Monster

Fast jeder hat so ein kleines Monster in sich. Es ist meist giftgrün und während es spricht, spuckt es fleißig mit Gift und Galle um sich, weil es sonst einfach nichts anderes kann als spucken und wütend sein. Es sitzt meistens im Bauch, denn dort hat es Platz zum Toben und wild mit den kurzen Ärmchen fuchteln. Gerne tritt es auch mal gegen den Magen. Ganz fies kneift es einen immer da, wo es am meisten weh tut und stellt uns immer dann vor einen riesigen gut ausgeleuchteten Spiegel um uns all unsere Fehler zu zeigen, wenn wir uns besonders unwohl fühlen in uns selbst.

Ich habe kein solches Monster in mir. Wo kämen wir denn da hin? Ich mit so einem Mönsterchen in meinen redbullzersetzten und nikotiverseuchten Eingeweiden. Ich bin mein eigenes kleines Monster. Ich stelle mich selbst vor diesen fiesen Spiegel oder spiele Gedankenroulette. Ich bin es, die mich immer wieder daran erinnert, dass es nicht sein kann, dass man mich auch einfach mal so gut finden kann ohne jegliche fiesen, miesen und verbrecherischen Hintergedanken. Ich bin mein eigenes Monster. Richtig blöd wird es aber, wenn dieses Monster-Ich auf andere Menschen trifft. Die kennen vielleicht die Problematik des Gift-Galle-Spiegel-Tricks aber sind es nicht gewohnt, dass dieses dann auch noch lautstark verbalisiert wird. Meistens trifft es diese Menschen dann persönlich. Oder sie fassen es zumindest so auf und als Monster muss man sich dann mit seinen rotzverschmierten Pfoten daran machen, die kleinen Scherben wieder zusammenzukleben, die man ohne Rücksicht auf Verluste verursacht hat.

So ein Leben als Monster, echt nicht leicht. Immer wieder ist man damit beschäftigt kaputt zu machen, zusammenzukleben, kaputt zu machen, zusammenzukleben, … Eintönige Tätigkeit das Ganze und das Schlimme daran ist, dass man rein gar nichts davon hat, sondern nur Leben erschwert. Sein eigenes und das der Anderen. Man verbaut sich vieles als Monster, weil manche Menschen eben nicht damit umgehen können, ständig angespuckt zu werden. Als Monster kann man sich glücklich schätzen, wenn man einen Menschen trifft, der einem trotzdem immer wieder den Kopf hinhält damit man ihn mit seinem Gedankengrützenmist vollmüllen kann.

Manchmal, da tut sich das Monster ganz schön leid. So sich selbst. Dann winselt es und weint bittere Tränen in den Pelz. Weil es doch nicht raus kann, aus seiner Monsterhaut. Und während es das so denkt, presst es sich ganz fest gegen eine Wand um den Reißverschluss am Rücken zu verdecken. Denn eigentlich wäre es ganz einfach. Reißverschluss auf, Monsterkutte abgelegt und fertig ist der Mensch so wie er sein sollte. Ein bisschen optimistischer und weniger darauf versessen, dass einem jeder nur etwas Schlimmes will.

Irgendwann als man Teenie war mutierte man zu diesem Monster. Es wuchsen die grünen Haare und der Verdacht, dass doch alle Menschen ganz böse sind. Und dann trifft man zu allem Überfluss auch noch auf Menschen, die genau das sind. Böse. Sie nutzen einen aus. Und man stellt sich vor den Spiegel, klebt sich ein Post-It mit dem Schriftzug „Trottel“ auf die Stirn und grummelt und spuckt. Weil man wieder nur einmal die Bestätigung gefunden hat. Das auf zehn Menschen die man trifft nur ein Arschloch kommt, dass einem das Leben zur Hölle macht, vergisst man gerne. Die restlichen neun, die, die einem Gutes wollen, die werden unter den Tisch gekehrt. Denen gegenüber ist man dann meist am unfairsten. Weil es könnte ja sein, dass sie genau soooo sind, wie man es allgemein erwartet von diesen fiesen und miesen Menschen.

Monster sein ist echt nicht leicht. Nicht für mich aber vor allem nicht für die Menschen um mich herum.

Gift und Galle, Zeter und Mordio, Misstrauen und Brett vorm Kopf. So lebt es sich. Als Monster.

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Ein Gedanke zu “Monster

  1. Du bist zwar allein mit deinem Monster.
    Aber es gibt viele dessen Monster auch nicht kleiner sind.
    Und es kostet sie viel kraft dagegen zu kämpfen.

    ♥liche grüße
    😉

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