Abschied auf Raten

Es stand mir gut. Dieses Kleid aus Sack und Asche. Ich hatte es mir jeden Morgen aufs Neue frisch gebügelt hingelegt um mich damit in die Welt rauszuwagen, die mich nie verstand. Die machte, dass ich nie aus der „Keiner will mich verstehen“-Teenager-Phase rauskam, ihr nie entwuchs. Die Tage wurden länger, zogen ihre Schatten hinter sich her und zerrten mich in ein Elend das mir passte. Wir hatten uns irgendwann arrangiert. Die Grau-Töne schmeichelten irgendwann sogar meinem blassen Teint und die Augenringe erzählten davon, dass der Schlaf nie tief genug war, um klar strukturiert alles zu verstehen, wie es war. Mein Leben war nicht schlecht. Nie schlecht genug, um auf einer Richterskala genügend Mitleidspunkte zu erzeugen. Doch wer hat schon das Recht mir zu sagen was schlecht ist und was nicht. Erleben musste ich es. Ich musste es sehen und fühlen und riechen.

 

Es floss viel Alkohol in der Zeit. Nie genug um alles zu vergessen aber ausreichend um es zu verdrängen. Wir saßen zusammen das Selbstmitleid, der Kummer, die Trostlosigkeit und ich. Feierten Jahrestage weil wir es schon so lange miteinander ausgehalten hatten. Wir tranken auf uns. Auf die schweren Momente, die uns zusammengeschweißt hatten. Denen wir nicht trotzten sondern denen wir bockig gegenüberstanden und hilflos mit den Schultern zuckten. Wir täuschten Stärke vor und stülpten uns Sarkasmusmasken über das Gesicht.

 

Doch seit einigen Wochen und Monaten distanzieren wir uns immer weiter voneinander. Die Momente an denen wir schweigend nebeneinander sitzen und uns still die Weingläser auffüllen werden immer weniger. Denn es ist das Leben selbst das mich in seinen Fingern hat und in bunte Farbkleckse schubst. Es bleibt keine Zeit für die Schwäche in mir. Kurze Momente in denen wir aufeinandertreffen, uns zunicken und dann doch wieder getrennte Wege gehen. Es ist keine harte Trennung, die wir über uns haben ergehen lassen. Wir sind im Guten auseinander gegangen und ich weiß, ich könnte mich auf sie verlassen, wenn ich sie wieder brauchen würde. In meinem Kopf streichle ich ihre aschfahlen Haare und weine schon jetzt unnötige Tränen. Weil es eigentlich doch immer so ist. Doch dann erscheint dieser Sonnenschein. In mir. Ein ungewohntes Gefühl. Als wäre der Dornröschenschlaf ein niemals enden wollender Albtraum gewesen. Oder träume ich jetzt?

 

Ich versöhne mich. Mit mir selbst. Mit meinen alten Zeiten. Mit dem was war. Und freunde mich immer mehr mit dem Jetzt an. Weil es das Beste ist. Sie und er und wir und die Stadt und das Leben. Ein kleines Lächeln und in Erinnerung an das Gewesene ein Jägermeister. Auf die gute schlechte alte Zeit.

 

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