gefühlt

Zwischenmenschliche Beziehungen. Etwas, was man ab einem gewissen Stadium des Alleinseins mit einem bitteren Beigeschmack hinnimmt. Man reagiert sich ab an youporn, Kuscheltieren, Vibratoren und Haustieren. Man schafft sich eine eigene kleine Realität und versucht zu lernen sich selbst zu genügen. In allen Bereichen. Und irgendwann ist man erfolgreich. Man kommt damit klar und dann erträgt man doch die dummen Fragen nach möglichen Lebensabschnittsgefährten noch weniger als zuvor. Man hat gelernt, dass man nicht ein Teil eines gematschten Pärchentiers sein muss, um glücklich zu sein. Man beginnt sich selbst zu genügen. In dem was man ist und in dem was man tut. Und das ist wohl einer der besten Ausgangspunkte die man haben kann für eine dann stattfindende Beziehung. Dieses Wissen, das man ohne den Anderen genauso wertvoll sein kann. Man definiert sich nicht durch die Beziehung sondern sieht sie als das was sie nun mal ist. Eine Bereicherung des eigenen Daseins. Ein kleiner Bonus aber kein Pflichtfeld das man füllen muss um vollständig zu sein.

 

Und dann stehst du bei Saturn. Hände ineinander verknotet und nachdem du einen Kuss ins Gesicht gedrückt kriegst siehst du dich selber auf der gegenüberliegenden Seite stehen. Dein Ohne-Kerl-Ich. Und du spürst den abschätzigen Blick den du dir selbst zuwirfst. Du weißt genau was für Gedanken dir durch den Kopf schießen würden. Wenn du auf der anderen Seite stehen würdest. „Nehmt euch ein Zimmer!!!!“ Und trotzig wie du bist denkst du dir, nein, mache ich nicht. Ich kann das jetzt. Weil ich es nun mal kann. Und guckst den Kerl besonders verklärt an, wenn ihr gemeinsam im Bus sitzt. Nicht weil du es musst sondern weil du es kannst.

 

Schwierig ist es für mich. Gerade jetzt. Nicht weil ich meine Prinzipien verraten muss, sondern weil ich versuche mein Anti-Ich mit dem zu vereinigen was jetzt einbricht über mich. Eine Gefühlswelt der ich abgeschworen hatte. Immer wieder der überzeugte Satz „Ich habe mit dieser einen Sache abgeschlossen.“ Und jetzt muss ich eingestehen, dass es doch so ist wie es immer ist. Dass es immer genau dann passiert wenn man am wenigsten damit rechnet.

 

Ich schockiere momentan. Freunde und sogar Familie. Mit der Botschaft, dass ein Deckel sich auf mir wohl fühlt und nicht einfach unpassend in mich hineinplumpst. „Du machst mich fertig!“ von einer Freundin. Ein „Wir freuen uns sehr für dich!“, von der Schwester. Als hätten sie alle die Hoffnung aufgegeben und sich schon überlegt ob ich meine Katzenzucht durchnummeriere oder mir die Mühe mache ihnen Namen zu geben. Die Hoffnung, dass Tante Bracke nicht nur die ist, die den Kindern Schokolade mit Altersschleier schenkt, sondern vielleicht kleine Nichten oder Neffen zum Spielen anbietet. Vor meinem inneren Auge stricken sie schon meine Hochzeitsnachtsunterwäsche. Denn so viel Zeit hat sie nicht mehr. Sie ist 26. Das muss doch jetzt funktionieren. In ihren Welten. Sonst bin ich verloren.

 

Doch ich bin nur verloren in den Gedanken. An den Mann, an sein Herz das rhythmisch meinen Schlaf begleitet.

 

Ich habe nie die Beziehung an sich verteufelt. Sondern nur die Tatsache, dass ich nicht fähig bin mich in so eine Sache fallen zu lassen. Und so betrinke ich mich nun und vermisse. Manchmal mehr und manchmal weniger. Gerade sehr. Doch es gibt Alkohol. So what?

 

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Ein Gedanke zu “gefühlt

  1. Also wenn ich EINES bisher gelernt habe, dann: Es ist nie zu spät! 😉
    Auch wenns schwierig ist – loslassen, fallen lassen und einfach auf einen zukommen lassen – es kann klappen.
    Versprochen. 😉

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