Blog <= Perversion

Blog ist Perversion. In seinem schönen Sonntagskleid.


Ich schreibe schon lange an einem Blog. Ich schrieb schon zu Zeiten von myspace. Ich schrieb auch schon vorher, nur dass es zu dem Zeitpunkt keiner las. Ich schrieb meine Gedanken auf Zettel, in Tagebücher und fühlte immer wieder diese Unzufriedenheit, weil ich keine Bestätigung für mein Tun bekam. Denn darauf wird man getrimmt. Auf die Sucht nach Bestätigung. Liebe ist Bestätigung. Schule ist Bestätigung. Freundschaft ist Bestätigung. In allen Bereichen trifft sie uns. Das Verlangen danach anerkannt zu werden. Für das was wir produzieren. „Kuck Mama, ich habe einen Haufen gemacht. Mitten aufs Bett. Schön, oder?“


Heute habe ich insgesamt vier Blogs. Nur zwei trete ich in der Twitterwelt breit. Weil die anderen zwei meine Ausweichmöglichkeiten sind. Weil ich dort Gedanken verfassen kann, ohne sie mit bekannten Gesichtern teilen zu müssen.


Doch wenn man es genau betrachtet, ist so ein Blog absolute Perversion. Es gibt den Exhibitionisten. Der, der sich offenbart. Der, der irgendwann aus den Augen verliert, was er erzählen sollte und was im Privaten bleiben sollte. Was vielleicht doch nur in das Tagebuch gekritzelt werden sollte ohne ein bestätigendes „Ich versteh dich!“. Ich bin schon so weit, dass ich viele Emotionen, Erfahrungen und Geschehnisse mit einem Post-It versehe auf dem steht „verbloggen“. Aber soll es wirklich schon so weit sein? Das ich meine Emotionen nur ertrage, wenn ich sie vor einem Publikum breit trete das mir absolut unbekannt ist, bis auf ein paar Ausnahmen? Ich weiß nicht, ob ich mit diesem „Problem“ mit dieser Fragestellung allein bin. Vielleicht geht es nur mir so. Vielleicht bin nur ich oft in der Lage in der ich Texte formuliere und mich, bevor ich sie poste, frage, ob ich so etwas wirklich schreiben sollte. Ob es nicht vielleicht doch zu privat ist. Es mich zu verletzlich macht für eine Horde von Menschen, die mir unbekannt sind und im besten Fall kleine kommentierende Avatar-Bildchen sind.


Ich habe oft das Problem mich Menschen zu öffnen die mir nahe stehen. Sie dürfen meine Schwächen nicht erkennen, weil sie mich sonst nur verletzen können. Doch viele Fremde dürfen das? Ich biete diesen eine Angriffsfläche, die ich sonst mit einer Armee von tausendfacher Bekundung „Es geht mir gut.“ schütze. Bin ich eigentlich bescheuert?


Doch ich fühlte mich leer. Könnte ich meine Ängste, meine Sorgen und auch meine Freuden nicht hinausschreien. In einen schwarzen Raum aus dem vielleicht aus dem hintersten Eck eine Bestätigung kommt. Ein Dilemma.


Und warum Perversion? Weil es die Gaffer gibt. Die Leser. Die mit einem leiden. Die jedes Wort aufsaugen. Jede Emotion, jedes Gefühl. Man wird mir vielleicht sagen, dass es wie ein Buch sei in dem man liest. Mit unterschiedlichsten Kapiteln, die oft keinen Zusammenhang haben. Eine Sammlung an Kurzgeschichten. Doch ist es das wirklich? Ist es nicht so, dass ich euch allen ein Blick gewähre in mein Innerstes das ich sonst in Bücher kritzle um mich selbst ein bisschen freier zu fühlen weil ich sonst kein Ventil habe? Und ich will doch begafft werden. Will die Resonanz.


Blog ist Perversion. Schöne Perversion die ich nicht missen möchte. Eine Chance meinem Drang nachzugehen mich mitzuteilen wenn mich sonst keiner hören will oder ich nicht fähig bin es in hörbare Töne zu verwandeln. Doch vielleicht sollte ich wieder die Grenze erkennen. Zwischen Blog und Tagebuch. Zwischen Mitteilungsbedürfnis und Seelenschmerz. Und vielleicht sollte ich jetzt auch einfach mal schlafen. Weil es spät ist und weil sich meine Augen nach Innen drehen. So vieles sollte ich und zu allererst sollte ich wohl aufhören, mich ständig zu hinterfragen. Mich immer wieder zu bremsen. Denn wenn etwas falsch ist, dann merkt man es. Man muss nur genau hinhören.

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