Selbsterkenntnisse plus Nikotin

Liebste Blogleser und –lesererinnen. Heute ein historischer Moment in der Lebensgeschichte der Barbara N. Also unbedingt weiterlesen weil es um DIE Erkenntnis des Jahrtausends geht. Nein! Nicht DIE Erkenntnis, ihr Doofis. Nix mit Sinn des Lebens und der Frage wohin uns der Bus des Daseins denn nun hinfährt wenn nicht einfach nur in die nächste freie Gruft. Aus feierlichen Gründen sehe ich mich sogar gezwungen alle leeren Alkohohlflaschen, die ich hier so rumstehen habe, auszuwringen, um die Erkenntnis mit einem Gläschen… Bowle… zu feiern. Sooooo großartig ist diese. Also lohnt es sich daran teilzuhaben. He, du! Weiterlesen! Hopp! Geht doch.

Als ich heute Nachmittag auf dem Raucherbalkon saß und genüsslichst meine heimliche ich-habe-keine-Lust-zu-arbeiten-und-DIE-hast-du-dir-jetzt-echt-nicht-verdient-Kippe inhalierte, ließ ich meine Gedanken ein bisschen schweifen. Dachte über die Menschen nach und darüber wie verdammt scheiße sie doch alle sind und warum denn scheinbar nur ich allein erkenne, dass dieses ganze vermeintliche miteinander-und-Hand-in-Hand-bis-zum-bitteren-Ende eine einzige Farce und Lügenmaulaktion ist. Nachdem ich mich dann ein Weilchen mit dem Begriff „Misanthropie“ und der Frage „Atombomben bauen für Dummies“ herumschlug, fiel mir ein Erkenntnisschüppchen vom Kopf das ich euch nicht vorenthalten möchte. (Übrigens denke ich ziemlich schnell, sodass es natürlich möglich ist, sich in 3 ½ Minuten über so vieles Gedanken zu machen. Nur mal am Rande. Will hier ja nicht des Lügens bezichtigt werden.)

Hier die unglaublich begeisterungswürdige Erkenntnis die euch zum Klatschen, Juchzen und Spontansex treiben soll (Das mit dem Sex bitte nachdem ihr den gesamten Beitrag gelesen habt, sonst schreib ich den Rest ja für umsonst und das fände ich jetzt sehr doof.) ist foooooolgende [Trommelwirbel, Feuerwerk und tanzende Elfen die 30-Euro-Scheine, werfen bitte hier einsetzen]:

Ich, Barbara N, bin ein widerliches, arrogantes Arschloch!

Phui! Das hättet ihr jetzt nicht erwartet oder? Ja was meintet ihr wie sehr MICH das ganze überrascht hat. Da sitzt man da und so richtig schön in Weltenhass vertieft und dann trifft einen eine solche Erkenntnis wie der Blitz. Logischerweise musste ich gleich noch mal eine rauchen und war auch nicht fähig an das mitgeführte mobile Telefon zu gehen. Der Serverraum hätte brennen können, ich hätte es nicht mitgekriegt, weil mich diese pure Wahrheit über mich selbst so dermaßen mitgenommen hat, dass ich sicher ein bisschen Pipi in den Augen hatte (und in der Unterhose vor Schreck). Der aufmerksame Leser wird jetzt folgendes denken, wenn er sich diesen Verbalwahnsinn regelmäßig zu Gemüte führt, „Alte, diese eigenartige Erkenntnis hatteste doch eigentlich schon als du über kluge Menschen hergezogen hast, die keine Kinder kriegen wollen, es aber verurteilen, dass sich vermeintlich dumme Menschen mit Spaß und Freude fortpflanzen als ob es sonst kein Morgen gäbe.“. Und da muss ich sagen, verdammte Axt, du aufmerksame Mistsau, das stimmt. In gewisser Hinsicht wusste ich das schon vor meiner Nikotin-Session. Jedoch muss ich anmerken, dass die neue Erkenntnis eine der globaleren Sorte ist. Sie ist eine Feststellung die sich in alle Lebensbereiche ausweitet. Ich habe erkannt, dass ich ein ziemliches Arschloch bin und dass ich das herausgefunden habe hat ganze 26 Jahre gedauert, also habt Verständnis dafür, dass ich mir hier grade einen Buckel freue.

