Besitzansprüche

Auch ich sehne mich nach Nähe. Ich bin ja tief in mir drin kein Stein der zufrieden vor sich hinbröckelt. Auch ich will ab und an so etwas erleben wie Zuneigung. Die Erfahrung zeigt mir aber, dass es diese Zuneigung, dieses Gefühl von Geborgenheit nicht gibt, ohne dass man einen Teil von sich hergibt. Viele suchen sich ihre Geborgenheit in Beziehungen. Oder in tiefen innigen Freundschaften. Und immer wenn sie so etwas eingehen, ist irgendwann der Punkt gekommen, an dem man Verantwortung übernehmen muss. An dem es nicht mehr um das pure Anlehnen an einen anderen Menschen geht, sondern darum, sich selbst aufzugeben, sich so tief in einen anderen Menschen fallen zu lassen, sodass man verlernt allein sein zu können. Es kommt der Moment wo man nicht mehr kann, ohne das Gefühl der Geborgenheit und das führt dann schlussendlich zu einem schmerzhaften Ende. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, da wird der ganzen Sache ein Strich unter die Rechnung gemacht und man humpelt verletzt aus diesem Emotionskrieg heraus. Es ist dieser plötzliche Besitzanspruch den man in sich trägt. Als hätte man sich ein neues Stofftier zugelegt, ein ganz Besonderes. Eins, das man nicht teilen will. Und zu meiner eigenen Schande muss ich eingestehen, dass ich auch nicht gefeit bin vor diesem „Das ist meins“-Gefühl. Wenn ich jemanden mag, dann möchte ich den nicht teilen. Nicht weil ich meine er müsse sich nur auf mich und meine Bedürfnisse konzentrieren sondern weil ich grundlegend Angst habe, dass derjenige erkennt, dass ich vielleicht doch nicht so toll bin, wie er zu Beginn dachte. Weil er plötzlich Vergleichswerte hat und merkt, dass ich ein ziemlicher Seelenkrüppel bin den man nicht in seinem Umfeld haben will, weil man sonst nur genauso verkorkst wird, wie ich.

Und aus diesem Grund lasse ich mich nicht näher auf Menschen ein. Weil ich die Nähe, sei sie körperlich oder mental, nicht haben kann, ohne einen Teil von mir hergeben zu müssen. Und weil ich das Ganze nicht machen kann, ohne von einem kleinen Monster verfolgt zu werden, das sich „grenzdebile, unbegründete Eifersucht“ nennt. Und so verzichte ich lieber auf das sich wohl fühlen. Sich verstanden fühlen. Weil auf der Contra-Seite zu viele Gegenargumente aufgelistet sind.

Und so ist es mir lieber, dass ich weiß, dass ich könnte, wenn ich wollen würde. Das ich mich aber bewusst dagegen entscheide. Ich weiß, dass ich kein seelenloses Wesen bin, ohne dem Drang sich fallen zu lassen. Und das reicht mir. Fürs Erste.

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14 Gedanken zu “Besitzansprüche

  1. Nähe und Geborgenheit sind wertvolle Dinge und die bekommt man nicht einfach so geschenkt. Sonst wären sie ja nicht wertvoll. Man muss was dafür tun und für dich heißt das im Klartext: Geh das Risiko ein! Spring ins kalte Wasser!

    Und wenn du auf die Fresse fällst, dann steh halt wieder auf, putz dir den Dreck von der Hose und probiere es nochmal. Irgendwann klappt es und dann wirst du unendlich froh sein, dass du den Mut hattest das zu tun.

    • Natürlich passiert es mir, dass ich mich auf Menschen einlasse. Aber das Drumherum ist mir zu komplex, zu sehr behaftet mit diesem „bloß nichts flasch machen“ als das ich noch was davon hätte. Es ist wie das Laufen gegen eine Wand. Vielleicht besteht sie nur aus Pappe und ist einfach zu durchbrechen. Aber warum soll ich das Risiko eingehen mir eine blutige Nase zu holen?

  2. Weil es sich lohnt die richtige Person hinter der Pappwand zu finden. Und wenn man sich tausend blutige Nasen holt…das ist es wert. 🙂

    Und wenn es die richtige Person ist, dann kann man auch nix falsch machen und das Drumherum ist nicht komplex, sondern einfach.

  3. Ja das ist nicht so gut. Vielleicht schafft er/sie/es aber, dass du eben nicht eifersüchtig wirst, sondern dass er/sie/es dir das Gefühl gibt die einzig wichtige Person in seinem Leben zu sein.

    Und unbegründete Eifersucht ist auch immer eine Form von mangelndem Selbstbewusstsein.

