smoking area

Hallo. Mein Name ist Bracka. Seit 6 Tagen 18 Stunden und 12 Minuten bin ich Nichtraucher. In dieser Zeit habe ich ganze 40,50 € gespart und 202 Zigaretten nicht geraucht. Wenn es euch beruhigt schockieren mich diese Zahlen genauso wie euch. Aber darum soll es gar nicht gehen.

 

Vor einer gefühlten Ewigkeit spuckte ich schon einmal große Töne die in diese Richtung gingen. Genau hier.

 

Der Unterschied zur jetzigen Aktion ist die Tatsache, dass ich auf meinem Körper ein Pflaster kleben habe, dass dafür sorgt, dass ich mit Nikotin versorgt werde um mir die Entwöhnung zu erleichtern. Des Weiteren handelt es sich hierbei nicht um einen Versuch, einen kleinen Test um meine eigene Willenskraft auf die Probe zu stellen, sondern um eine Aktion die ein Ziel hat, nämlich das Nichtrauchen.

 

Seit den sechs Tagen stellen sich mir aber Fragen. Fragen die ich mir selbst oft nicht beantworten kann. Und mir fallen Dinge auf.

 

1. Ich kann mich nicht konzentrieren.

 

Trotz der Nikotinzufuhr via Pflaster bin ich absolut hyperaktiv. Ich MUSS mich beschäftigen um nicht auf den dummen Gedanken zu kommen mal schnell zum Kiosk meines Vertrauens zu huschen um dort Zigaretten zu erstehen. Das Problem ist, dass ich mich trotz meiner unglaublichen Energie auf rein gar nichts konzentrieren kann. Sobald etwas länger als eine halbe Stunde meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen sollte, verlässt mich das Durchhaltevermögen und ich muss mich mit irgendwas anderem beschäftigen. Durch die Tatsache, dass ich mich gerade im Urlaubsmodus befinde wird dies nicht gerade erleichtert, da mein gesamtes Umfeld im Arbeitsmodus ist d.h. nicht parat ist um mich zu bespaßen.

 

2. Dieses Draußen. In unserer Wohnung wird/wurde geraucht. Dadurch, dass wir nun nur noch einen aktiven Raucher in der WG haben und dieser in seinem Zimmer der Sucht frönt, sind alle anderen Räume Nichtraucherzonen. Dadurch fällt es mir nicht schwer nicht zu rauchen bzw. nicht die ganze Zeit an Zigaretten zu denken. Doch sobald ich in diesem draußen bin, sind sie überall. Raucher! Ich habe das Gefühl das wirklich jeder Erdenbürger raucht. Kleine Kinder, große Kinder, alte Omas, junge Omas, Vati, Mutti und der Pfarrer auch. Alle stehen sie da mit ihren Kippen und rauchen glücklich vor sich hin. Und wenn ich sie nicht sehe wie sie gierig an dem Nikotinstengel saugen, dann rieche ich es. Wie ein Drogenspürhund schnüffle ich mich durch die Gegend und werde fast irre weil ich doch auch einfach nur mitmachen möchte. Vor allem stellt sich mir die Frage was so ein Nichtraucher macht, wenn er z.B. warten muss. Schon allein so ein einfacher Akt wie der Weg zur Arbeit war nikotingepflastert.

 

Hin zur Bahn – 1 Kippe

Raus aus der Bahn – 1 Kippe

Aschenbecher vorm Büro – 1 Kippe

 

Das sind ca. 15 Minuten meines Lebens die ich mit rauchen verbracht habe. Was macht man denn dann stattdessen? Einfach nur gehen und vielleicht reingehen sobald man das Bürogebäude erreicht hat? 10 Jahre darauf trainiert sein, dass man raucht sobald man nichts Besseres zu tun hat, das prägt. Ich bin eindeutig mit der Situation des Nichtstuns überfordert.

