63.115.200 Sekunden

Zwei Jahre. 24 Monate. Das sind 104 Wochen. 731 Tage. 17.532 Stunden. 1.051.920 Minuten. 63.115.200 Sekunden. Wie oft ich in der Zeit an dich gedacht habe, weiß ich nicht. Tut auch nichts zur Sache weil ich es jetzt mache. Genau jetzt denke ich an dich. Es fühlt sich nicht an wie zwei Jahre. Es fühlt sich an wie ewig. Wie eine Idee die ich einmal hatte und dann doch verwarf, weil sie zu lächerlich oder einfach nicht umzusetzen war. Und dann doch wie gerade eben geschehen. Als wären diese zwei Jahre verflogen. An mir vorbeigerast und hätten vergessen mich mitzunehmen. Vielleicht wärst du heute stolz auf mich. Würdest mitfiebern mit allem was mir momentan widerfährt. Ich würde es nicht wagen dir von meinen Plänen zu erzählen, die ich heimlich schmiede mit einer Frau bei der ich denke, dass es genau richtig ist, dass ich sie mit ihr schmiede. Es sind Flausen, die wir haben in unseren Köpfen. Aber es muss doch etwas bedeuten, wenn wir beide zur gleichen Zeit solche Ideenspinnereien fabrizieren. Unabhängig voneinander und dann wie zufällig treffen sich diese Ideen und werden ausgesprochen.


Ja, ich habe mich verändert. Zwei Jahre gehen auch nicht an mir spurlos vorüber. In meinen Gedanken bist du immer noch die Selbe. Du siehst mich an, meist verständnisvoll. Weil du diejenige warst, die immer das größte Verständnis für mich hatte. Weil du dachtest, du hättest mich zu dem gemacht, was ich bin. Willst du erfahren was passiert ist oder weißt du es sowieso schon? Weißt du, dass du mir fehlst? Und dann tust du es doch wieder nicht. Manchmal bin ich froh. Und dafür schäme ich mich. Doch man sagt doch immer, dass es besser so ist. Sie nennen es einen besseren Ort und nicken mir fürsorglich zu. Fassen mich vielleicht sogar an, tätscheln meine Hand und erwarten, dass ich anfange zu weinen. Du weißt wie ich es hasse von ihnen angefasst zu werden. Du weißt wie ich es hasse bemitleidet zu werden. Wie ist es dort? Der bessere Ort, ist er wirklich um so vieles besser? Oder bist du doch einfach verpufft? Weißt du eigentlich, dass ich dort arbeite wo alles zu Ende ging? Weißt du, dass ich jedes Mal, nachdem ich auf der Intensiv-Station war, für den Rest des Tages unbrauchbar wurde. Ich kannte den Ort gut. Starrer Blick, nur nicht in die Zimmer schauen. Inneres Ohr verschließen um die Geräusche auszublenden. Jetzt kann ich dort hingehen ohne die kalte Hand auf meiner Schulter. Es wird leichter. Jeder Tag macht es leichter. Du wirst nie bloß eine Erinnerung sein. Du wirst immer hier sein. Genau hier. Bei mir. In meinen Gedanken. Nichts kann ich mit dir teilen und es ist so unfair, dass du nie erfahren wirst, was aus mir wird. Wenn denn irgendwann einmal was aus mir wird.


Manchmal saßt du auf deinem Bett, hast mich angesehen mit so einem eigenartigen Blick und sagtest mir, wie schön ich doch sei. Ich lachte dich aus. Denn so müsstest du doch empfinden. Ich brachte nichts richtig fertig und du warst doch so stolz auf mich. Du sagtest immer ich sei um so vieles klüger als du und ich könne alles so viel besser als du. Du hast mir fasziniert dabei zugesehen wie ich den Boden gewischt habe und meintest ich sei so viel anders als du, sodass du manchmal gar nicht glauben konntest, dass uns irgendwas verbindet. Du weintest wenn ich dir wieder einmal sagen wollte, wie die Welt um dich herum wirklich ist. Du wolltest es nicht wahrhaben und hast mich wahrscheinlich gehasst. Zumindest in denen Momenten. Weil ich zu ehrlich war zu dir und du doch einfach wieder zurück wolltest in ein Leben, das es lange nicht mehr gab für uns. Das nur ein Ausflug war, den wir uns dann nicht mehr leisten konnten.


Zwei Jahre ist es her. Ich erinnere mich an dich. Fasse kurz an den Ring den ich um meinen Hals trage, suche die Gravur die besagt, dass es genau zwei Jahre sind. Die Welt drehte sich weiter und doch fühlt es sich an wie ein Stillstand.


Zwei Jahre. 24 Monate. Das sind 104 Wochen. 731 Tage. 17.532 Stunden. 1.051.920 Minuten. 63.115.200 Sekunden. Und jede Sekunde hast du mir gefehlt. Ich habe es nur nicht bewusst gefühlt.

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9 Gedanken zu “63.115.200 Sekunden

  1. jemanden zu verlieren ist nie leicht, aber es ist toll so in Erinnerung zu bleiben, ich habe dafür gesorgt das ich irgendwann einfach weg bin ohne das es auffällt.

    • Aber was hab ich davon, wenn man sich an mir erinnert? War mein Leben deswegen sinnvoller nur weil ich schwere Gedanken hinterlasse?

  2. … es kann doch fast nichts schöneres geben als zu wissen, dass man einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat? So etwas bedeutet in meinen Augen , dass man alles richtig gemacht hat und nicht alles umsonst war und man nur durch die Zeit gehuscht ist und keinem aufgefallen ist, was man erreicht/getan hat?

    Ich hoffe, du verstehst was ich meine.

    Grüßle vom Mike der durch Zufall irgendwie auf deine Seite hier gestoßen ist.

    • Für einen Selber mag es vielleicht „schön“ sein in den Gedanken eines Anderen weiter zu leben. Aber es tut nunmal weh. Wenn jemand weg ist. Und da hätte ich es lieber, wenn man mich einfach vergisst, als das man immer wieder wegen mir Tränen vergießt.

    • Ja aber mal ganz ehrlich… was hab ich davon. Wenn man das mal ganz logisch betrachtet, ist es unendlich bescheuert, dass es so ist. Und der Mensch der weg ist, hat nix davon. Wenn ich mal weg sein sollte, will ich nicht, dass sich die Menschen Vorwürfe machen oder immer noch trauern, obwohl schon ein paar Jahre vergangen sind.

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