Familie

Familie erlebst du Secondhand. Tage die nach Schweinebraten riechen und danach, jemanden zu haben, der sich kümmert und sorgt. Teilt mit einem. Das Neue. Ich bin der Beobachter. Drücke mir die Nase an der Scheibe platt und die Stimme in meinem Kopf erzählt mir davon wie es ist, dieses Familienleben. Umtriebig das Gefühl und der Mensch, der für ein paar Tage bei uns wohnt und mir zeigt, wie es hätte sein können, wenn alles anders gewesen wäre. Kompromissbereit setze ich mich an den Tisch und beobachte dieses Miteinander.

Äpfel die nicht weit von Stämmen fallen und ich als Birne rolle daneben her und weiß nicht ganz was es bedeutet. Ich lausche Telefonaten und frage mich wie es sich anfühlen muss, diese Verbundenheit zu Blutsverwandtschaft. Ich hatte es. Damals. Grauer Erinnerungsschleier. Aber es war immer anders. Durchtrieben von einem stetigen Konjunktiv. Möglichkeiten ungenutzt in Schubladen gesteckt und sich mehr den eigenen Egoismusphasen hingegeben.

Man vermisst vieles erst, wenn man es nicht mehr hat. Und wenn man es nie so hatte, wie man es von Außen erfährt, dann vermisst man weniger sondern beginnt zu beneiden. Man ist neidisch auf all das über das sich so manch einer der Beneideten aufregt. Doch wie gerne hätte ich sie manchmal diese nervtötenden Anrufe, die unpassenden Fragen und diese verstörenden Geschenke. Den mahnenden Zeigefinger und dieses Kopfschütteln. Weil es bedeutet, dass man jemandem etwas bedeutet. Weil das ein Teil dieses Familienkonstrukts ist.

Und so bin ich Voyeur. Beschaue mir alles aus sicherem Abstand und beneide sie um die Sicherheit, die aus einer solchen Konstellation hervorgeht. Sie haben ihre Felsen in der Brandung, ich mein versteinertes Herz. Das Kind in mir, wirft sich trotzig auf den Boden und will zu seiner Mama. Der gute Teil in mir freut sich. Innen wie außen. Für die andere Person. Weil sie es verdient hat in Sicherheit zu leben. Eine Erdung zu haben. Manchmal da fühle ich mich dann als Störenfried. Weil ich nicht hineinpasse in ihr Dasein als Familie. Weil ich nur wie ein Schmarotzer die Reste des Familienkuchens vom Teller lecke. Obwohl ich doch auch nur ein kleines Stück davon möchte.

Und das Schlimmste ist, dass ich es haben könnte. Ich hätte sie diese kleine neue Familie. Ich müsste nur die Hand ausstrecken und ich könnte all das haben worum ich sie beneide. Doch es ist zu lange her als das ich damit umgehen könnte. Zu sehr habe ich mich damit arrangiert der ewige Beobachter zu sein.

Und eigentlich kann ich froh sein. Froh darum, dass die Wärme in unsere vier Wände gebracht wurde. Denn es ist egal, ob ich den Feuerstein mitgebracht habe, der den Ofen angeheizt hat solange ich mich dazusetzen, und ein bisschen von der Wärme abhaben darf.

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