Büroluftterrorschreibe

Maschinengewehrtastenklackern. Kleine Botschaften im internen Chatdialog. Papierberge mit Klammeraffen. „Können Sie mir die Email ausdrucken, einscannen, kopieren, als pdf, dann wieder an mich senden? Sie sehen so unter… beschäftigt aus.“ Bitches! Kleidungsstil. Das Büro verlangt nach Style. Große Ketten, die klimpernd gegen Tischkanten gedroschen werden. Kurze Röcke, hohe Stiefel. Der Gang Bürostrich. Duftwolken, Handcremes in den Schubladen, damit man den Chef mit der Hornhaut nicht den Schwanz wundwichst.

 

Geschminkte Gesichter. Tausend Lagen. Wegen des Lichts. Die Heizungslufttelefonhörerakne geht um. Die Finger aus dem Gesicht wenn du mit mir redest. Büroalltag = Modelcontest. Stützstrumpfhosen, die den Sitzfleischspeck praller macht. Klackern in den Gängen. Ich, die Kapuzenfrau, deren Teilnahmslosigkeit auf den Teppich tropft.

 

Sie stinken, diese Bürotiger. Nicht nach Arbeit. Nach Mikrowellensuppe, Mittagspausenzigarettenfraß mit Lippenstiftabdrücken auf den weißen Filtern, Angstschweiß, der ihre Pushup-BHs feucht glänzen lässt.

 

Fotos, Kalender, kleine Erinnerungsidiotien die sich auf dem Tisch sammeln. Stapelbearbeitung. Jeder Zettel hat seinen Platz. Je mehr Zettel, desto wichtiger. Ablage, Auflage, Unterlage, Flachleger.

 

Die Abteilungsdiät mit Abteilungswaage, um die Abteilungsschokolade abzuhungern. Darf ich bitte, bitte, bitte rauchen gehen?“ „O“ Kein Punkt und kein „K“, um dem ganzen Sinn zu geben. Die Stunden platt sitzen. Müde werden von… ja von was?

 

Büro ist Krieg. Modekrieg, Papierkrieg, Verbalkrieg, Ich-hau-dir-aufs-Maul-weil-du-einfach-nicht-witzig-bist-Krieg.

 

Hier reden sie ständig über das Essen. Mir wäre Scheiße lieber. Egal ob flüssig, fest, braune oder weiße. Oder Arschficks. Statt „Also gestern abend hatte ich ein Toastie mit Frischkäse und Käse.“, ein „… und als das Gleitgel leer war, rieb ich sie mit Schweinefett ein, um sie zu fisten. Super Alternative zu Margarine. Solltest du auch mal ausprobieren.“

 

Pünktlich den Rechner herunterfahren. Nur nicht länger unter diesen Lampen verweilen, die einem die Augen veröden. Grau wird man in diesem Umfeld. Es fehlen die Zigarren. Denn die Zeit frisst man schon aus den kleinen Müslischüsseln. Man füllt sie mit Produkten auf denen Namen stehen. Meine Milch heißt bn. Deine Milch heißt mo.

 

Blöde Nutte! Aber Geld macht man. Das ist doch die Hauptsache. Auch wenn man manchmal nicht weiß, was man sich darunter vorstellen darf, was man da macht. Aber hauptsache, der Schreibtisch ist am Abend dann sauber aufgeräumt und die Kaffeetasse steht in der Spülmaschine.

 

Ameisendasein im Hamsterrad. Hiphiphure!

 

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2 Gedanken zu “Büroluftterrorschreibe

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