    • Ach ich will ja gar keine Klammeraffennummer. Ich will ab und an jemanden da haben der mir kurz über den Kopf streichelt und das ist auch wieder gut. Dann kriegt derjenige vielleicht noch nen Keks und dann kann er sich wieder verpissen. Ich will nicht in eine Verantwortung einem anderen Menschen gegenüber gepresst werden.

    • Na aber finde mal einen der will wann du willst. Und so nen abrufbereiten Torfkopf will man auch nicht näher als nen Meter an sich ranlassen.

  4. Naja, DAS „Problem“ ist da doch eher die Eifersucht, der Besitzanspruch. Das „gegen die Wand laufen“ und wieder aufstehen, wenn man sich auf jemanden einlassen will passiert immer.

    Traurig ist es, wenn man das Gefühl hat, das der „Andere“ sich umschaut, meint, das er unzufrieden sei, das man ihm nicht das bieten können würde, was er sich ersehnt. Diese unterbewusste Unsicherheit.

    Da hat Frosch schon recht, das Bedarf Selbstsicherheit. Nur kommt die auch nicht von alleine, sondern wird einem eigentlich nur beigebracht, wenn man die Sicherheit zunächst auch mal geschenkt bekommt.

    Eifersucht hat nicht nur etwas mit „klammern“ zu tun, mit generellem Misstrauen dem Partner gegenüber. Aber wenn diese Selbstsicherheit gewinnst Du nicht alleine und vor allem nicht dadurch, wenn Du keine Risiken eingehst.

    Du hast halt die dumme 50:50 Chance, das da jemand ist, der Dir den nötigen Respekt entgegen bringt. 50:50 ist nicht viel, aber ist ein Ansatz. Wär ja noch blöder, wenn man mit einer 1:99 Chance an sowas heran geht.

    Es wird niemals so sein, das Du nicht das Gefühl haben wirst, das Du nicht in Konkurrenz stehen würdest. Du, ich, wir – stehen immer in Konkurrenz. Es muss sich das Vertrauen aufbauen, das diese Konkurrenz-Situation nicht real wird, sondern, das trotz aller Verlockungen, wie man so schön sagt, „zu Hause gegessen“ wird. Das der Partner wohl weiß, das er immer irgendwelchen Verlockungen ausgesetzt ist – genaus, wie Du übrigens auch – aber das der Partner genau weiß, dass das Naschen vom Baum ihn auch aus dem „Paradies“(?) vertreiben kann.

    Nichts anderes ist das Zusammenleben zwischen Mann und Frau. Zu begreifen, was man da für einen Partner hat, was man aneinander hat und wieviel man einander bedeutet. Wenn das Vertrauen aufgebaut ist, und, ja, man sich da auch ein Stück weit Kontrolle entgleiten läßt, dann, ja dann, dann hat sich diese „besitzergreifende“ Eifersucht auch fast erledigt. Ablegen wird sie niemand wirklich können. Weil immer diese Angst mitschwingt, zu viel von sich aufgegeben zu haben für eine Enttäuschung.

    Aber so kann man nicht in eine Beziehung gehen. Nimm es einfach für den Moment. Denk mal nicht drüber nach, das nach einer Beziehung auch mal Regen kommt, genieß den Moment. Vertrau auf Dich und vertrau einfach mal ihm. Entweder er dankt es Dir oder nicht – und wenn nicht, dann hattest Du vielleicht eine kurz/mittellange schöne Zeit und gut ist. Dann schaust Du, mit wem Du wieder ’ne schöne Zeit findest, statt alten, abgeschnittenen Zöpfen hinterher zu trauern.

    Fällt weiß Gott nicht leicht, ich trauere seit über drei Jahren, aber wenn man nicht Chancen sieht, kann man auch keine ergreifen.

    • Aber darum geht’s mir ja eigentlich gar nicht. Grundlegend geht es mir schon gar nicht nur um die Partnerschaftsnumner. Es ist jede Form von Zwischenmenschlichkeit. Freundschaft und Beziehung. Und ich will keine Beziehung, keinen Partner. Ich will das einfach nicht weil ich es nicht brauche. Doch trotzdem bräuchte sogar ich eine Umarmung. Aber die kriegt man nicht einfach so. Zumindest nicht ohne das es sich komisch anfühlt. Und das nervt mich. Weil immer alles 100% sein muss. Dieses Festgefahrene. Ich hätte ab und gerne seelische und körperliche Streicheleinheiten (nein, damit meine ich nicht Sex) ohne die Verantwortung, die das Ganze nach sich zieht. Und das gibt es nicht. Weil der Mensch nur schwarz oder weiß kennt. Und das wurmt mich. Weil es so einfach sein könnte, es aber nunmal nicht ist.

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