Happy birthday

Geburtstage sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Plötzlich bist du 27 und rein gar nichts ist passiert. Nichts hat sich verändert. Nur die Fragen, die einem gestellt werden, die werden bohrender. Man wird gefragt wie man sich die Zukunft vorstellt. Das was man als rebellischer Teenager als spießig abgetan hat, wird plötzlich zu einer Erwartungshaltung. Meist mehr von Außen als in einem selbst. Die allgemeine Floskel ist immer dieselbe, nur die Zahl die dort enthalten ist, verändert sich.

„Du bist doch jetzt schon [Alter bitte hier einsetzen].

Wann hast du vor Kinder zu kriegen?

Wann wird geheiratet?

Wann fängst du an, an die Altersvorsorge zu denken?

Wann machst du denn endlich mal deinen Führerschein?

Willst du irgendwann ein Haus bauen/kaufen/beim Poker gewinnen?“

Damals, als man Kind war, da waren Geburtstage noch Meilensteine. Jeder neue Geburtstag hieß, dass man ein neues Level erreicht hat. Man darf im Auto vorne sitzen und das ohne Kindersitz, man darf zur Schule gehen, man darf länger wach bleiben, man darf Cola mit Coffein trinken. Und sobald die körperlichen Veränderungen vonstatten gehen, darf man immer mehr, was ein Erwachsener darf. Ficken, Alkohol trinken, noch viel länger wach bleiben, Autofahren und wählen.

Als Kind hat es gereicht, dass man da ist. Man musste niemandem etwas beweisen. Solange man doch nur gesund und fröhlich war. Doch je größer die Zahl wurde bei der Altersangabe im Freundschaftsbuch, desto häufiger hörte man, dass man jetzt schon alt genug sei um… ja um was? Zwar war es immer noch wichtig, dass man gesund und fröhlich ist, doch je weiter man da mit diesem Leben trieb, desto mehr erhofften sich die Anderen. Plötzlich war das Dasein geknüpft an Pflichten die man zu erfüllen hat. Und der Todesstoß des jugendlichen Leichtsinns der einen durch die Jahre getrieben hatte ist der Satz „Du bist jetzt erwachsen!“.

Ich fühle mich nicht wie 27. Ich fühle mich aber auch nicht wie 16 oder 3. Ich fühle mich keiner bestimmten Altersgruppe zugehörig. Es ist als wäre ich einfach nur da. Als hätte sich in all den Jahren nichts verändert. Zwar kein Stillstand aber als wäre die Welt um mich herum im hektischen Vorantreiben und ich würde dies alles nur beobachten.

Die Gedanken an eine Zukunft sind da. Sie sind nicht mehr der dichte Nebelschwadendunst der mich nicht durchblicken lässt. Aber ich sehe dort nichts Konkretes. Ich bin da. Ich erfülle meine Aufgaben die es mir erlauben mein Leben zu meistern. Reicht das denn nicht fürs Erste?

Ich bin doch jetzt schon 27.

Ich habe die geistige Reife zu wissen, dass ich jetzt nicht noch nicht bereit bin ein Kind zu haben.

Ich lerne erst jetzt wie es ist eine richtige Beziehung aus den richtigen Gründen zu führen.

Die Altersvorsorge kommt dran, wenn ich den Rest mal endlich auf die Reihe bekommen habe.

Wozu brauche ich einen Führerschein, wenn mich die Hamburger Hochbahn überall hinbringt und ich mir kein Auto leisten kann?

Ich brauche kein Haus denn das wären mir viel zu viele Fenster die ich nicht putzen würde.

Reichen diese Antworten?

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7 Gedanken zu “Happy birthday

  1. alles richtig bis auf den lappen. mach den solange du jung bist. alle, absolut alle die ihn erst machen wenn sie älter sind haben ein riesen problem damit. selbst wenn du nicht fährst, wenn du ihn hast später dann ein paar stunden zur einweisung zu nehmen ist weniger stress als das ding von null an machen zu müßen. du weißt nie wohin es dich verschlägt und dieser öpnv lifestyle funktioniert nur in ausgewählten großstädten.

    • Nicht zwingend. Ich lebte 26 ganz gut ohne Führerschein im tiefsten bayerischen Wald… es geht. Und solange ich keine Kinder ins Bootcamp karren muss, ist doch alles easy.

  2. Heißt es denn nicht: Nur das Genie beherrscht das Chaos? Ist mit dem Leben genauso. Wir haben nichts das wir aufbauen müssen. Wir haben nichts das wir erreichen müssen. Wir haben nichts das wir gewinnen müssen. Die verlorene Generation. Versuchen zu überleben. Hoffen dass das totale Glück morgen ganz sicher kommt, und alle anderen Gedanken überflüssig macht. Und niemals vergessen wer man selber ist, und was einen ausmacht… good luck, and right – forever young!

  3. Der Grund gegen das eigene Haus (Fensterputzen) leuchtet mir völlig ein. Andererseits brauchst du auch keine Gardinen mehr zu waschen wenn man sowieso nicht mehr durch die Fenster durchsehen kann.

    Ansonsten ist es denke ich einfach wichtig, es dir gut gehen zu lassen. Was auch immer du dafür brauchst.

  4. 47 (oder so, wen kümmerts ? Mich nicht. Warum auch.)

    Blog gefunden durch:

    Google, Angst vor Nichts, Bildsuche.

  5. Wollen die Kinder denn „gekriegt“ werden ?

    Frage sie doch mal. Deine ungeborenen Kinder natürlich.

    Was sagen sie ?

    Nichts ?

    Solange ich kein „Ja, bitte“ höre passiert hier überhaupt nichts.

    Und falls ein „Ja bitte“ kommt dann werde ich sie überzeugen dass ein „Nein Danke“ die einzig korrekte Antwort auf diese Frage ist.

    Der Rest ist Egoismus (der Mutter oder des Vaters.)

    Soll die Menschheit denn aussterben ?

    Das wird sie so oder so. Fragt sich nur wie lange gelitten werden muss damit das endlich passieren kann.

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