Tag 5 HH

Körperlich stark.

Innerlich schwach. Wie eine Maschine treibe ich mich an mit Kaffee und mieser Ernährung die wir uns von Männern mit roten Mützen auf den Köpfen vor die Haustür liefern lassen weil die Energie fehlt selber Brote mit totem Tier zu belegen. Immer noch diese vielen Menschenstimmen. Immer. Zahlen und Abläufe. Alles wird ausdiskutiert. Wer, wann, wo ist. Und ich werde dann an die richtige Stelle geschubst um meinen Teil dazu beizutragen. Ich funktioniere. Ich funktioniere gut. Trage Dinge in den vierten Stock, kratze Dinge von den Wänden, schiebe und ziehe Dinge.

Der Müll muss rausgebracht werden. Katzenberuhigungshalsbänder mit Kleinmädchen-Deo-Geruch kaufen. Und immer noch nichts gesehen. Von diesem Hamburg. OBI, Roller, Pocodomäne. „Popodomäne“ sagen und es witzig finden. Die Klofrau Brigitte mit den fauligen Zähnen im Mund die vor ihrer Schüssel Pommes sitzt und mich bittet, nachdem ich ihr 50 Cent auf ihren mit Blumenmuster bespuckten Teller lege, die Tür doch zu schließen.

Freundlich sind die Menschen hier. Die Frau bei OBI erzählt mir von Winterurlauben im Bayerischen Wald. Schneecamping in Lackenhäuser. Oder war es doch ein anderes Kuhkaff? Sich beim Semmeln kaufen anstellen wie der erste Mensch, weil die doch hier nicht Semmeln heißen aber das Wort Brötchen will einem einfach nicht über die Lippen gehen.

Um 7 Uhr Morgens vor dem Büro der Wohnungsgesellschaft stehen. Ohne Termin. Aber man hat halt nur noch diese Woche Zeit.

Viel Geld ausgeben. So unglaublich viel Geld habe ich noch nie auf einmal ausgegeben. Mir wurde schlecht nachdem die Frau meine EC-Karte in den Zahlungskasten steckte. Erst mal eine rauchen. „Barbara, es ist nicht dein Geld, was wir da ausgeben.“

Die Katze versteckt sich. Immer. In dem Zimmer mit dem Gerümpel. Und wenn sie mal rauskommt, dann schreit sie. Ich sollte vielleicht auch einmal schreien. Einfach so. Vielleicht hilft es ja.

Nichts zu twittern die Tage. Weil alles was ich zu sagen hätte wäre ein Einheitsbrei und endete in einem

„Ich bin kaputt. Holt mich hier wer raus? Followerpower galore?“

Dumme Emails schreiben, sie verschicken und sich danach mit der flachen Hand an die Stirn schlagen.

Guten Morgen Hamburg. Auch heute werde ich dich nicht sehen. Ich muss Wände mit Farbe bepinseln, Schränke verschieben und Krempel tragen bis ich Blasen und Schürfwunden an den Händen habe.

Und wie fühlt es sich an? Der Neuanfang?

„Wie ein Erlebnisurlaub mit miesem Rahmenprogramm. Ein Programm für gestresste Manager die einfach mal rauswollen aus ihrem nervenaufreibenden Sesselpupserjob. Mal das Hirn frei machen und handwerklich aktiv werden. Was Erschaffen. Mit den eigenen zwei Händen. Schwitzen, stinken und sich gut fühlen.“

Advertisements

Ein Gedanke zu “Tag 5 HH

  1. Ich hab mich schon gefragt, wann du wieder Zeit findest, etwar zu schreiben – und mich darauf gefreut.
    Du hast auch’n verdammt großen Schritt gemacht (viel weiter geht in unserem Land ja auch nich mehr).

    Ich wünsch dir jedenfalls einen Sack voll Optimismus und einen Strauß neuer, guter Nerven für die ganze nächste Zeit. 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s