Biss zum Erbrechen

Das Fenster weit geöffnet. Es ist bitterkalt und die Luft flimmert. Die zwischen dem Drinnen und Draußen. Klamme Finger auf einer Tastatur. Hunger haben. Nichts essen können, weil nichts da ist. Noch einen Kaffee holen. Pullover und Unterhose. Ein Socken am Fuß. Der andere kuschelt mit dem restlichen Unrat im Bett. Ich lasse ihm seinen Spaß. Socken müsste man sein. Zumindest bei dem Kuschelteil.


Gestern ein Abschiedsessen. Ich hatte Angst davor. Kurz bevor es so weit war, wollte ich nicht mehr. Ich wollte mich zu Hause verkriechen mit meiner Flasche Tankstellenwein und die Menschen Menschen sein lassen. Jeden für sich. Ohne das große Umarmen. Und dann war es gut. Wir führten uns in diesem Restaurant auf, als wäre es eine Privatparty in den eigenen vier Wänden. Deko wurde herumgeworfen, lautes Lachen und zwei Gläser Wein. Ich fühlte mich wohl. Ich fühlte mich gemocht. Ich erfuhr seit Langem wieder einmal wie es ist, wenn man jemandem nicht egal ist. Wenn man als wertvoll erachtet wird. Es tat gut. Es war wichtig. Basarstimmung am geöffneten Kofferraum aus dem ich Habseligkeiten an sie verschenkte, die ich nicht wegwerfen möchte, sie aber auch nicht mitnehmen kann. Tränen gelacht. Wimperntusche verschmiert.


Dann der Abschied von der Schwester. Den kleinen Fetzen Familie loslassen. Aber erst umarmen. Weinen. Und sagen, dass man gehen muss weil man hier kaputtgehen würde. Weil es hier nicht gut ist für einen Menschen wie mich zu leben. Weil ich nie hier rein passte. Und sie verstand es. Sie weinte und wir küssten uns die Wangen wund.


Im Umzugskartondschungel die Flasche Wein öffnen. Und plötzlich betrunken sein. So betrunken, sodass man die Hand blutig beißt, die einen streichelt und füttert. Den Geschmack von Blut im Mund. Klartext reden. Die Dinge aussprechen die scheinbar lange in einem waren und vor sich hinbrodelten. Ich bin ja so stark. Ich schaffe es mich zu distanzieren. Ich verteile Ohrfeigen und Tritte in die Eier. Und das alles um drei Uhr Nachts. Zielsicher. Und immer trifft es die Falschen. Wohl doch nicht so zielsicher. Leid tut es mir. Heute. Weil ich weiß, dass ich wieder die Schiene „unfair und unnahbar“ gewählt habe. Tu ihm weh bevor er dir weh tun könnte, was er wahrscheinlich sowieso nicht tut aber sicher ist sicher. Und wir wissen doch alle „Safety first!“. Ich mag dich aber ich mag meine Selbstzerstörung mehr.


Heute Katermaunzen. In den Gliedern. Jede Bewegung ein gerülpstes Pupsen der Körpermaschine. Müdigkeit und nicht schlafen können. Rein gar nichts von dem erledigt was man auf dem Zettel stehen hatte. Lieber halbtot im Bett liegen und Serien auf dem Netbook kucken. Wir haben ja noch so viel Zeit. NICHT! Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag.


Guten Morgen Sonnenschein. Es tut mir leid. Ich bin ein dummes Ding. Und wer bringt mir jetzt gottverfickt nochmal Essen?




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4 Gedanken zu “Biss zum Erbrechen

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