Von Phasen und vom Hassen

Oh, oh, oh, oh, oh, oh! Trommelwirbel! Barbara packt wieder einmal ihr zornesrotes Hasskästchen aus und schmiert fleißig matschierten Hass an Internetwände. Juhuuuu! Also! Hier! Aufgepasst! Finger aus der Nase. Wie eklig! Gerade sitzen. So kriegste nie einen Partner. Mit Nasenzeug am Finger und krummgebuckeltem Rücken. Und genau darum soll es heute gehen. OK, in etwa. Eher weniger darum, was ist, wenn man niemanden hat, sondern eher darum, was ist, wenn man jemanden hatte und den dann plötzlich nicht mehr mit Alltagsmüll nerven kann, weil er irgendwann die magischen Worte sprach: „Du! (Schön der Anfang. Du?!) Ich glaube wir müssen reden (Ja wie glauben? Müssen wir jetzt reden oder nicht? Kann ich mir das aussuchen du Weichkeks?).“ Wenn einem der bisherige Partner mit genau diesem Satz kommt, weiß man, oh, meine Stunden als bessere Hälfte sind gezählt. Jetzt wird Schluss gemacht. Gleich mal im Kopf eine Liste zusammenstellen, wem man diese traurige Nachricht alles mitteilen muss. Wenn man zusammenlebt, werden geistig farblich unterschiedliche Klebezettel auf den Möbeln verteilt damit man weiß, wer was behalten darf.

Und dann beginnen sie. Die Phasen der Trauer.

Zuerst will man das alles nicht wahrhaben. Es wird als vorübergehende Krise betrachtet. Renkt sich alles wieder ein. Man müsse sich nur ein bisschen mehr bemühen, dann würde alles wieder gut werden. Und dann wird man wütend. Was fällt diesem Wichser eigentlich ein? Womit hat man bitte so etwas verdient? So viel hatte man in die Beziehung investiert und das ist der Dank dafür? Stirb du Pisser! Wir sehen uns in der Hölle, du Missgeburt. Und im Bett warst du sowieso eine Niete. Genau! Hah! Nachdem man genug mit Dreck um sich geworfen hat, beginnt man zu verhandeln. Man macht dem Ex die eigenartigsten Angebote. Man trifft sich mit ihm und zeigt sich von seiner besten Seite. Oftmals schläft man auch noch mit ihm. So ganz unverbindlich. Behauptet man zumindest. Weil man ist doch so erwachsen und warum sollten beide auf den Sex verzichten nur weil es menschlich nicht mehr gestimmt hat. Tief im Inneren denkt man sich, dass der Ex doch noch was empfinden muss für einen, denn sonst würde er sich nicht mit einem treffen um sich den Verstand aus dem Leib zu ficken. Schätzchen, die hat er nicht mehr. Er fickt dich und leckt vor deinen Augen mit einer Anderen rum. Check das einfach. Und wenn dies verstanden wird, dann beginnt sie. Die große Depression. Ein Tränenmeer breitet sich vor einem aus. Man isst nicht, wein sich in den Schlaf, wenn man denn einmal schlafen kann und wird immer wieder an den Ex erinnert, der der Einzige sein wird, den man jemals richtig geliebt hat. Verkriechen will man sich und jedes tröstende Wort prallt an einem ab. Denn vielleicht hat man es gar nicht anders verdient. Irgendwann geht auch das vorbei und wenn alles gut lief, kann man sich auf die letzte Phase der Trauer freuen. Das ist die Akzeptanz. Man nimmt es an als das was es ist. Ein Ende einer guten Zeit. Oder erkennt vielleicht sogar, dass es gar nicht so gut war und man eigentlich froh sein kann, dass der Ex-Partner einen Schlussstrich gezogen hat unter diese Farce.

Das ist in meinen Augen ein absolut legitimer Prozess. Ich persönlich darf auf ganze zwei Beziehungen zurückblicken. Einmal war ich die Verlassende und das andere Mal wurde ich verlassen. Beim ersten Mal gab es natürlich keine Phasen zu bewältigen, weil da ja ich der Wichser war. Beim zweiten Mal habe ich sie ausgekostet. Die Depressions-Phase wohl diejenige, die ich am intensivsten ausgelebt habe. Ich konnte nichts essen und schon allein der Gedanke an Nahrung machte mir Übelkeit. Ich konnte nachts nicht einschlafen und war morgens meist schon vor dem Weckerklingeln wach. Ich weinte viel und ausgiebig. Und mir wurde alles so dermaßen egal. Die Akzeptanz der Situation sah bei mir jedoch so aus, dass ich beschloss, dass dieses Liebesgedöns nichts für mich ist. Nichts was ich mir ein weiteres Mal antun möchte. Liebe gut und schön, aber für mich ist das nichts. Und das habe ich dort gelernt. Dies ist mein persönliches Fazit.

