Boden der Tatsachen

Du! Hey! Du! Ja genau du! Du Mädchen mit den Merkel-Gedächtnis-Mundwinkeln. Ja du, Seitenscheitel-Gör. Hey! Komm mal her. Jetzt zier dich nicht so. Kriegst auch einen Schnaps. Ich muss dir mal was sagen. Na jetzt stell dich nicht so an. Ich will dir schon nicht an die Wäsche. Na geht doch. Setz dich doch. Na dann halt stehen. Als ob du noch wachsen würdest. Vielleicht in die Breite. Höhöhöhö. Naja gut. Also. Ich habe dich schon längere Zeit beobachtet. Nicht diese Stalker-Verliebtheits-Sache. Keine Sorge. Aber du fielst mir auf. Du hattest immer diesen schlurfenden Gang und sobald dich einer länger als fünf Sekunden ansah, hast du ihm einen dieser schnaubenden und todbringenden Blicke zugeworfen. Jaaaaa genau so einen. Jetzt sehe ich den endlich mal aus der Nähe. Echt beängstigend. Also wenn ich nicht wüsste, dass du sowieso zu feige bist um mit mehr als deinen Blicken zu töten.


Was ich von dir will? Also Mädchen. Oder besser gesagt, Frau. Weil das bist du. Auch wenn du vielleicht nicht so aussiehst. In dir drin da bist du eine Frau. Nicht nur wegen den Brüsten und anderen Merkmalen des Erwachsenseins. Du bist 26 Jahre alt, meine Liebe. Andere in deinem Alter, die bauen Häuser, machen Kinder, heiraten und schließen Lebensversicherungen ab. Die suchen nicht mehr nach dem Sinn ihres Daseins. Die haben ihn gefunden. Und jetzt seien wir mal ehrlich Liebes. Du suchst schon über zehn Jahre. Meinst du nicht, dass es irgendwann einmal reichen sollte? Das du irgendwann einmal erkennen solltest, dass es da nichts gibt für dich, was es zu finden gibt. Das du wie all die anderen eine kleine Ameise bist, die auf die Welt gekackt wurde, um Ameisendinge zu machen bis der große Daumen kommt um dich gnädigerweise aus dem Leben zu matschen. Du bist nichts Besonderes. Du wirst nicht irgendwann absolut durchdrehen wie du es immer weissagst. Du wirst weiter leben. Langweilig und öde mit einigen Highlights. Du wirst jeden Tag aufstehen, die Dinge tun die dir aufgetragen werden von deinem Leben und irgendwann wieder einschlafen um am nächsten Tag wieder aufstehen zu können.


Jetzt doch einen Schnaps für die Madame? Warum ich dir das alles sage? Weil ich es nicht mehr ertrage meine Liebe. Jeden Tag muss ich mir dich ansehen. Jeden Tag sehe ich diese schlaffen Schultern, die an einem noch viel schlafferen Körper hängen. Diese Bocklosigkeit, dieses ekelhafte Selbstmitleid das dir aus den Poren kriecht. Immer wieder dieses „Aber was bin ich denn und warum ist das alles nur so?“ Bla! Alles Geschwafel.


Wer ich bin? Woher ich mir das Recht nehme dir das zu sagen? Woher ich das alles wissen will? Weil ich es bin. Der Boden der Tatsachen du dumme Nuss. Ja schon klar. Ich bin dir fremd weil du dich nicht oft auf mir aufhältst. Aber Schätzchen. Ich bin immer da. Und ich beobachte dich. Und es reicht. Ich ertrage das nicht mehr. Also komm doch bitte mal klar. Du musst gehen? Schon klar. Aber hey, nichts für ungut. Nett dich mal von Nahem zu sehen. Biste eigentlich ganz adrett. Ein bisschen Schminke und mit ein paar Promille mehr, würde ich dich sicher flachlegen. Ja, ja, schon gut. Also. Denk mal drüber nach. Joa, mach’s gut.

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