kompatibel

„Du bist nicht anstrengend. Man muss lernen dich zu lesen. Du meinst oft Dinge nicht so, die bei anderen dann eben falsch ankommen weil sie dich nicht kennen.“

Das sind Sachen, mit denen ich konfrontiert werde. Ich bin scheinbar nicht kompatibel mit dem Ottonormal-Menschen der da draußen herumläuft und darauf wartet von mir befreundet zu werden. Ich bin scheinbar dieses Möbelstück bei IKEA das man nicht intuitiv zusammenbaut, sondern bei dem man wirklich in die Anleitung gucken muss, um zu verstehen was man da gerade macht.

Menschen waren und sind ein Problem für mich. Sie sind da, ich muss mit ihnen klarkommen, weil es nunmal so viele von ihnen gibt, sodass ich nicht vor ihnen flüchten könnte. Es gibt einige wenige, die schmiegen sich wie angegossen in meine Gedankenwelt und finden sich darin zurecht. Weil es nunmal einfach passt. Je älter ich werde, desto weniger werden das. Weil es scheinbar nicht mehr ausreicht nur die selbe Band gut zu finden, sondern eine tiefere Basis geschaffen werden muss. Die ich oft nicht bieten kann weil mir grundlegende soziale Kompetenzen fehlen. So wird es mir zumindest auf Dauer vermittelt. Als hätte ich einen bestimmten Kurs im Leben verpennt. Den, in dem es darum geht, sich soziale Fähigkeiten anzueignen.

Und wenn ich mich dann ungebeten fühle oder einfach nur fehl am Platz, dann hinterfrage ich nicht die Menschen. Suche keine Fehler bei ihnen denn ich bin in mir selbst unfehlbar. Ich suche den Fehler in mir. Weine kurz und intensiv und betrinke mich. Weil ich keine Lösung kenne. Weil ich nicht weiß was ich machen muss um gleicher zu werden. Ich wäre gerne gleicher. Ich wäre gerne ein Teil von der grauen Masse die sich durch die Städte presst. Doch es funktioniert nicht. Und je mehr ich mich anpassen möchte, umso mehr werde ich abgestoßen. Aktion führt zu Reaktion und meine Aktionen führen zu einer ablehnenden Reaktion.

Ich trinke Rotwein. Frage mich, wann ich zum letzten Mal einfach nur in eine Masse von Menschen gepasst habe. Es ist nicht, dass ich so etwas Besonderes sein möchte. Ich will nicht der ewige Außenseiter sein. Ich bin nicht stolz darauf mich jahrelang von allem und jedem abgekapselt zu haben. Ich will ein Teil von euch sein. Doch es passt nicht. Es passt nie. Als würde ich versuchen mich in eine Größe 34 zu quetschen. Es sieht scheiße aus und tut meistens auch noch weh, weil es scheuert.

Aber scheinbar sind sie alles das. Kompatibel. Nur ich nicht. Wenige Einzelne schätzen es. Doch die meisten verstehen es nicht und ich frage mich, ob ich mir einfach ein Fake-Ich zulegen sollte für genau diesen Fall. Eine Standard-Reaktion auf alle Fragen, Antworten und Nöte. Ein standartisiertes Etwas für dieses allumfassendende Alles.

Doch eigentlich bleibt nur die Frage ob ich vielleicht einfach nur aufhören sollte mehr ich zu sein. Vielleicht sollte ich mitmachen bei dem Einheitsbrei-Bingo. Oder zumindest dauerbekifft durch die Gegend grinsen. Das würde zumindest schon einmal den bösen Blick entfernen, der mir dauerattestiert wird.

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5 Gedanken zu “kompatibel

  1. ***was die Probleme mit meinen lieben Mitmenschen angeht, bin ich also nicht alleine. Ohne den Eindruck des Oberlehrers vermitteln zu wollen: seh dich mit deinem Rotwein vor, helfen tut er auch nicht, es ist zu schnell „zu spät“. Der Rest wird dann ganz schön bitter (weiß ich! ) sagt 3ich3 😀

  2. Lass es dir von einem gesagt sein der das mit dem anpassen probier hat: Rückzug nochmal es ist zeit und energieverschwendung. Immer is man damit beschaeftigt anderen zu gefallen. DabeI gefaellt man sich selbst med mehr.
    Ich denke auch nicht das du wenIg soziale Kompetenzen hast: der Blog sagt das Gegenteil.

  3. Es ist sicher kein Fehler, sich selbst zu hinterfragen, doch manchmal wollen einen die eigenen Tiefen verschlingen. Ich erinnere mich sehr genau an das was du beschreibst. Und wenigstens weiß ich wie es für mich ausgeht.
    Ganz alleine bist du nicht – vielleicht kann dich das trösten…?

    Deine schnörkellose Art mag ich 🙂

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