02:41

Zwei Minuten und 41 Sekunden.

Eine Zeitspanne in der sehr viel passieren kann. Leben die sich entscheiden. Momente die unvergessen bleiben. Tiefe innige Küsse deren Nachgeschmack noch tagelang auf den Lippen zu spüren ist. Worte die gesagt werden und sich tief in das Gegenüber bohren. In zwei Minuten und 41 Sekunden kann man so viel verpacken und oft auch verschwenden.

Zwei Minuten und 41 Sekunden sind für diesen Sekundenschock, dieses Herzrasen das man verspürt wenn man weiß, dass etwas Schreckliches oder Wundervolles passieren wird zu lang.

Für wahre Momente der Großartigkeit und Phantastigkeit, sind zwei Minuten und 41 Sekunden zu kurz. Man könnte es nicht auskosten. Dieses Erleben einer besonderen Situation. Man würde herausgerissen werden, wie aus einem wundervollen Traum an den man sich dann nicht mehr erinnern kann.

Ich bin ihm genau zwei Minuten und 41 Sekunden wert.

Unverhofft ruft er mich an. Ich frage nach, wie es ihm geht. Umzug, Gesundheit. Zwei Liter Blut verloren und keine Nägel im Haus. Eine Katze die auf Schränke springt und dann nicht mehr herunter kommt. Wie die neue Arbeit ist, fragt er und will eigentlich gar nichts davon wissen. Weil er nur sagt, dass es ja dann in Ordnung sei, nachdem ich ihm sage, dass ich jetzt richtig auf Kunden losgelassen werde. Er wimmelt mich ab. Als hätte ich ihn gestört, ihn angerufen. Ihn angebettelt er solle sich kurz Zeit für mich nehmen, obwohl er doch mit so viel Wichtigerem beschäftigt ist.

Verwirrt lege ich auf. Starre auf das Handy in meiner Hand und sehe die Zahl.

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Anständig von ihm. Diese zwei Minuten und 41 Sekunden. Er hat sich bemüht. Ich sollte froh drum sein.

Doch dann sehe ich wieder das verheulte Gesicht vor mir. Als ich Morgens im Dunkeln stand und darauf wartetete abgeholt zu werden. Wie sehr er mich doch an sich gepresst hat. Jede Faser seines Körpers ein vermissen brüllend. Jetzt ist es der Pflichtanruf. Nach drei Wochen. Vielleicht nur der Test ob ich noch lebe.

Stehe neben mir, nehme mich an der Hand und bringe mich ins Bad. Setze mich zaghaft in die Badewanne, ziehe den Duschvorhang vor und die innere Stimme wiederholt immer und immer wieder genau diese Zahlen.

Zwei Minuten und 41 Sekunden. Mehr bin ich nicht mehr wert.

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