Frieren für den S-Bahn-Laufsteg

In welch einer verqueren und seltsamen Welt lebe ich eigentlich? Wann genau passierte es, dass ich das Frau-Sein nicht mehr verstanden habe und mir das Ausleben der altbekannten Klischees einen kalten Schauer den Rücken hinunterkribbeln lässt?

Ein Facebook-Posting machte mich heute verdutzt. Und dann war ich fast schockiert ob der Ernsthaftigkeit die in genau dieser Aussage steckte.

Hamburg spielt die Tage Väterchen Frost mit seinen Anwohnern. Heute Morgen wurden wir mit Minus neun Grad bedacht was dazu führte, dass ich Sorge hatte, dass mir meine rotzverseuchte Nase einfach mal zufriert. Schlotternd stand ich im Wintermantel eingepackt vor dem Bürogebäude, das iPhone in der Hand und studierte die wichtigen Botschaften die meine Freunde via facebook von sich geben. Keine Trennungen, keine Alkoholausfälle, ergo ein langweiliger Montag. Und dann stolperte ich über eine Aussage, die meiner Gänsehaut eine Gänsehaut bastelte.

Frei zitiert stand dort, dass das momentane Wetter die holde Damenwelt vor die Frage stellt, ob man friert oder lieber doch hübsch anzusehen sein sollte. Als ein Mann sich lachender Weise Luft machte, da es sich bei dieser Aussage um eine verstörende Form des Klischee-Umarmens handelte, wurde darauf hingewiesen, dass die Auseinandersetzung mit solch einer Fragestellung nicht auf freiwilliger Basis geschehen würde.

Schon einmal wurde ich mit Aussagen in diese Richtung konfrontiert. Wie unvorteilhaft doch dieser Winter sei. Wie schrecklich man aussähe in diesen vielen Lagen und den dicken Jacken. Ich guckte mein Gegenüber mit immer größer werdenden Augen an und bezweifelte mal wieder, dass ich auch wirklich zwei X-Chromosome mein Eigen nennen darf.

Ich bin ja eher der Pragmatiker. Ist es kalt ziehe ich mich dementsprechend an. Ich besitze keine stylischen Jacken von bekannten Markennamenabdruckern die zwar hübsch anzusehen sind, aber in der Produktion von Wärme eher eine Nullnummer sind. Ich trage meinen verfranzten Cordmantel und wenn es sein muss, schiebe ich da auch noch zwei Lagen Pullover darunter. Ich sehe aus wie ein hellbraunes Michelin-Männchen aber es ist mir verdammt noch mal absolut scheißegal ob mein Arsch jetzt noch breiter aussieht als er im Nacktmodus ist. Denn es ist kalt und ich für meinen Teil finde es beschissen zu frieren.

D.h. ich erhebe nicht den Anspruch adrett durch den Winter zu stapfen. Ist es wirklich so, dass folgendes gilt!?

Scheiß auf Lungenentzündung und Blasenentzündung. Auch wenn das Pissen ein paar Wochen ein Feuer im Schritt entfacht. Hauptsache man konnte die langen Beine gekonnt zur Schau stellen?

Doch das Highlight ist in diesem glorreichen Posting, die Aussage, dass dies nicht freiwillig geschehen würde. Ich stelle mir die Frage wer so etwas fordert. Sind es die Medien, Politiker, Männer, andere Frauen oder einfach das eigene Ego das es nicht erträgt, dass einem Daunen und Co. gut und gerne mal 20 Kilo mehr hinzuschummeln? Ich weiß es nicht.

Ist es wirklich so weit, dass man sich so sehr auf sein äußeres Auftreten verlässt, sodass man jegliche Form von menschlichem Verstand mal für ein paar Stunden in die Model-WG stopft? Insbesondere wenn es sich um einen regulären Arbeitstag handelt.

Liebe Frauen, ich verstehe das nicht. Der Schuh-Tick, ok. Der Zwang alles zu kaufen was plüschig oder glitzernd ist, joa, auch klar. Aber frieren wegen dem großen Auftritt in der S-Bahn eures Vertrauens? Ey Leute, wenn ich könnte würde ich mich in meine Bettdecke einwickeln wenn ich außer Haus muss aber die rutscht mir dummerweise immer von den Schultern.