Nun fragt sich der interessierte und wissbegierige Leser natürlich, wieso ich zu dem Schluss komme ein arrogantes Miststück zu sein. Das möchte ich dir natürlich gerne erzählen, alle anderen können jetzt zum Spontansex übergehen. Wenn es ein Junge wird möchte ich, dass ihr es nach mir benennt.

Als ich mich wieder darüber ärgerte wie mies doch alles ist und die Menschen im Allgemeinen und überhaupt und sowieso, total gefangen in einem melodramatischen Teeniefilm, in dem die Protagonistin mit rosa Tinte „I hate you all“ in ihr Tagebuch ritzt, fiel der Begriff Misanthropie. Kurz gesagt kam ich zu dem Schluss, dass Menschenhass die einzig logische Folgerung ist im Bezug auf die böse Welt, die es doch nur schlecht mit einem meint und einen nur hintergeht um einem dann kichernd das Messer in den Rücken zu rammen. Voller glückseliger neuer Weltanschauungsbenennung grübelte ich weiter. Auch wenn es mir manche nicht glauben wollen, bin auch ich ein Mensch. Ja wirklich. Ich kann das beweisen. Echt jetzt!!!!! Hallo?!?!? Aufhören. Gut. Danke. Also, ich bin ein Mensch. Da ich mich ja nun als großer Menschenhasser geoutet habe, muss ich logischerweise meinereiner auch hassen. Weil ich ja mit reingeworfen werde in den schnoddrigen Topf der mit Humangulasch gefüllt ist. Das fiel mir dann natürlich nicht so schwer weil wer kennt ihn nicht, den kleinen Selbsthass, den man in sich trägt und schön mit fieser Bissigkeit gegen sich selbst auslebt. Eben. Sah ich jetzt weniger das Problem drin. Dann fielen mir aber plötzlich so manche Menschen ein, die ich ehrlich gesagt nicht als Arschloch bezeichnen würde. Es beginnt ja schon bei meiner Schwester. Ja gut, dieses kleine Ding kann mit ihren 22 Jahren und 1,62 der absolute Albtraum sein. Vor allem wenn sie anfängt ihr „mitreißendes“ Lachen von sich zu geben bei dem ich ihr regelmäßig eine reinhauen will, weil ich Angst habe, dass mir irgendwann das Trommelfell platzt. Doch tief in meinem Inneren finde ich sie ganz in Ordnung. Also müsste ich sie schon mal rausfischen aus meinem Hass-Sud. Tja. Und dann gibt’s noch ein paar Menschen in meinem Umfeld, die ich eigentlich auch ganz OK finde. Die müssten da auch raus. Und zack, schon ist die Hardcore-Misanthropen-Nummer nur noch eine Stümperaktion. Mist! Dann dachte ich so für mich, dass man doch Ausnahmen machen könnte. Weil wirklich alle zu hassen würde doch auch wirklich zu weit gehen. Den Typen der mir jeden Tag gegenüber sitzt, den könnte ich ja dann im Gegenzug ein bisschen mehr hassen. Somit hätte ich mein Pensum erfüllt und einer Karriere als Supermisanthropen-Schurke stünde nichts mehr im Weg. Ich müsste nur lernen meine positiv empfundenen Gefühle gewisser Menschen gegenüber in mehr Hass für den Rest umzuwandeln. Und da sagt noch einer ich hätte keine Ahnung von Buchhaltung. Tja. Dann überlegte ich mir, warum ich eigentlich so viel hasse. Warum ich der Meinung bin, dass die Menschheit in einen großen Sumpf geschubst werden sollte um dem Elend endlich ein Ende zu bereiten. Zuerst natürlich die naheliegendsten und wichtigsten Dinge. Sachen, die die Welt wirklich beeinflussen. Na? Genau. Sie gehen mir auf die Nerven. Wie sie kucken, sich bewegen, sich kleiden, sich unterhalten, sich hinsetzen oder aufstehen. Wie sie riechen, wie sie mit mir reden, was sie sagen, wieso sie es sagen, mit welcher Stimme sie es sagen. Woher sie kommen, wohin sie gehen. Und dann natürlich der ganze andere Rest. Der allgemeine Umgang miteinander. Sei es zwischen zwei Menschen oder die Art wie sich Länder gegenseitig bespucken und mit Dreck bewerfen. Die absolute Vernichtung des eigenen Lebensraums ohne ein Überlegen darüber, dass da vielleicht noch ein bisschen Zukunft am Ende des eigenen Lebenswegs übrig bleiben sollte. Für den Rest, der lebend zurück bleiben muss. Summiert man das Ganze, habe ich das totale Recht den Menschen mal richtig derbe scheiße zu finden.

