offline – alone?

Manchmal, da habe ich das Gefühl, dass einige von euch gar nicht wissen wie das ist, mal nicht erreichbar zu sein, ständig den Zeigefinger auf dem Puls der Zeit zu haben. Vor allem können es manche auch gar nicht. In Zeiten von androiden Zyklopen-Apfeltelefonmaschinen mit Woohoofunktion kann man ja nicht nur angerufen werden, oder Ketten-SMS erhalten. Man kann in das Internet gehen. Bei Facebook posten, dass man gerade Tomaten isst und sich bei Twitter darüber aufregen, dass die Leute bei Facebook doofen Bockmist posten, den keinen interessiert. Schnell mal in der U-Bahn bei amazon das Twitterbuch bestellen, Emails abrufen, ob der ersteigerte Kerzenständer in Form eines dreiarmigen Affen der sich selbst die Eier leckt, schon auf dem Weg zu einem ist. Schnell ein paar Fotos schießen, sie bei tumblr posten nachdem man sie durch entsprechende Fotobearbeitungsprogramme gejagt hat. Flink noch die favstar-Seite aufrufen und schon ist man zu Hause und kann sich an den heimischen PC setzen um das Spiel von Neuem zu beginnen. Das Schlimme ist, warum ich überhaupt darauf komme ist, dass ich mich gerade selbst dabei ertappt habe, dass es fast undenkbar ist, ohne iPhone aus dem Haus zu gehen.


Ich erinnere mich noch an dieses Damals. Da war ich noch jung und klein. Und wenn man da jemanden angerufen hat, dann tat man das zu Hause. Wo denn auch sonst. Man schrubbelte die Nummer in die Wählscheibe und wenn jemand nicht zu Hause war, dann war er halt eben nicht erreichbar. Egal wie wichtig der Anruf auch war, man musste warten. Natürlich nicht auf einen Rückruf, denn der Angerufene wusste nichts davon, dass man versucht hätte ihn zu erreichen. Woher denn auch? Ortsgespräche, Nachttarif. Und dann? Dann kamen die Handys. SMS, Mailboxansagen, verpixelte MMS. Erst später animiert oder dann auch in Farbe und vielleicht sogar mit Ton. Prepaid-Karten und wenn man ausländisches Netz hatte, dann konnte man ins Minus gehen. Plötzlich Flatrates aber nur wenn die Netzanbieter auch zusammenpassten. Bluetooth, Speicherkarten, Klingeltöne polyphon, monoton und trotteligon. Internet gab es im Handy schon länger. Konnte man sich aber nicht leisten. Trickreich löschte man die Roaming-Nummer um keine hohe Handyrechnung vorgesetzt zu kriegen weil man aus versehen in der Hosentasche nach qwdfloadp gegooglt hat.


Und heute? Heute weiß ich eigentlich immer wo wer ist, was er dort macht und mit wem er es macht. Ich weiß es sogar von Leuten, die ich nicht kenne. Ich sehe die Dinge die die sehen und bin live dabei, wenn sie sich am Wochenende geschmeidig die Kante geben. Schlimmster Moment immer, wenn der Akku jault, dass er Hunger hat. Schnell Gegenmaßnahmen ergreifen. 3G ausschalten und die Suche nach WLAN unterdrücken. Weil der Abend dauert sicher noch ein bisschen länger und was sollte man denn bitte sonst auf der Heimfahrt machen, als noch schnell einen kleinen Blogeintrag zu skizzieren?!


Ich war grad eben in diesem Draußen. Ohne euch. Es war nicht lange, aber wenn ich so überlege hätte ich mindestens einen Tweet geschrieben und hätte immer wieder kurz bei izekuh reingeschaut. Nur so. An der Kasse. Die Wartezeit überbrücken. Erschreckend, wie wenig ich mit mir selbst allein sein kann. Wie schwer es mir fällt mich nur auf meine Umwelt zu konzentrieren ohne den doppelkinnfördernden Blick auf ein spiegelndes Display. Schön war es gerade. Da draußen. Sehr windig, der Himmel hellblau mit ein paar weißen Wolken die aussahen als hätte Bob Ross begonnen zu malen und hätte sich dann doch lieber einem Äther-Rausch hingegeben. Bunte Bäume und der satte Geruch von Herbst lag in der Luft. Das alles konnte ich sehen, fühlen und riechen, weil mein Blick nicht automatisiert auf mein Handy fiel. Doch das wirklich Erschreckende ist, dass ich darüber einen Blogpost schreiben muss. Das es wirklich schon so weit ist, dass mir so etwas auffällt und das es so vermeintlich wichtig ist, dass ich darüber schreiben muss. Eigentlich traurig. Ich stelle mir hiermit also hochoffiziell ein Armutszeugnis aus. Mit Auszeichnung. Hoorey!

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4 Gedanken zu “offline – alone?

  1. Tja, solange du es noch schaffst raus zu gehen ist es ja nur – wie sagt mein Suchtberater immer so schön – nur leichte Abhängigkeit… 😛

  2. Genau darüber habe ich dieses Wochenende nachgedacht – und auch schon ein paar Tage vorher, als ich mich entschlossen habe, den Laptop NICHT mitzunehmen, als ich Verwandte besuchen fuhr. Zwei Tage lang, einmal wirklich nur Mails gecheckt und das wars dann – und irgendwie fehlt es einem auch nicht; vorausgesetzt, man kann sich die angewöhnte Panik „ich bin nicht erreichbar!“ wieder abgewöhnen. 😉

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