Gebt dem Modestress keine Chance und steht dazu, dass auch ihr euch nach Wärme sehnt. Die Männer denen ihr eure frostigen Gliedmaße an den Körper presst werden es euch danken.

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6 Gedanken zu “Frieren für den S-Bahn-Laufsteg

  1. YEAH!
    Endlich sagts mal eine!
    Ich bin ja auch wie du, ich zieh mir Schichten an und denk mir: „Jetz is warm.“
    Und dann steige ich an der Uni aus und vor mir ein klapperdünnes Mäuschen im taillierten Mäntelchen, niedlichen Stiefelchen mit Pfennigabsätzen (es ist nicht gestreut) und einem kleinen Minirock … Aber Strickstulpen an.

    Ich fasse mir je-des-mal an den Kopp … Und bin dann immer kurz davor, das Mädel anschließend zu nem großen Kakao mit Sahne einzuladen oder einfach mal’n Brot zu schmieren. 😉

  2. Danke ♥
    Und wieder würde ich diesen Post am liebsten Ausdrucken und an die Bushaltestelle meines Vertrauens, sowie an jeden öffentlichen Ort dieser Welt pinnen – nicht ohne mich vorher in meine dicken Flauschpullis einzuwickeln, weil es auch hier saukalt ist und das auch noch vollkommen freiwillig.

    Es grüßt Undercoverherz

  3. Ich gehöre ja auch zur Fraktion „Lieber flauschig als stylisch“. Für mich stellt sich die Frage gar nicht, ob ich im Winter mit Miniröckchen durch de Gegend hüpfen möchte. Ich würde schlicht erfrieren. Mir ist in manchmal sogar in der Wohnung etwas frisch. Bei 20°C!

    Was die mangelnde Freiwilligkeit dieses Verhaltens angeht:
    Ich tippe auf das eigene Ego und andere Frauen. Ich gebe ja zu, dass ich meine dicke Daunenjacke nicht gerade formschön finde und mich wie ein Michelin-Männchen fühle und auch so aussehe. So richtig nervt mich aber, dass mir dann trotzdem oft genug noch kalt ist.
    Bezüglich der anderen Frauen lässt sich sagen, dass das wohl Gruppendynamik ist. Wer nicht den neuesten Channellack oder Lidschatten von MAC hat ist out. Der Lieblingsdesigner bringt neue Kleidchen raus? So ein paar Frostbeulen schaden doch nicht, wenn man dafür als Erste mit dem schicken neuen Stöffchen durch die Gegend stöckelt.
    Allerdings glaube ich auch, dass zu einem gewissen Teil die Gesellschaft „Schuld“ ist. Von Frauen wird of erwartet einfach immer hübsch auszusehen. Wer sich schon im Sommer nicht mehr setzen kann, weil der Rock dafür zu kurz ist und sich lieber die Knöchel bricht als auf anerkennende Blicke zu verzichten, der wird auch im Winter nicht darauf verzichten. Außerdem sticht Frau doch so aus der Masse heraus. Und solange es Männer gibt, die diesen Frauen anerkennend hinterher schauen statt ihnen mal die Leviten zu lesen, wird sich das wohl auch nicht ändern.

    • Ganz ehrlich: Stimmt schon.

      Aber man macht sich als Frau total zum Affen, wenn man allem hinterherrennt (das muss ich den Damen, die bisher gepostet haben, aber glaub ich nich sagen 😉 ).
      Ich kassiere dreimal die Woche Frauenzeitschriften in denen jeden Monat Schlagzeilen á la „Die neuesten Trends im Bett – so haben Sie wieder richtig guten Sex“ auftauchen.

      Da muss man auch nichts mehr zu sagen …

      Ich sehe mit Sicherheit nicht aus wie aus’m Katalog. Aber es ist mir offengestanden scheißegal. Immerhin kann ICH in den Spiegel sehen und sagen: „Jo. Ich bin so wie ich bin.“

      Wie ihr … 🙂

  4. *gg* gut gesagt…. wenn Frau sich durchgefroren an einen ranpresst ist das nur bedingt toll. Leider bin ich selber eine totale Frostbeule, so dass meine bessere Hälfte nix davon hat…

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