Hinzu kommt, dass ich mir ja hier, an dem Ort wo wir uns gerade befinden, in bodensatz-Hausen, in regelmäßigen Abständen über Dinge aufrege. Meistens, immer, hat es was mit Menschen zu tun. Was sie falsch machen, falsch verstehen, ich schreibe sogar so manchen Schriftstellern vor, was sie besser hätten schreiben sollen.

Und dann machte es pling, ein kleines grünes Lämpchen schaltete sich im Kleinhirn zu und leuchtete wie wild um auf sich aufmerksam zu machen. Schlaftrunken schlurfte der Realitätssinn an den Computer in meinem Schädel, popelt sich die Unterhose aus der Ritze und kratzte sich unmotiviert den Kopf. Das grüne Lämpchen bedeutet nämlich, dass es elektronische Post gab. Vom „Input“ der sehr eng mit dem „Klar von und zu Sehen“ und dem „Erkenntnistiger“ zusammenarbeitet. Sie sind sozusagen die die Allwissenheitstrinität meines Brains und machen, dass ich klar denken können tu, wenn es denn mal so weit sein sollte. Der Realitätssinn, der sich lieber Bob nennen lässt, setzt sich also an den Rechner und checkt die neue Erkenntnis-Mail. Rülpst ein paar Mal und hat dann die ehrenvolle Aufgabe sie mir vorzulesen. Ich habe sie mir von ihm ausdrucken lassen, sodass ich sie euch auch zeigen kann. Here we go.

„Liebe Barbara,

lange haben wir nichts von uns hören lassen weil ehrlich gesagt nervst du uns langsam ein bisschen. Wir finden dich sogar ziemlich unsympathisch und ab und zu stinkst du, aber wir wollen uns hier nicht in Belanglosigkeiten verlieren. Unser letzter Wochenbericht deiner Gedanken führte uns zu dem Schluss, dass wir wieder einmal eingreifen müssen, um dich auf den Boden der Tatsachen zu holen. Nachdem wir uns besprochen haben kamen wir zu dem Schluss, dass wir dir Folgendes mitteilen müssen.

Du bist nicht besser als der Rest der Menschheit! Auch wenn du vielleicht in gewisser Hinsicht das Talent besitzt, manche Dinge objektiv zu betrachten um dann zu einem verständnisvollen Ergebnis zu kommen, bildest du dir doch ein klein wenig ein, mehr zu wissen als der Rest. Sicherlich ist dir bewusst, dass du nicht der einzige Mensch auf dem Planeten bist, der zu den von dir gedachten Erkenntnissen kommt. Aber zusammengefasst bist du mit deiner Art ein kleines, arrogantes Arschloch! Durch jeden von dir geäußerten Tadel an die Menschheit möchtest du dich hervorheben aus der grauen Masse der Zweibein-Lebewesen. Doch du bist genau wie sie, ein kleines hässliches Würmchen, dass egoistisch seinen Weg trampelt um vielleicht am Ende doch das Tor mit dem Auto, statt mit dem Zonk zu erhalten.

