Gefühlskiller

Schon fast vergessen aber dank meiner Kehraktion wieder in Erinnerung gerufen. Die Wunderwelt „Mann“ erklärt von der holden Frau Almqvist. Wie letztes Mal versprochen, soll es heute um Gefühle gehen. Nein liebe Männer. „Gefühle“ ist nicht das, was sich bei euch regt wenn ihr euch durch die besten Videos bei youporn und Co. klickt. Es geht um das weiter oben. Herz nennt sich das Ganze und ihm wird zugesprochen, dass es dafür verantwortlich ist, wenn sich zwei Liebende den Schmachtschmalz um die Ohren hauen. Es pocht wie wild und schlägt bei Liebespaaren dann nur für die jeweilig bessere Hälfte.

Heutige Überschrift: „Wie Männer Gefühle ausbremsen“.

Dazu hat Frau Almqvist Folgendes zu sagen:

„Früher mal dachte ich, nur meiner wäre so. Im Laufe der Zeit merkte ich dann, dass sie eigentlich alle so sind.

Schon mal mit einem Mann einen Liebesfilm geguckt? Im herzzerreißendsten Moment, wir fingern nach dem Taschentuch und seiner Hand, werden wir auf den nüchternen Boden der Tatsachen zurückgeholt: Beruhigend erwidert er unseren Händedruck und kommentiert das Melodram mit nicht etwa dem Satz „Ich liebe dich auch!“, sondern mit der Bemerkung „Ich wette, das ist an der Isar gedreht und nicht in Venedig.“ Oder: „Der Hund ist garantiert ausgestopft!“

Ergriffen lauscht die Frau dem Virtuosen, schluchzt beinah mit der Geige um die Wette bei Max Bruchs Violinenkonzert in b-Moll, bis das Wispern des Mannes – „Guck mal, seine Socken sind zu kurz!“ – sie schlagartig aus ihren Träumereien reißt.

Die beste Freundin haucht zum dritten Mal „Ja, ich will“ auf dem Standesamt und wir wissen: Diesmal ist es aber wirklich der Richtige, und kriegen feuchte Augen. Auch der Mann an unserer Seite schnieft ein bisschen – aber bloß um leise kundzutun: „Hier stinkt’s nach Desinfektionsmittel.“ Haben Männer keine Gefühle oder äußern sie die in einer Art Fremdsprache?

Dann müssten sie dringend einen Deutschkurs für Ausländer im Bereich der weiblichen Bedürfnisse machen.“ (Amqvist: Die Macken der Männer. S. 11)

Puh! Du arme Frau hat es ja mal echt nicht leicht. Sie als Frau, ein Wesen das vor Empathie fast explodiert und neben sich ein Kerl der dies ums Verrecken nicht richtige zu schätzen weiß. Nun wieder ein gedachtes Phantasieszenario in dem es darum geht wie es wäre, wenn der Mann genau so ein Emotionsklumpen wäre, wie sie selbst.

Der Liebesfilm. Und die beiden vermeintlich Liebenden im Flimmerkasten finden ums Verrecken nicht zueinander. Frau ist den Tränen nahe. Kuckt rüber zu ihrem Angebeteten weil es ihr wieder ins Gedächtnis ruft, welch ein Glück sie doch hat ihn gefunden zu haben. Wie glücklich sie sich doch schätzen kann, dass sie, nachdem sie so viele Frösche küssen musste, endlich bei ihrem Prinzen angelangt ist. Und dann blickt sie in ein verheultes rot leuchtendes Gesicht. Die Tränen des Geliebten vermischen sich mit dem explosionsartig aus der Nase geschleuderten Rotz. Schluchzend blickt er auf den Fernseher und reibt sich, von Heulsalven geschüttelt, die verquollenen Äuglein. Erschrocken wendet sie den Blick ab und tut so als hätte sie das nicht mitgekriegt. Denn mit weinenden Männern konnte sie noch nie umgehen. Schnell die Flucht ergreifen und in die Küche gehen um eine weitere Flasche Wein zu holen. Hoffentlich hat er bis dahin aufgehört zu heulen. Das nächste Mal gibt es wieder einen Actionfilm.

Wo wir auch schon gleich beim naheliegendsten Thema wären. Frauen und Actionfilme. Genauso wie Männer der holden Weiblichkeit die Kitschstreifen mit grauenhafter Realitätsgeilheit zerstören, schaffen das die Frauen auch bei Actionstreifen. Der Superheld rennt durch eine absolut leere Lagerhalle, 20 Männer ballern mit Maschinengewehren wild auf unseren Helden. Schnaubend erreicht er den rettenden Notausgang und siehe da, keine der trilliarden verschossenen Kugeln konnte ihn treffen. Ein tiefes Seufzen entfleucht der Dame und der Typ neben ihr weiß ganz genau, was jetzt nur kommen kann. Also lieber ignorieren. Denn sonst führte dies wieder zu einer stundenlangen Diskussion darüber wie unrealistisch solche Filme seien. Und außerdem ist die Darstellung von Frauen in diesen Streifen meistens widerlich sexistisch weil sie nur auf ihre Brüste und Ärsche reduziert werden. Hübsches Beiwerk, mehr sind so Frauen in Actionstreifen doch nicht. Und immer muss man sie retten. Wie lächerlich. Als könnte sich eine Frau nicht selber helfen.

