Partyalarm

Der Tag danach. Erste Party in den eigenen vier Wänden. Nicht wir die Gastgeber. Es wurde gekocht, Türklinken verdreht und die Haare noch kurz kämmen von der Nacht davor, weil man zumindest ordentlich aussehen will. Manchmal fluchtartig den Raum verlassen in dem zu viele Stimmen auf mich einprasselten. Informationen werden ausgetauscht. Herkunftsdaten und kleine Skizzen des bisherigen Lebens. Bracka der Menschenmagnet. Ich sitze alleine in der Küche, stoße kleinen Erbsen mit der Gabel in ihren Leib und plötzlich ist sie wieder da. Die Anti-Ruhe in Aktivpartylaune. Gläser gehen zu Bruch und Garderobenständer werden angebumst. Und wieder diese Menschen um mich herum die ich alle nicht kenne. Den Kater im eigenen Zimmer besuchen, durchatmen weil der Rauch zu dick und die Stimmen zu laut. Grease-Soundtrack in überlaut und mein Hinweis, dass wir hier noch weiterhin wohnen müssen. Ich wackle nicht mit dem Po. Sehe nicht, dass es angebracht wäre.

Vorglühen nennt der Partygänger diesen Aktionismus der daraus besteht Unmengen Alkohol in die Blutbahn zu prügeln. Kiez. Ohne mich. Und Drama. Mit mir. Ohne das ich es will. Immer wieder sagt mein Kopf, dass ich nichts gemacht habe. Halte einen Mann davon ab, dass er einen anderen schlägt nur weil mir gesagt wird, dass er es tun will. Stehe vor ihm mit diesem Blick. Er so betrunken, dass er ihn kaum wahrnimmt. Doch meine Stimme erledigt den Rest. Nur mit Socken an den Füßen stehe ich vor der Haustür in Harburg und drohe dem Fast-Schläger mit genau dem was ich verhindern möchte. Singe beim Hochgehen Polarkreis 18. Den Einsamkeits-Chorus. Werde beschimpft. Atme tief ein und wieder aus. Kontere mit Liebenswürdigkeit und höre Flüche.

Der Magen ein Klumpen aus zuckriger Bowleobstsalatmischung. Doch es fühlt sich an nach Wodka-Zeit. Im Wohnzimmer sitzen, nur noch zu dritt und fluchen. Viel. Weitere Türklinken mit dem Imbus bearbeiten und zu den Stimmen von How I met your mother einschlafen. Vorher noch Nachricht schreiben. Inhalt: Ich verstehe es nicht und vermisse.

Um sechs Uhr Morgens aus dem Bett geklingelt werden.  Sachen werden geholt, noch Grüße ausgesprochen an die eine mit negativem Beigeschmack. Scheinbar noch mehr Drama auf dem Kiez. Ohne uns.

Erfolgreich war das Feiern. Der Nudelsalat echt super und auch der Reissalat war es echt wert auch ein zweites Mal zuzugreifen. Fanta mit Wodka macht viel mehr Spaß im Mund und meine Verwandtschaft hat mich lieb und will den Kerl schlagen, wenn er zum Wichser mutiert.

Jetzt kalter Rauch in allen Ecken. Der Kopf voller Gedanken und ein bisschen Sorgen. Lieber noch ein Bier und verdrängender Aktionismus. Die Kommode noch nie so ordentlich wie heute. Bett bezogen und Tisch abgewischt. Will Pizza und mit fettverschmierten Fingern Bilder auf tumblr rebloggen. Und ein bisschen schmalzen. Und mich an meine blonde Frau schmiegen um ihr feuchte Knutscher auf die Wange drücken. Vielleicht bin ich betrunken. Wieder. Immer noch. Oder einfach nur glücklich. So ein bisschen. Und zufrieden. Zumindest ein kleiner Teil in mir. Trotzdem! Und das lasse ich mir nicht kaputt machen.

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