Über den Dingen

Fragen des Lebens. Heute aus dem Bereich „die Anderen“.

Die Menschheit verstehe ich ja sowieso nicht. Ist mir alles zu komplex, zu sehr versetzt mit Emotionen und Bedürfnissen und manchmal ist es einfach zu anstrengend, sich mit all dem auseinanderzusetzen. Doch manchmal würde es mich doch interessieren, warum Dinge sind, wie sie sind.

Durch das Internet erfahren wir ja alles von diesen Anderen. Freunde, Bekannte oder absolut Fremde, denen wir auf Twitter folgen, weil sie so supigeilo sind und wir uns an ihren Worten laben. Wir wissen was sie essen, trinken. Was für Filme sie mögen, welche Politiker sie verabscheuen, was sie für Fotos machen und wie betrunken sie gerade sind. Wir leiden mit ihnen, wenn es im Herzwerk mal wieder einen Supergau gab. Wir schwitzen gemeinsam und winseln dem Montag entgegen. Und all das stehen wir gemeinsam durch. Fast wie in einer Ehe. Doch der Unterschied. In guten wie in schlechten Tagen zählt hier nicht. Wir wollen nur die schlechten Tage. Zumindest geht es mir so. Gerade bei Twitter lebt die gesamte Timeline durch die Wut und die Trauer die jeder in sich trägt. Melancholie und Aggro deluxe. Wäre Twitter ein Poesiealbum, würde in allen vier Ecken, Kotze drin stecken. Bei Twitterern, die man vermeintlich gern hat, so mit ab und an DM schreiben und auch außerhalb von Zwitscherhausen am kommunizieren ist, freut man sich, wenn sie happy davon berichten, mal wieder richtig derbe durchgestoßen worden zu sein. Das ist in einer üblichen Timeline (ich gehe jetzt mal von meiner aus) ein kleines Bruchstückchen, verschwindend klein und mickrig. Der Rest, wenn der von positiven Ereignissen berichtet, der widert uns an. Oder besser gesagt, widert mich an.

Ist nicht persönlich gemeint. Seid happy und poppt und erzählt von euren neuen Liebschaften. Herzt euch und seid so richtig schön verliebt. Ein Miniteil in mir, findet das auch echt super. Aber der Großteil von mir, kriegt das grüne Kotzen bei der Zurschaustellung von dieser Frohsinns-Emotionskacke. Ich würde am liebsten laut losschimpfen mit allen Worten die meinem kranken Kopf entspringen. „Nehmt euch ein gottverficktes Zimmer!!!!“, will man brüllen.

Aber warum ist das so? Warum will mein Unterbewusstsein das Glück anderer verbal in den Dreck ziehen? Sollte das wirklich purer Neid der Besitzlosen sein? Wie schäbig das doch wäre und wie erbärmlich obendrein. Oder ist es etwas Anderes? Eine Unart des Menschen. Eine Urangst die in einem steckt, dass man, wenn ein Gegenüber absolut glücklich ist, nicht mehr gebraucht wird?

Ich werde jetzt weiter mental kotzen. Mir Gedanken darüber machen, warum ich mich so runterziehen lasse von einem dummen Satz. Und wenn ich damit fertig bin, werde ich mal anfangen das Glück von Anderen zu genießen. Sie innerlich zu beglückwünschen und aufhören unbegründet neidisch oder eifersüchtig zu sein. Denn das habe ich nun wirklich nicht nötig. Denn ich stehe doch über den Dingen. Oder?

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Ein Gedanke zu “Über den Dingen

  1. Manchmal ist es auch einfach sowas wie.. das Auftun einer Lücke in sich selbst, man muss sich plötzlich mit etwas beschäftigen, von dem man glaubt oder spürt, dass es einem Selber fehlt. Ist wohl sowas wie emotionaler Futterneid. „Ich brauch es nicht, aber ich will das auch!“

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