Zusammengefasst. Beide Geschlechter sind dazu verdammt dem anderen das jeweilig bevorzugte Film-Genre schlecht zu machen. Hätten wir das schon mal geklärt.

Aber von fehlender Heulbereitschaft bei „Fackeln im Sturm“ sofort auf totale Gefühllosigkeit zu schließen halte ich mal wieder für ein bisschen übertrieben. Und das einem Mann auffallen würde, dass jemand zu kurze Socken anhat… im vorherigen Kapitel klang es noch so, dass man froh sein könnte, wenn es so ein Mann schafft die Unterhose nicht über die Hose anzuziehen und jetzt soll ihm auffallen, dass die Socken zu kurz seien? Lady!!!!

Sicher haben Männer Gefühle. Wenn ihr Lieblingsverein in die zweite Liga absteigt, liegen sie sich weinend in den Armen. Wenn ihr Auto verschrottet werden muss brauchen sie noch ein paar Minuten allein mit ihrem Gefährt, um sich zu verabschieden. Ach welche Klischees. Genau wie Frauen können Männer auf etwas zurückgreifen was sich Gefühl nennt. Leider ist es nun mal aber so, dass es vielen Männern oft verboten wurde, dies auch praktisch umzusetzen. Wenn sie sich als kleiner Junge beim Klettern die Knie aufgeschrammt haben wurden sie mit den Worten „Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“ ihrem Leid überlassen und wurden darauf konditioniert, dass jegliche Gefühlsregung, die mit einem Schniefen einhergeht, nicht männlich ist und deswegen unterbunden werden muss. Doch fehlte einem Mann jegliche Emotionalität, dann könnte er sich nicht auf seine Partnerin einlassen. Weil er gar nicht wüsste warum er sich nur fürs Ficken in eine Beziehung stürzen soll. Er empfindet Liebe, nur ist er manchmal nicht im Stande das auch so zu artikulieren wie es die Frau gerne hätte. Er denkt vielleicht es reicht aus, dass er den Klodeckel nach dem Geschäft verrichten nach unten klappt oder die Socken in den Wäschekorb wirft, statt daneben. Das ist seine Art ihr zu zeigen was er empfindet. Und das sollte vielleicht mal klar werden. Das Männer nun mal nicht darauf getrimmt sind, sich emotional total zu verausgaben. Sie haben immer noch einen kleinen Krieger in sich der dazu da ist, seine Familie zu beschützen. Und als solcher kann man sich nun mal keine Weicheiereien erlauben.

Und um zu verdeutlichen, dass nicht nur Männer Gefühlstrottel sind eine kleine Geschichte aus dem Barbara-Nähkästchen.

Es gab einmal diesen Typen. Der fand mich ziemlich gut und mit dem verbrachte ich auch echt viel Zeit. Ich bildete mir zu diesem Zeitpunkt eine bestimmte Tätowierung ein. Es sollte ein Stern sein. Eines Abends saßen wir nett beieinander und ich erzählte von meinem Wunsch. Er sah mir tief in die Augen und meinte dann zu mir „Für dich würde ich die Sterne vom Himmel holen.“. Nicht nur, dass dieser abgespackte Spruch sowieso schon Ekelpickel erzeugen würde. Ich toppte dies, indem ich ihm trocken erwiderte, dass das echt ganz nett gemeint sei, aber wenn man das mal realistisch betrachtet, so am Himmel sehen so Sterne wirklich nett aus, aber wenn man die dann auf der Erde hat, ist so ein Stern eigentlich nur ein überdimensionaler Haufen Dreck.

Und jetzt sagt mir noch mal einer, dass nur Männer Gefühlskiller sind.

Advertisements

5 Gedanken zu “Gefühlskiller

  1. He he! Ich..äh…schmunzel hier ein bisschen durch die Gegend.

    Ich frage mich ja immer, wie du es schaffst so objektiv zu bleiben.

  2. Nein ich meine objektiv im Sinne von, dass du beide Seiten gut verstehst. Du erklärst plausibel die Frauen- und die Männerseite und das bewundere ich.

    • Danke. 🙂 Und das meinte ich damit. Ich will als Frau nicht mit Vorurteilen genervt werden also muss ich lernen beide Seiten vielleicht ein bisschen besser zu verstehen. Und das versuche ich.

  3. Hehe, wirklich schön geschrieben 🙂

    Also, um dir mal ’ne Erklärung für die Realitätsgeilen Bemerkungen zu geben:
    Früher (als ich so 15 war), hab ich auch solche Bemerkungen gemacht.
    Allerdings hab ich die nur gemacht, um nach außen keine Gefühle zu zeigen und mich selbst abzulenken. Ich nehme an, dass sowas auch oft der Grund ist, warum Kerle sowas von sich geben. Kerle müssen halt männlich sein, ne?

    Heutzutage bin ich dann einfach still.
    Und Kitsch bzw. abgedroschene Sprüche sowie „Ich liebe dich über alles und will dich nie nie nie verlieren“-Gästebucheinträge in irgendwelchen nervigen Social-Networks lass ich auch meist sein. Es gibt andere Arten, seine Zuneigung zu zeigen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s