Gefühl vs. Sachlichkeit

Man hat einen Kopf. Der soll zum Denken da sein. Er rattert vor sich hin und bei manch einem kommt sogar etwas Sinnvolles dabei heraus.

Für das Fühlen soll das Herz zuständig sein. Es sind die Herzen die brechen und nicht die kleinen Adern im Gehirn die platzen, wenn die Liebe auf unfruchtbare Erde fällt. Das Herz schlägt schneller und flippt vollkommen aus, wenn man glücklich ist.

So hat also jeder seine Aufgabe. Der Kopf ist für die Sachlichkeit zuständig. Das Abwägen von Für und Wider. Das Herz soll schlagen und dabei Gefühle produzieren.

Doch eigentlich entsteht beides im Kopf. Das Gefühl und die Sachlichkeit, die einem so manche Gefühle verbietet. Man entwickelt z.B. eine Abneigung gegen eine Person. Wünscht ihr die Krätze an die Stelle am Rücken, an der man sich selbst nicht kratzen kann. Und das Gefühl möchte diese Person beschimpfen. In allen dunkelbunten Farben die es auf dieser Welt gibt beschmieren. Doch der Anstand bewahrt einen davor. Man denkt sich seinen Teil. Tobt im eigenen Kopf aber stählern grinst man seinem Hassobjekt entgegen weil es der Verstand so will.

Mein Kopf foltert sich gerade selbst. So viele tausend Gedanken, Bedenken und auch einfach nur Pläne die geschmiedet werden müssen. Es geht um alle Eventualitäten. Das war schon immer eins meiner Talente. Vorher zu wissen was zu tun ist, bevor es wirklich so weit ist. Denn wenn es dann so weit ist, habe ich einen Plan und muss nicht erst damit beginnen mich hineinzuarbeiten in ein Thema.

Und dann kommt die Emotion. Sie stellt mir ein Bein. Lässt mich taumeln. Sagt den Tränendrüsen, sie sollen schnell mal ein paar salzige Tropfen aus den Augen pressen. Die Gefühls-Kopfhälfte hat einen Flashback. Erinnert sich und erzählt davon wie es mal war und wie schön es doch war. Aber dann auch wieder davon, wie gottverdammt beschissen es noch viel öfter war. Wie oft du doch verflucht hast diesen Menschen. Und zwei Meinungen streiten sich, eine dritte mischt sich ein und keiner von ihnen scheint Recht zu haben. Meint zumindest das vierte Meinungsbild.

Diese Gefühlsduseleien bleiben auch von der planenden Gehirnhälfte nicht ganz geheim. Verdutzt sieht sie hoch, ihre Planung in grafischer Form vor sich liegend. Ein Struktogramm der was-wäre-wenn-Familie liegt wild bekritzelt vor ihr und sie lauscht den Gefühlen wie sie sich kloppen und die Haare ausreißen und beschimpfen. Gemächlich steht der realistische Teil auf, streicht sich den schwarzen Kittel glatt und trottet stirnrunzelnd zu den Streithähnen. Als es vor dem Knäuel an Gefühlen steht, mischt er sich ein. Das Realitätsempfinden räuspert sich kurz und versucht mit sachlicher Argumentation die Streithähne voneinander zu trennen. Doch den Gefühlen ist das alles egal. Sie stürzen sich auf den, bis vor Kurzem noch unbeteiligten Teil des Kopfes, und prügeln auf ihn ein.

So sieht es aus. In meinem Kopf. Ein Fight-Club-Szenario nur in einer Massenkarambolage-Version. Und meine Hände gebunden durch Entfernung. Sie wickelt sich um meine Handgelenke, diese Entfernung, und ich muss zusehen und darauf hoffen, dass ich mich auf die Person verlassen kann, die ich verlassen habe.

Oh, die Gefühle wetzen die Messer, der Verstand spitzt den pinken Textmarker an… ich glaube ich muss dazwischen gehen. „Jungs guckt mal! Alkohol!!!!“

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