen Fetzen Papier standen Gedichte, Fragen die in ihrem Kopf herum spukten oder einfach Schimpfwörter die sie im Unterricht aufschnappte wenn ihr Geschichtslehrer Herr Toddel mal wieder ein bisschen zu nervös wurde. Verträumt blieb ihr Blick auf einem der Zettelchen hängen. Auf dem rosa Stück Papier stand nur der Name Dedion, der war jedoch kaum mehr zu entziffern was einerseits daran lag, dass der Zettel uralt war und daran, dass ihn die Prinzessin, sobald sie unbeoachtet war, mit überaus feuchten Küssen bedeckte. Dedion war der Sohn des Hofkerzenanzünders und war ein sehr guter Freund der Prinzessin. Die Freundschaft begann als er ihr auf die Haare pinkelte als diese lichterloh brannten weil die Prinzessin der Ansicht war, Haare könnten nicht brennen, denn so ein Docht bestand ja auch aus Faden und nicht aus Haar. Seitdem verbrachten sie sehr viel Zeit miteinander. Ein Grund dafür war, dass sich Saxndi enorm schämte, dass ihr der Sohn eines Kerzenanzünders, auch wenn es einer mit abgelegter Meisterprüfung war, auf den Kopf gestrullert hatte. Durch die viele Zeit die sie miteinander verbrachten wollte sie ihn unter Kontrolle haben, nicht das er das jemandem erzählen würde. Und auf ewig die angepinkelte Prinzessin zu sein wollte sie sich und ihren ungeborenen Kindern und Kindeskindern nicht antun. Da Saxndi langsam in das Alter kam in dem sie merkte, dass Jungs mehr sein können als gute Haarlöscher fiel ihr auf, dass sie sich in Dedion verliebt hatte. Manchmal, wenn er nicht hinsah und damit beschäftigt war Steine in den Hofbrunnen zu werfen, roch sie an seinem Nacken. Das hatte sie nämlich einmal gelesen. Von dem betörenden Duft des Nackens eines Mannes und auch wenn sie wusste, dass er noch kein Mann war, so ein bisschen betörend fand sie den Geruch seines Nackens schon. Gut, sie wusste sich nichts unter dem Begriff betörend vorzustellen, aber wenn es in der Nase kribbelt, dann muss es dieses betörend sein.

Ruckartig riss sie die Kammerzofe aus ihren verliebten Gedanken und hielt ihr mit hochgezogener Auenbraue ihre Schuluniform entgegen. Auf diese waren die Hempelonier sehr stolz, denn diese war sehr teuer und sie waren eines der wenigen Länder, die diese Idee in die Praxis umgesetzt hatten. Saxndi konnte ihre Uniform nicht leiden. Sie bestand aus einem braunen Rock mit grauen breiten Querstreifen, einem Blazer aus Kartoffelsackstoff mit einem aufgenähten Wappen und einer silbernen Bluse mit Puffärmeln. Die Prinzessin war der Ansicht, dass sie, als königliches Kind das Recht hätte anzuziehen was ihr gefiele. Das versuchte sie auch einige Male umzusetzen indem sie nur in Unterwäsche zur Schule gehen wollte. Sie war der Ansicht, dass sie lieber halbnackt rumlaufen sollte, als in dieser unförmigen Grässlichkeit, die ja so gar nicht zu ihren grasgrünen Augen passte. Leider fingen sie die Wachen ein jedes Mal am Schlosstor ab, bevor sie jemand so sehen konnte. Aber der Plan, dass sie anders aussehen wollte, als die anderen Hempelonier-Kinder hatte sich so festgesetzt, dass sie sich die Nacht davor an ihrer Uniform zu schaffen gemacht hatte. Verigania hielt ihr mit einem strafenden Blick den Blazer angeekelt entgegen. Saxndi hatte sich mit der Umgestaltung des Kleidungsstückes sehr viel Mühe gegeben. Die Nähte hatte sie mit bunten Bändern verziert. Der Kragen war über und über mit verschiedenen Nieten geschmückt, die sie aus einem dieser Rocker-Kataloge bestellt hatte. Dem Wappen hatte sie mit einem Edding ein Krönchen aufgesetzt und viele bunte Stofffetzen, die sie aus allen möglichen Vorhängen des Schlosses abgeschnitten hatte, vollendeten die Umgestaltung der Jacke. Sie war ziemlich stolz auf das Ergebnis ihrer Arbeit als sie so vor ihrem Gesicht hin und her baumelte. „Was hast du dir denn nun wieder dabei gedacht? Weißt du denn nicht, dass diese Blazer sauteuer sind? Ich werde deinem Vater sagen, dass er auch einmal bei dir seine große Zehe einsetzen soll. Die grauen Haare am Rücken, die hab ich alle nur dir zu verdanken du kleiner Trampel. Hach! Wenn dich deine Mutter so sehen könnte. Sie würde auf der Stelle wieder tot umfallen.“, schnaubte die Zofe und fuchtelte währenddessen wie eine Wilde mit dem verschönerten Blazer vor Saxndis Nase herum. Die Prinzessin grinste Verigania frech an, schnappte sich ihn sich und rief ihr zu, „Aber Zöfchen! Lass doch meine Mutter da raus. Von der habe ich doch das Talent aus Scheiße Gold zu machen. Und jetzt halte mich nicht lange auf, ich muss doch zur Schule und eine schlaue Prinzessin werden.“ Schnell huschte sie ins prinzessliche Badezimmer zog sich eilig an, spritzte sich ein bisschen Wasser ins Gesicht und beäugte sich stolz im Spiegel. Sie musste unbedingt noch vor der Schule zu Dedion damit er sah was für eine gutaussehende Thronfolgerin sie doch sein kann. Außerdem musste sie ihn sowieso fragen was los ist, denn seit einer Woche waren alle Angestellten des Schlosses so komisch, sobald sie den Raum betrat. Vielleicht hatte er rum erzählt, dass er sie angepinkelt hat. Sollte das stimmen, dann würde sie ihn eigenhändig oder besser, eigenfüßig, verfluchen und zwar indem sie ihn mit einem Fußtritt im Brunnen versenkt. Aber vorher würde sie ihn küssen. Denn seine erste Liebe die müsste man doch küssen und ausserdem wollte sie keine ungeküsste Mörderin sein. Erst knutschen, dann töten. Dieser Plan machte Sinn und so machte sie sich auf den Weg in den Angestelltenflügel.

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