Blind vor Text

Viele kleine Worte pflastern unseren gemeinsamen Weg. Jedes wohl überlegt. Und dann doch wieder diese Moment, wo es einfach passiert. Das Schreiben. Die Kommunikation. Oder sie stockt.

 

Wenn ich nicht ich wäre. Wenn ich für dich ein Stück Literatur wäre, was dürfte ich dann für dich sein?

 

Das epische Gedicht. Ich wäre eine Erzählung von Vergangenem. Etwas worüber du anderen berichtest. Du würdest es ausschmücken. Unser gemeinsames Sein. Unserer Geschichte eine Wichtigkeit verleihen. Sie würden dir lauschen. Deinen großen Worten. Und doch wäre ich Vergangenheit.

 

Oder wäre ich ein Drama. Der Dialog. Jede Unterhaltung mit einer passenden Kulisse untermalt. Ein großes Theater. Ein Schauspiel. Der Applaus der Lohn für die Beteiligten. Blumen werden auf die Bühne geworfen und ich dürfte mich verbeugen. Vor dir und vor deiner Entscheidung mich zu dieser dramaturgischen Figur gemacht zu haben.

 

Vielleicht bin ich auch die Lyrik in deinem Leben. Gemeinsam reimen wir uns etwas zusammen. Kleine kryptische Gedanken die das Denken anregen sollen. Derer, die daneben stehen und uns heimlich beobachten. Viel Gefühl steckt in mir. Und zu viel Reflexion. Fast kitschig. Mit roter Tinte auf weißem Papier läge ich vor dir. Im Schein der Kerze würdest du mich lesen und meine Seiten mit Bedacht anfassen, weil du Angst hättest, du könntest es zerstören.

 

Es könnte aber auch sein, dass ich dir ein Roman bin. Viele Seiten gefüllt mit unzählig vielen Worten. Doch welche Art von Roman? Die Schonkost für die Augen und das Gehirn oder schwerer Stoff der einen fesselt und nicht mehr loslässt?

 

Ein Märchen? Die böse Hexe stirbt am Schluss. Eine Lehre, die du aus dem Ganzen ziehst. Und wenn es nur die ist, dass du dich nicht mit Hexen einlassen solltest.

 

Fabel, Kurzgeschichte, Komödie, Groteske, tragisch, komisch, unbedeutend und keins der Worte wert, die ich auf meinen Körper gemalt habe? Tiefgründig, leichte Kost, untragbar, erregend? Verwirrend, einschläfernd, kritisch?

 

Oder vielleicht bin ich auch nur dein Blindtext. Das Vorgaukeln von Inhalt. Ein Platzhalter für das, was wirklich wichtig ist. Bis das kommt, was dich wirklich in den Bann zieht. Ein Akt der durch copy and paste schnell vollzogen ist. Ein bisschen formatieren. Dem Anpassen, was es irgendwann mal werden soll. Und dann liegen lassen. Nur darauf wartend mich entfernen zu dürfen. Um mich durch gehaltvolle Literatur zu ersetzen. Bin ich dein lorem ipsum? Oder reicht es vielleicht doch zum Groschenroman?

 

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