APunkt

Sehnsüchte die mich erschlagen. Erinnerungen. Meist gesichtslos. Bruchstücke deiner Wärme. Mit den Fingern zeichne ich dein Tattoo nach. Ich habe immer gesagt ein Teil davon gehöre mir. Sollten wir uns jemals trennen, müsste ich es dir aus dem Fleisch schneiden, weil es meins ist. Ob du dich noch daran erinnerst. Nach dem Duschen, beim Abtrocknen. Ein kurzer Blick auf genau den Bruchteil der tintenverseuchten Haut und eine Erinnerung an mich. Dein Schlüsselbein. Mit zitternden Fingern folge ich ihrer Spur zu deinen Schultern. Die langen Wimpern die das Braun deiner Augen in den ganzen Raum streute. Eine Wärme die von ihnen ausging und deren Kälte ich erst erfuhr, als du mir sagtest, dass du mich nicht mehr lieben würdest, weil ich es unmöglich machen würde, mich zu lieben. Die behaarte Brust. Mein Kopf auf ihr und deine Finger die mit meinen Haaren spielten. Wie ich es genoss in deiner Nähe zu sein weil du machtest, dass ich mich sicher fühlte. Das Gefühl auf ewig verloren. So kommt es mir vor. Zumindest heute. Dein Namensschild immer noch in meinem Geldbeutel. Ich sollte mich davon trennen. Es wegwerfen und nicht mehr daran denken. Ausradieren und beginnen mich neu zu öffnen. Nicht zwingend für einen Menschen aber für das Leben. Arme ausbreiten und mein Herz auskotzen. Wie ich deine Hände bewunderte. Diese schlanken Finger an einem Menschen, der so grob wirkte, wenn man ihn nicht kannte. Ich mochte sogar deine Füße, obwohl ich diese Wurmfortsätze des Körpers verachte. Mein Kopf, mein Gehirn, mein kleines Seelchen, es schmiegt sich an dich, versteckt das Gesicht in deinen ölverschmierten Händen und saugt ihren Geruch tief in sich ein. Wieso gerade heute? Nicht mal betrunken bin ich. Dann würde ich vielleicht verstehen warum mein Herz meint in der Erinnerungskiste kramen zu müssen. Und warum verleugne ich dein Gesicht? Wieso bist du so kopflos und wieso vermisse ich dich trotzdem? Wieso tut es mir weh und wieso habe ich kleine Tränen in den Augenwinkeln? Es heißt ja immer „erste große Liebe, bla, nie vergessen, blubb, blaaaaablaaaaaaaaaa“. Das war keine erste große Liebe. Wahrscheinlich war es nicht einmal richtige Liebe sondern nur Sportficken mit Kuscheln und DVD-Kucken. Doch wenn der Wunsch nach Nähe aufkeimt, dann hat diese deinen Körper. Deinen Geruch und deine Stimme die mir sagt, dass alles gut wird, solange ich endlich mal anfange mein Leben auf die Reihe zu kriegen. Und so beginne ich aufs Neue zu verdrängen. Mit Mistgabeln und Fackeln stürmt der Realist auf die Leinwand zu, die mir das Zärtlichkeits-Sanftheits-Kinofilmchen vorspielt, und fackelt alles ab. Vielleicht ist es meine Erinnerung dann irgendwann leid das Emotions-Vermissens-Kino immer wieder aufs Neue zu errichten. Vielleicht wird es ihr zu dumm und sie sucht sich einen neuen Blockbuster aus meiner Seelenmüllhalde aus. Doch bis es so weit ist, wird es weh tun. Immer noch. Und wie lächerlich es doch ist. Und wie sehr ich mich doch eigentlich schäme.

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2 Gedanken zu “APunkt

  1. Diese unerklärlichen Gefühle sind ein Musikstück von der Schallplatte, die DJ Erbgut mal wieder aufgelegt hat. Du sollst Dich wohlfühlen an der Seite eines Mannes. Er soll Dir fehlen, wenn er nicht da ist. Du sollst traurig sein ohne ihn.

    Auch wenn man den Song nicht mag – er ist ein Ohrwurm.

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