Zu viel des Guten

„Da bin ich.“, sage ich. Blicke an mir herunter und sehe meine Nacktheit. All der Scham habe ich mich beraubt und stehe nun vor dem Menschen. Entblößt. Verletzlich. So bin ich. Das ist mein Sein. Mein Ich. Mein Denken. Meine Fehler und meine Wahrnehmung. So sehe ich die Welt.

Kennt ihr diese Momente? Diese Party. Die Stimmung, so ausgelassen. Es wird gelacht, getrunken, gescherzt. Die Herzen laufen über, weil sie von so viel Freude umschmeichelt werden, sodass sie ein Glückskotzen von sich geben. Ich mache mit. Bin ein Teil davon. Lasse mich mitreißen. Ahme sie nach. Imitiere ihr Lachen und ihre Bewegungen. Ich habe lange geübt um so gut zu sein. Und dann ist er da. Der Moment an dem ich nicht mehr kann. Ich muss flüchten. Alles zu viel. Das Lachen, die Stimmen die auf mich einprasseln.

Ich krieche in eine dunkle Ecke. Nur um Luft zu holen. Es wird falsch verstanden. Immer kommt einer und sucht dich. Und wenn er dich gefunden hat, immer dieses „Was ist los mit dir? Geht’s dir nicht gut? Ist dir schlecht? Hast du zu viel getrunken?“. Und eigentlich ist nichts. Rein gar nichts. Ich will einfach nur allein sein. Weil es mir zu viel wurde. Zu viel der überschäumenden Freude. Zu viel Lebensfreude, zu viel Party, zu viel. Einfach zu viel. Und so muss ich mich erklären. Meistens wird es nicht verstanden. Weil bis gerade eben stand man selber kichernd bei ihnen und machte schlechte Scherze. Es kann doch nicht sein, dass man aus so einem Hochgefühlsmoment einfach verschwinden möchte. Also lüge ich. Meistens war mir schwindelig. Weil für so etwas haben sie Verständnis. Sie bieten einem an, dass sie ein Glas Wasser holen könnten. Man lehnt ab und will ihnen eigentlich sagen, dass man doch einfach nur zehn Minuten seine Ruhe haben will. „Soll ich bei dir bleiben?“ „Nein es geht schon, danke. Geh nur wieder rein. Die frische Luft. Sie tut mir gut.“ „Wenn was ist, dann gibst du Bescheid.“ „Natürlich.“ Ich denke mir, wenn es mir wirklich schlecht ginge, wenn ich an meiner eigenen Kotze ersticken würde, weil ich vorher ohnmächtig wurde, würde ich Bescheid geben. Keine Sorge. Ihr würdet es erfahren.

„Ach so geht es vielen.“, wird mir gesagt. Wenn es vielen so geht, warum versteht es dann keiner? Warum wird es als ein Abwenden angesehen? Warum muss ich mich dafür rechtfertigen, wenn ich mich zurückziehe? Wenn es doch jedem Dritten so geht? Warum bin ich immer die einzige, die im Dunkeln auf einer Bank sitzt und in die Nacht starrt? Warum sitzen dort nie mehr Leute und starren in die Sterne? Wenn es doch so vielen so geht. Ich bin nichts Besonderes. Doch verstanden wird es auch nicht. Wenn ich doch so bin wie alle Anderen, warum muss ich mich rechtfertigen?

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