 

3. Riechen und Schmecken. Es wird ja behauptet, dass schon nach wenigen Tagen die Geruchs- und Geschmacksnerven wieder so arbeiten wie sie es sollten. Ich bilde mir seit ca. 1 Tag ein, dass ich besser riechen kann und ich kann hierzu nur eins sagen „Diese Welt, wie die stinkt!!!“. Ekelhaft. Ich möchte nun nicht behaupten, dass ich als ich rauchte sehr positiv dazu beigesteuert habe, dass mein Umfeld wohlig gut riecht aber … bäh? Die Menschen riechen streng, die Straßen riechen auch komisch und plötzlich rieche ich, dass es in den Toiletten noch strenger riecht als vermutet. Wenn das positiv sein soll, dann kann ich gut und gerne darauf verzichten.

 

Das ist nur ein Bruchteil dessen was mir im Kopf herumgeistert. Besser kann ich dies aber nicht verbalisieren, da ich bekanntermaßen eine Konzentration zum Wegwerfen und drauf herumtrampeln habe.

 

Richtig lustig wird es erst, wenn ich dann nächste Woche wieder arbeiten darf. Wenn dann der Kunde XY anruft und mir so richtig schön auf den Sack geht und ich nicht wie gewohnt nach unten huschen darf um meinen Zorn in wohlverdienten Qualm verwandeln zu dürfen. Das wird soooo lustig. Ich freue mich schon richtig drauf. NICHT!

 

Nun ist die halbe Stunde auch schon fast rum, mein Blick wandert schon wieder suchend umher und ich könnte doch heute schon den Kirschkuchen backen und meine CDs alphabetisch sortieren und dann mal alle Bücherregale abstauben und dann noch mal einen Kaffee trinken und ein paar interessante Wikipediartikel handschriftlich abschreiben….

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2 Gedanken zu “smoking area

  1. Also erstmal – sei stolz auf dich! Aufhören ist immer gut, spart ne Menge Geld und is sehr gesund. 😉

    Wenn du nich weißt, wohin mit den Händen, mach Origami 😉 oder schreib was – in der Bahn, nach nem sch*** Kunden kannste dir ja auch kurz ne Auszeit nehmen und ein paar Sätze aufs Papier (oder in ’ne Datei) knallen.

    Du machst das!

  2. nun ja, du krempelst gerade deine hirnchemie um. dein belohnungssystem, die „wohlfühlhormone“ serotonin, dopamin undn paar endrophine wurden bisher vom nikotin aktiviert. dein körper hat sich auf diese substitution eingestellt. jetzt fehlt der auslöser für die happy-kaskade, bringt so das eingespielte gleichgewicht durcheinander und das muß sich wieder neu, auf natürlichem weg, etablieren. also kein wohlfühlen auf feuerzeugknopfdruck sondern klassisch, wie bei den restlichen nichtraucherzombies.
    und DAS dauert eben.
    doof, wenn man dann noch jemand ist, der vllt. genetisch so vorgeprägt ist, das er besonders gut auf nikotin abfährt; auch dann ist das aussteigen schwierig(er).
    aber du hast ja noch zucker, koffein, alkohol, sonne, & sport zum hochmanipulieren der laune.

    hast du es vorab mal mit einer langsamen reduzierung der zigarettenanzahl über einen längeren zeitraum probiert bevor du aufgehörtest oder bist du von jetzt auf gleich in den kalten entzug gegangen?

    ich will mit dem ganzen hier nicht demotivieren sondern im gegentum sagen, dass man sich zur unterstützung des eisernen willens jedes halbwegs vertretbare mittel und jeden kniff erlauben sollte als „nur“ der macht des geistes zu vertrauen. denn der ist es ja, der vom nikotin bisher gepäppelt wurde.
    das ziel ist diesmal das ziel, nicht der weg.

    und willkommen in der verstunkenen welt, ich hoffe SEHR, du bleibst ne lange-weile!

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