Dreck

Der Temperaturfühler sagt 31 Grad. Genau die richtige Temperatur um sich Gedanken zu machen. In der Arbeit die richtige Tätigkeit sich Gedanken zu machen, weil mir nicht mehr als stumpfsinniges Blätter aufeinander Stapeln zugetraut wird. Die Stille in diesem Büro, die Chance sich Gedanken zu machen. Unnötige Gedanken. Aber ich mache sie mir. Weil sie mich vom Wesentlichen ablenken und ich dieses doch all zu gerne aus den Augen verliere.

Ich besitze ein Talent. Dinge zerdenken. Ich kann Situationen tausendfach in meinem Kopf abspielen, bis sie nur noch ein Schatten ihrer Selbst sind. Aus Momenten, die zu Beginn des Denkprozesses, welche von der guten Sorte waren, werden in kürzester Zeit eine Aneinanderreihung von purer Negativität. Ich filtere jedes positive Gefühl heraus und werfe es weg. Sauge mich an den schwarzen Klecksen zwischen diesem Bunt fest, und lasse sie immer größer werden. Am Ende habe ich dann einen riesigen Haufen Dreck auf den ich verächtlich hinabblicke.

Ich setze mich selbst einem Scheinwerfer aus. Direkte Lichteinstrahlung um jedes Fehlerchen zu erkennen und es fett mit Edding zu markieren. Momente gedanklich festgehalten, an denen ich etwas falsch gemacht habe. Und immer wieder die Wiederholung der Wiederholung der Wiederholung. Und immer hässlicher wird das Szenario bis am Schluss eine Momentaufnahme übrig bleibt, die so zwar nie stattfand, die aber die echte Realität mit der meinen ersetzt. Ich beginne mich zu ekeln. Vor mir selbst. Nicht nur davor, was ich getan habe, sondern auch davor was ich gesagt habe und wie ich es gemeint hatte. Mir fallen Antworten auf gestellte Fragen ein und das zeigt mir, dass ich doch eigentlich nur ein dummes Menschlein bin, dass es geschafft hat sich durch die Evolution durchzumogeln.

Und der Kopf rattert. Stellt sich die Frage, warum ich es immer wieder schaffe, aus einer guten Realität eine miserable Phantasie-Umgebung zu gestalten, deren einziges Ziel es ist, mir zu beweisen, dass ich es nicht verdient habe. Egal was es ist.

Und schon wieder liegt ein solcher Dreckhaufen vor meinem inneren Auge. Wenn ich noch ein bisschen weiter denke, beginnt er bald zu stinken. Aber das ist schon OK, ich bin es gewohnt.

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