Hass + Liebe = Hiebe

Ich mag das Internet. Das Internet ist eine supere Sache in der man viele spannendste Dinge tun kann. Man kann einkaufen, sich Bilder ankucken, Musik hören und Informationen zu jedem noch so suspekten Thema finden. Programme runterladen und Sachen schreiben und lesen und überhaupt. Internet ist wie eins dieser eigenartigen Spielzeugdinger für Kleinkinder, die Geräusche machen, wenn man auf bestimmte Knöpfe drückt. Nur in groß und mit Titten und Pimmels extra drauf. Man kann Menschen kontaktieren und mit Menschen in Kontakt bleiben. Alles total easy peasy. Die Datenautobahn, ein kunterglitzerbunter Raum mit noch mehr Platz und Raum für sich und für andere. Internet ist also super. Da sind wir uns einig.

Doch momentan, finde ich das Internet gewaltig scheiße. Nicht weil gewisse Seiten ständig überlastet sind oder weil meine amazon-Wunschliste brechend voll ist und ich mich einfach nichts kaufen kann. Es sind so kleine fiese persönliche Problemchen, die mit dem Internet einhergehen. Meistens hat es was mit Menschen zu tun und das dööfste an der Sache ist, dass es dann auch noch Menschen sind, die einem nahe stehen. Auf die eine oder andere Weise.

Ein paar Beispiele.

Schwester sucht neuen Job. Schwester wohnt nicht mehr zu Hause und deswegen sehen wir uns eigentlich kaum bis fast gar nicht mehr. Da versucht man halt mal Kontakt zu halten. Per SMS meist weil wir doch so jung sind und telefonieren so aufwendig ist. Man erfährt von dem neuen Job. Drückt die Daumen, dass es klappt. Sagt ihr, sie solle sich sofort melden, wenn es denn was Neues gibt. Man wartet und wartet und wartet. Dann besucht man facebook. Darf dann per Statusmeldung erfahren, dass das mit dem Job geklappt hat. An sich nichts Schlimmes. Aber auch zwei Tage nach dieser Statusmeldung kriegt man keine Rückmeldung ihrerseits. Die Antwort, die mir dann wahrscheinlich auf ein Nachfragen per SMS mitgeteilt werden würde, wäre wohl folgende: „Oops, das habe ich glatt vergessen.“ Ja liebe Schwester. Alles klar. Hauptsache deine Fakebookfreunde wissen Bescheid. Ist ja auch das Logischste überhaupt, sich erstmal überall einzuloggen um seinen Status zu aktualisieren. Danke für diese Online-Ohrfeige.

Oder. Gute Freundin. Eine, die einen verheult anruft, wenn der Herzenskerl mal wieder spinnt. Mit der man dann rauchend und Cola-trinkend im Auto sitzt um sich alles anzuhören. Mit der man sich besoffen ein Taxi teilt. Eine, die einem immer wieder sagt, wie hübsch man doch sei, obwohl man selber weiß, dass man grade aussieht wie durch einen Fleischwolf gewurstet. Ein Mensch, der einem sagt wie toll man doch sei. Innige Verbundenheit mit Liebe in allen vier Ecken. Und dann erfährt man durch Fakebook, dass sie seit Neuestem einen neuen Freund hat. Weil der Beziehungsstatus sich geändert hat. Danke du Freundin, dass ich Teil deiner Onlinefreundschaftskiste sein darf um so zumindest ein bisschen an deinem Leben teilzuhaben.

Überhaupt und allgemein. Diese Fakebook-Scheißmistdrecks-Statusmeldungen. Die von der Sorte „Hach!“ oder „Verdammt!“ oder „Yey!“. Die, die danach schreien „Bitte fragt nach was ist, weil ich will es so nicht sagen aber ich finde es geil, wenn man nachbohrt und ich dann total geheimnisvoll tun kann, weil ich sonst nichts habe im Leben.“. Wieso meint bitte jeder, er müsse so verdammt geheimnisvoll sein? Wieso kann ich nicht einfach, wenn ich schon meine mein Freud und Leid mit dem Internet teilen zu müssen, schreiben warum ich mich denn so freue oder ich so leide? „Ich freue mich weil…“ Ist das verfickt noch mal so schwer?

Oder dieses „Oh ich hab meine Freundis so lieb weil das sind die besten Freundis wo gibt auf Welt.“ Alta, manchmal frage ich mich ja echt was für Leute ich in meinem Umfeld habe, damit ich mit so etwas bestraft werde.

Ziemlich Fakebook-lastig die Hasserei gerade. Mh. Es liegt aber nicht nur an diesem Medium. Dieses Phänomen, dass die Menschheit total verarschisiert, findet man überall. Gerade da, wo man meint man würde so nett in touch stayen.

Ich liebe das Internet. Wirklich. Richtig fest und hart und tiefst und innig. Aber manchmal, da hasse ich es auch. Es ist also eine Hiebe.

Und wenn noch einer meiner „Freunde“ einen verschissenen youtube-Onkelz-Link postet oder mir erzählt, dass er gerade echt satt ist, dann bist du raus Schätzchen. RAUS!

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8 Gedanken zu “Hass + Liebe = Hiebe

  1. Eben das hat mich dazu veranlasst diverse „Freunde“ (Facebook differenziert da ja nicht zwischen Bekanntschaften und Freunden) ins digitale Nirvana zu befördern. Ohne Facebook & Co. hätten die sich eh nicht an mein Geburtstagdatum erinnert. Warum soll ich die also noch an meinen privatesten Gedanken teilhaben lassen ? Diese Bratzen, die dann aufkreuzen und die Pinnwand vollballern mit geheuchelten Glückwünschen. Aber was will man machen, die sind dann halt digital austauschbar. Online geaddet, online gecancelt. Schöne heile Social-Web Welt.

  2. Social-Networks sind ROTZ – und Facebook ganz besonders. Sollte ich mich doch jemals dort anmelden, darf man mich gerne irgendwo einweisen …

    Mein Beileid für Deine Erfahrungen, aber ist wohl heutzutage trendy sich den virtuellen Penis zu vergrößeren, in dem man seine 4.371 Facebook-Freunde wissen läßt, das man grade sexuell in Hochstimmung ist -.-

    • Ich für meinen Teil kenne meine Fakebookfreunde. Es sind Leute mit denen ich schon persönlich zu tun hatte. Bis auf eine kleine Ausnahme. Ich halte mir z.B. auch die gesamte Twitterwelt aus meinem Facebook-Account. Weil das mein „zu Hause“ ist. Dort bin ich privat. Dort will ich eben nur wissen, wann meine Freunde auf Klo gehen. Das muss reichen. 😉

  3. Hi!
    ja, genau das kenn ich auch … Ich bin zwar nicht bei facebook, der roten Variante 😉 und da ist es absolut das Gleiche.

    Es ist schon krass, wenn einen die eigene Mutter anruft und einen bittet, doch mal auf dem Profil der (noch zu Hause wohnenden) Schwester zu gucken, ob sie den ungeliebten Freund denn jetzt abgeschossen hat …

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