Das Gute an der Sache ist. Wenn du dir dessen bewusst bist, dass du ein ziemlicher Wichser im Bezug auf Menschsein bist, bist du schon ziemlich weit gekommen und darfst dir zur Belohnung einen Keks nehmen.

Unser Vorschlag für dich, und wir würden uns freuen, wenn du ihn dir zu Herzen nimmst. Bleib lockerer. Atme mal ein bisschen mehr durch die Hose als wutentbrannt durch die Nase. Wie die Jugend sagen würde, „Chill dich mal!“. Komm runter. Wir möchten dir natürlich nicht das Anprangern verbieten. Du armes Ding, was hättest du denn sonst noch im Leben außer den Kippen und der Ansammlung von sinnlosem Kitschschrottzeuch?! Aber werde dir bewusst, dass bei jedem Urteil das du über DIE MENSCHEN ablässt, du einer von ihnen bist.

Hau rein und geh mal wieder zum Frisör. Du siehst schrecklich aus.

Liebe Grüße

die Trinitäts-Checkers“

Bob grinste als er mir das vorlas. Die alte Sau. Und sie hatten Recht.

Ab heute weiß ich also, dass ich genau so ein Arschloch bin wie ihr. Also jetzt nicht IHR, die ihr das hier lest. Ihr seid super schon allein weil ihr so lang durchgehalten habt. Aber die Leute über die ich motze. Weil ich nun mal ein Teil der großen Masse bin und sollte der Jüngste Tag kommen wird Jesus sicher nicht bei meinem Namen kurz mit dem Kopf nicken damit mich Brad Pitt, der zu seiner Linken steht, durchwinkt. Und damit wir dann alle Unklarheiten beseitigen möchte ich mich noch einmal kurz vorstellen.

Hallo, mein Name ist Barbara N. und ich bin ein kleines, arrogantes Arschloch. Es freut mich dich arrogantes Arschloch kennenzulernen. Lass uns gemeinsam scheiße sein und die Welt noch ein bisschen ekelhafter machen. Hearts and hugs and love and kisses and Wackelpudding to all.

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5 Gedanken zu “Selbsterkenntnisse plus Nikotin

  1. Dieser Comic kam mir in den Sinn: http://xkcd.com/610/

    Gut erkannt: deine heutige Erkenntnis ist keine Weltpremiere und vielleicht gelangt die wirklich große Mehrheit aller Menschen früher oder später zu diesen Gedanken. Und nun? Kaum ein Mensch wird stets alle Ansprüche voll erfüllen, die er an andere stellt. Irgendwann, in irgendeiner Situation macht einem nämlich das Quäntchen „es nervt mich trotzdem“ einen Strich durch diese Rechnung.
    Ich denke nicht, dass man allein wegen der Gedanken zwangsläufig ein Arschloch ist. Zwischen Vorgängen im Kopf und tatsächlichen Handlungen kann es große Unterschiede geben.
    Ich kann von meinem Vordermann nicht verlangen, dass er meinentwegen die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschreitet. Der Penner könnte trotzdem ein Bisschen mehr Gas geben. <– bis hierhin kein Arschloch
    Gib Gas!! *hup* *drängel* <– Arschloch.
    Manches lässt sich nicht einfach abstellen und wenn die eigene schier unaufhaltsame Grübelmaschine so sehr stört, muss man wohl versuchen, das Beste daraus zu machen und sich damit arrangieren.

    Das ist jedenfalls meine Sicht.

  2. Haha, jedes mal wenn ich auch nur in die nähe von diesem Gedanken gekommen bin, renn ich gegen eine Schutz-Wand oder sowas.
    Manchmal muss ich mich auch bremsen und mich selbst ermanhen z.B. nicht alle Türken in Trainingshose und diesem typischen Straßenakzent und -gehabe in einen Topf zu werfen. Es gibt überall auch ausnahmen. Und man sollte zuerst mal vom positiven ausgehen. Tu ich aber selten…

    Also: freut mich, dass wir arroganten Arschlöcher uns kennen lernen durfen 🙂

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