Doch darum soll es gar nicht gehen. Es geht darum, dass ich immer wieder, eigentlich immer, den Moment erlebe, wenn ich mit Frauen, Mädchen, Tittenträgern halt, auf das Thema „DER EX“ zu sprechen komme, diese mir erzählen, was für ein Arschloch er doch sei. Die Schimpfworte so schillernd wie ein Ölfilm auf einer Pfütze. Er wird zum Idioten, zum absoluten Vollspasten, und man sei doch so froh, dass man ihn los ist. Die Neue die er hat, die hätte ihn verdient, weil die ist ja sowieso meistens dumm und absolut hässlich. Ich verstehe das meist nicht. Ja gut, ich habe mich selbst auch dabei ertappt wie ich ihn verflucht habe. Ich habe ewig lange Texte über ihn geschrieben in dem ich ihm all das Schlechte an den Hals wünschte und ich mit Sätzen um mich warf wie:

„Du dummer kleiner Bastard! Du denkst doch echt du bist das Coolste was es auf diesem gottverfickten Planeten gibt. Du Missgeburt! Du Opfer! Du Dummschwätzer! Du willst Freundschaft? Weißt du was du mit deiner Freundschaft machen kannst? Tunke sie in Tabasco und schieb sie dir in den Arsch, denn ich habe gemerkt ich kann gut und gerne darauf verzichten. [08.09.2007 „Die Abrechnung“]“

Ja. So wütend war ich mal. Schrecklich. Aber irgendwann erkannte ich halt, dass es nun mal so ist. Dass er es mit mir als Mensch nicht mehr ausgehalten hat und das verstehe ich sogar auf eine gewisse Art und Weise, weil wenn ich jetzt erkenne in was für eine Richtung er sich entwickelt hat, und da kann ich sagen, dass ich ihn scheinbar nur gebremst habe und das Endergebnis so rein gar nicht zu mir passt. Doch jetzt, wo die Sache nun mal schon fast drei Jahre her ist, käme es mir nicht in den Sinn ihn als [Schimpfwort] zu bezeichnen. Denn liebe Ladys, macht euch bitte eins klar. Bevor sich der Kerl von euch getrennt hat, ward ihr doch glücklich, oder? Vielleicht hattet ihr schon Vorstellungen davon, wie eure Kinder aussehen würden und ihr habt euch vorm Einschlafen vorgestellt wie es sein wird, wie ihr vor dem Traualtar steht. Ihr habt im Kopf Häuser gebaut, Reisen geplant und euch darauf vorbereitet diesen Mann für immer zu behalten. Weil ihr in doch so sehr geliebt habt und er vermeintlich der Richtige war. Und nur weil er einen Schlussstrich gezogen hat, nur weil er meinte euch eure Traumblubberbläschen mit dem Hammer kaputt zu trommeln, ist er nicht mehr der perfekte Kerl, den ihr noch vor ein paar Monaten in ihm gesehen habt? Wenn ihr mit euren Freundinnen zusammen sitzt und wieder einmal Hassphrasen in den gackernden Hühnerhaufen werft, macht euch bitte einmal etwas klar. Stellt euch folgende Frage und überlegt euch dann bitte zweimal ob aus dem Ex ein Wichser wird.

„Was sagt es über mich aus, wenn ich meine wertvolle Zeit mit einem vermeintlich nutzlosen Idioten vergeudet habe? Was muss ich denn für ein Idiot gewesen sein, wenn ich mich auf die Ausgeburt der Idiotie eingelassen habe, und darüber auch noch glücklich war?“

Ja ich weiß. Euer Stolz ist angeknackst. Gerade weil ihr geplant hattet, weil ihr dachtet euer ewiges Suchen hätte endlich ein Ende gefunden, seid ihr gekränkt und wütend. Weil dieser fiese Kerl sich in euer Herz geschummelt hat und euch nun von innen heraus aufschlitzt und nichts außer einem Häufchen Elend übrig ließ. Und ihr habt so recht, wenn ihr wütend seid. Auf euch, auf den Kerl und darauf, dass er euch so einfach wegwerfen konnte. Doch erkennt auch, dass ihr, wenn ihr meint aus diesem Mann ein Hassobjekt machen zu müssen, das ihr an den Pranger stellt um es anzuspucken, bespuckt ihr euch auch selbst. Ich käme nie auf den Gedanken meinen Ex wirklich als Arschgeburt zu bezeichnen. In schwachen Momenten vielleicht. Wenn ich meine, dass mir wieder etwas fehlt. Dann verfluche ich ihn kurz. Doch ich war glücklich mit ihm und habe ihn geliebt. Wieso sollte ich dann diese Zeit, die wir hatten, mit einer einzigen Beschimpfung zugrunde machen. Ich will keine Idiotin aus mir machen, weil ich fast zwei Jahre mit einem Menschen verbrachte, der mir dann das Herz herausriss. Er war nicht glücklich. Aus. Und ja. Manchmal ertappe ich mich dann doch auch wieder, dass ich über gewisse körperliche Merkmale des Ex herziehe. Doch dann mache ich mir wieder bewusst, dass ich diese auch geliebt habe und eigentlich ganz zufrieden war damit.

Also liebe Frauen. Hört auf eure ganze Energie darauf zu vergeuden eure Ex-Kerle als Vollidioten abzustempeln. Konzentriert euch lieber auf die neue Beziehung, die ihr meist zu dem Zeitpunkt sowieso schon wieder habt, weil ihr oft Frauen seid, die nicht allein sein können. Und wenn er doch ein Totalausfall war, dann macht euch lieber Gedanken über euch. Denn eigentlich seid ihr die Dummen, wenn ihr meintet eine Evolutionsbremse wie diese, an euer Höschen und euer Herz gelassen zu haben. Denkt mal darüber nach.

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2 Gedanken zu “Von Phasen und vom Hassen

  1. Huhu barbara (ich darf dich doch barbara nennen)

    Mag dir gerne mal so ne längere mail schreiben. 🙂 so zwecks meinnungs und disskussionsaustausch und so…

    find leider nirgends ne addy von dir, bin glaub ich zu blind oder blöde ^^

    grüsse ausm süden

    andi

  2. Ah, viele Dank für diesen langen und sehr ausführlichen Blogpost. Letztendlich hat er dafür gesorgt, dass ich ein wenig nachdenke.

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