Stille Post

Es gibt Dinge, die wünsche ich mir. Oft sind es Kleinigkeiten die genau genommen keinen nachhaltigen Wert haben. Zumindest für einen Großteil der Gesellschaft und es ist doch immer wichtig global zu denken und nicht nur für sich. Man darf nicht in seinem eigenen kleinen verrunzelten Kosmos leben. Denn dann will man sich nicht integrieren und wird als Eigenbrötler abgetan der vergessen hat mit auf den Zug zu springen der uns in die Zukunft manövriert.

Was ich mir heute wünsche und schon seit einigen Tagen ist ein Brief. Ein richtiger, echter Brief. Nicht eine dieser hingerotzten Postkarten aus dem Urlaub auf die man in hektischer Schrift kritzelt, dass das Essen unter aller Sau ist aber die Einheimischen echt nett. Wenn sie einem nicht zu nahe kommen wenn man sich das All-you-can-eat-Buffett von den Hüften walked. Ich hätte gerne einen echten Brief. Einen den man vorsichtig öffnet weil schon das Kuvert darauf hinweist, dass es sich um einen dieser Briefe handelt. Ein Kuvert aus dickem Papier. Mit selbst abgeleckten Briefmarken, die man kaum noch bekommt weil der Mensch scheinbar ungern an Briefmarken leckt. Leicht verschwommen der Absender weil die Tinte darunter gelitten hat als man den Brief in den vom Früh-Herbst betropften Briefkasten geworfen hat. Wenn man den Brief dann öffnet, dann kommt einem keine Duftwolke entgegen. Das Briefpapier wurde nicht in teurem Diskount-Deo getränkt um ihm eine persönliche und heimelige Note zu verleihen. Wenn man genau hinriecht, dann riecht er nach Tinte. Und vielleicht doch ein bisschen nach dem Menschen der ihn schrieb. Es ist nur ein Blatt Papier. Hochwertiges Papier auf dem mit Bedacht geschrieben wurde weil man keins der geschriebenen Worte wieder rückgängig machen will. Nicht hingeschmiert auf eins dieser Collegeblock-Blätter bei dem man vergessen hat den doofen Rand abzureißen. Die Buchstaben vielleicht ein bisschen schief weil die Zeilen fehlen die der Mensch zur Orientierung braucht. Die Begrüßung kein schnoddriges „Heyyyyyyyyyyyyyyy Altaaaaaaa!“ sondern ein sanftes „Liebe Barbara,“. Der Inhalt keine Aneinanderreihung von unwichtigen Ereignissen um sein Soll zu erfüllen. Das man sagen kann „Ich habe es dir doch geschrieben.“. Ein kleiner Gedankenfetzen auf einem einzigen Blatt Papier. Ein bisschen Melancholie weil man gezwungen ist das alles auf Papier zu bannen und es dem Menschen nicht persönlich sagen kann. Aber eben auch ein bisschen von dieser kleinen Freude. Dieser Ruhe die man haben sollte wenn man einen Brief schreibt. Und am Ende ein Hoffen darauf, dass man voneinander hört. Das man sich vielleicht wieder sieht. Das man sich wichtig ist.

Das möchte ich. Einen echten Brief. Einen, den ich mir dann in meine Tasche stecken kann. Ihn heraushole wenn es die Zeit zulässt, die vor mir davon läuft als hätte ich ihr etwas Schlimmes angetan. Und wenn ich dann über das Kuvert streiche, die sanften Tintenbuchstaben die meinen Namen bilden, kann ich vielleicht ein bisschen zur Ruhe kommen und finde die Muse selber einen solchen Brief zu schreiben. Doch wer wüsste es schon zu schätzen?

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8 Gedanken zu “Stille Post

  1. Wow, das es noch Romantiker gibt im Zeitalter der Technokratie lässt die Hoffnung aufrecht, dass dies nur eine weitere Phase in der Geschichte der Menschheit ist.
    Interessant wäre ja schon einmal wer heute noch über einen Tintenschreiber verfügt, wo es Wegwerfkugelschreiber an jeder Ecke von marktschreierischen Standbetreibern zum Nullpreis gibt.
    Und schätzen kann das sicherlich jeder, der Papier kennt – nicht das alltägliche schillernde Papier von Werbe- und Bildzeitung, sondern echtes in Leder gebundenes und auf hohen Eichenholzregalen aufbewährtes Papier.
    Aber danke, dass dieser Wunsch noch exestiert.

  2. Doch, es gibt noch ein paar Leute, die das zu schätzen wissen. Ich habe in diesem Jahr schon mehrere handschriftliche Briefe bekommen und geschrieben. Tatsächlich ist das Problem, dass die Schrift schlechter wird, wenn man nicht regelmäßig übt…

  3. Liebe Barbara!
    Du schreibst mir aus der Seele. Ich schreibe Dir, wenn Du magst, genau so einen Brief! Phrasen- und hülsenfrei, zwar nicht grad mit Herzblut, aber mit Tinte und Freude. Wie sollen wir das organisieren?

  4. Vielen lieben Dank ihr drei. Für euer Angebot oder den Wunsch mir einen solchen Brief zu schreiben. Aber wie könntet ihr mir genau einen solchen Brief schreiben, wo ihr mich doch nicht kennt? Die Idee ist lieb gemeint, doch in der Umsetzung erzeugte es dann vielleicht doch nur ein Gefühl, dass ich den Brief nur gekriegt habe, weil ich ihn unbedingt wollte. Nicht weil ich ihn mir „verdient“ habe.

    • Die Idee ist wirklich lieb gemeint. Doch wage ich es zu bezweifeln, dass dabei das herauskommt, was ich möchte. Ich möchte diesen Brief von einem Menschen der mir nahe steht. Zu dem ich einen wahren Bezug habe. Ich hoffe ich kränke dich damit nicht.

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