Bestes Dings von Welt

Wie abstoßend sie sind. Die Paare. Diese schmatzenden Küsse, die aneinander klebenden Körper sodass man schon Angst hat, dass bei denen ein eigenwilliges Sekundenkleber-Sexspiel schief gelaufen ist. Die strahlenden Fratzen die sich übertrumpfen im Vermissen und Lieben. Klettengleich verbringen sie Tonnen von Zeit miteinander und driften ab in eine kleine romantische Kitschwelt in der es Freunde oftmals nur noch als Bonusfunktion gegen Aufpreis gibt.

Großes Glück wird einem Tag vor Tag in das Single-Gesicht gerotzt und man will daraus lernen. Schwört sich, dass man so ganz sicher nicht sein wird, sollte jemals wieder ein Mensch das vereiste Herz entfrosten.  Man stellt sich vor, wie man es schafft das beste Pärchen zu sein, dass es auf diesem herzchenverseuchten Planeten gibt, ohne sich in Klischees zu verfangen.

Dann passiert es. Man ist verliebt. Und die Vorsätze sind mit grellgelben Neonstiften markiert. Baumeln vor dem inneren Auge. Man zügelt die Bedürfnisse, die man plötzlich in sich trägt. Die man vorher nicht kannte und so auch nie wollte. Weil man es richtig machen möchte. Für sich und auch für das Umfeld das diese ganze Herzbärchen-Scheiße ertragen muss. Denn man ist zwar verliebt aber das geht nicht mit einem absoluten Realitätsverlust einher. Man kann sich immer noch daran erinnern wie kotzwürdig man diese tausendfach geküssten Verabschiedungen gefunden hat. Man reißt sich am Riemen.

Doch fick die Wand an, ist das schwer. Die ersten Wochen zieht man es großartig durch. Einerseits, weil man sowieso erst mal damit klar kommen muss, dass man in einem Gedankenbad aus Herzenblubber badet. Es läuft großartig dieses erwachsen verliebt sein. So soll das sein. Nicht kletten, keine Kosenamen, keine Dauerbeknutschung in der Öffentlichkeit.

Aus eigener Erfahrung kann ich nun sagen, dass es nach zwei Monaten immer schwerer wird. Mein Kopf woohoot immer noch wie wild, wenn ich dieses Grinsen sehe. Es ist sicher noch kein Normalitätsmist, der mitschwingt in dieser Beziehungskiste. Aber verdammte Axt ist es schwer nicht in den Facebook-mit-Schatzi-auf-der-Couch-kuscheln-Modus zu verfallen. Nicht das ich das Bedürfnis hätte jemals solche Postings aus meinen Fingern zu pressen. Aber die Stimmung die dort mitschwingt, in diesen Sätzen die man am liebsten mit einem „Halt die Fresse“ kommentieren möchte tanzt in meinem Kopf und macht, dass ich glückseligst grinsend durch Hamburg fahre. Urplötzlich ist die Zeit die man miteinander verbringt, in der man sowieso nicht viel macht außer sich in tausend Varianten zu sagen, wie toll man sich doch findet, viel zu kurz. Die Wochenenden verpuffen, die Stunden verfliegen. Und plötzlich will man immer diese körperliche Nähe. Nicht weil man jedem zeigen will, dass genau DER zu einem gehört. Sondern weil man für sich selbst versuchen möchte diesen Wolke7-Modus in die Realität zu schubsen. Allein schlafen ist plötzlich total doof obwohl das vorher drei Jahre super funktioniert hat. Masturbation vs. richtiger Sex. Plötzlich ist man noch öfter willig und bereit als man es sonst war. Kurz streift man sogar diese „Gedanken die sich auf die Zukunft beziehen“. Verfällt in den Spießermodus und ist erschrocken weil man doch oft froh sein kann, wenn man weiß was man den nächsten Tag zu Mittag isst. D.h. man ertappt sich fast sekündlich dabei, dass man genau so ist, wie man nie sein wollte. Ekelerregend glücklich und abstoßend zufrieden.

Ein gutes Pärchen sein ist verfickt noch eins harte Arbeit und manchmal, wenn nicht sogar oft, versage ich absolut. Ich schimpfe mit mir selbst. Bewerfe mich mit Schimpfworten und zeige mir dann doch wieder den verliebten Stinkefinger und sage mir „Weil ich es kahann!!!!“. Dilemma in meinem Kopf und innerer Kampf der immer damit endet, dass ich sehnsüchtig auf mein Handy starre. Wir reden uns zwar immer schön raus. Das wir ja doch ganz anders sind. Aber ähm… ne, sind wir nicht. Absolut eklig sind wir. So gemeinsam. Wir beide. Aber hey, ich glaube das muss so. Zumindest manchmal. Oder vielleicht rede ich mich auch gerade nur wieder heraus.

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