To-Do

Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Sagt man so. Und um diese Päckchen zu schnüren, hat man eine gewisse Vorgehensweise. Eins meiner Päckchen war eins das viel mit Krankheit zu tun hatte. Damit, dass Krankenwägen mit Sirenenlärm zu uns nach Hause fuhren um die Trage auszupacken.

 

Dieses Päckchen packte ich. Ich hatte in meinem Kopf eine Liste die abzuhaken war. Sobald der Krankenwagen da war, musste zuerst telefoniert werden. Die Schwester informieren. Dann Sachen packen. Hygiene-Artikel und Unterwäsche zum Wechseln. Die Schlaf-Shirts falten und in einen Stoffbeutel stopfen. So, oder so ähnlich, lief es immer ab. Ich setzte meine Haken an die Punkte und fertig war es gepackt das tonnenschwere Paket und wurde mir auf die Schultern gewuchtet.

 

Als ich dann an einem Sommertag neben einem Grabstein stand und dabei zusah wie sie eine Urne in ein Erdloch steckten, warf ich die Liste weg. Denn nun brauchte ich sie nicht mehr. Der Pfarrer sprach von Asche und Staub und ich dachte daran, dass er meine Mutter als Staubsaugerbeutelinhalt bezeichnete. Kurz musste ich sogar schmunzeln, weil sie das jetzt irgendwie sogar war.

 

In gewisser Hinsicht war ich befreit. Das klingt hart. Man könnte mir sagen, dass ich herzlos sei, weil ich wohl froh sein dürfte, wenn sie noch hier wäre und ich wieder und wieder Päckchen schnüren müsste. Doch wenn ihr wüsstet wie sehr es vermisst das Herz und wie oft die Augen noch weinen, würdet ihr stumm auf den Boden starren und betroffen von einem Fuß auf den anderen steigen.

 

Aber sorgt euch nicht. Denn ein anderer Mensch hat nun ihre Stelle eingenommen. Zumindest was die Paket-Geschichte anbelangt.

 

Nach Jahren des Nicht-Schnürens hole ich den Stift heraus und schreibe eine neue Liste. Die Prozedur fast die selbe nur, dass ich nun koordiniere und nicht mehr selber aktiv werden kann. Ich erhalte einen Anruf. Google parallel schon die Telefonnummer des Krankenhauses. Rufe dort an, informiere mich, werde verbunden, nenne meinen Namen und frage nach. Erhalte wenige Informationen und lege mit zittrigen Fingern auf. Ich rufe die Schwester an. Sage ihr was ich weiß und versuche mich am Riemen zu reißen. Frage mich, warum es jetzt schon wieder so sein muss. Intensivstation. Immer und immer wieder. Als hätten wir irgendwann ein Abo erworben und hätten vergessen es zu kündigen.

 

Ein neues Päckchen liegt auf meinen Schultern. Und ich hake neue Punkte auf einer neuen Liste ab bis ich diese Liste irgendwann wieder wegwerfen kann…

 

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2 Gedanken zu “To-Do

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