Füße küssen

Ich habe ein nettes Büchlein bei meiner Schwester gefunden und möchte durch kurzes Reinlesen in dieses sonderbare Werk eine neue Rubrik ins Leben rufen. Name überlege ich mir später totalst crazy spontan.

Zur Einführung. Es handelt sich bei dem Buch um das von Paula Amqvist. Der Titel „Die Macken der Männer – Von Männern lernen und sich täglich wundern“. Es werden 100 Macken der Schwanzträger beschrieben. Da ich bis zum jetzige Zeitpunkt nur bis Punkt drei vorgedrungen bin, halte ich es bis jetzt für eine Auflistung von Klischees. Man wird sehen, was sich daraus entwickelt. Und dementsprechend möchte ich zitierend mit dem Ersten beginnen.

„1. Was Männer niemals hören wollen

Gestern sah ich einen Mann, dessen T-Shirt sich von vorn las „Du bist schön, schön, schön!“ Und von hinten: „Nu is’ aber auch genug!“ Kinder, Narren und T-Shirts sprechen bekanntlich die Wahrheit. Einer nagelneuen Meinungsumfrage zufolge gibt es wenig, was Männer mehr nervt, als die weibliche Frage „Findest du mich zu dick?“ 63% aller Männer finden diese stereotype Sorge ätzend – welche Luxusprobleme die Männer haben! Da würden wir gern tauschen. Wir nämlich würden einem Mann die Füße küssen, der uns täglich, von milden Selbstzweifeln angenagt, einschlägige Fragen stellte: „Findest du mich zu dick?“ „Hatte ich früher mehr Haare?“ „Glaubst du manchmal, ich höre dir nicht richtig zu?“ „Findest du mich schlampig?“ „Stimmt es, dass ich schnarche?“ „Denkst du, ich hab zu wenig Zeit für dich?“ „Meinst du, andere Männer sind besser im Bett?“ „Sollte ich in Zukunft den Müll ohne Murren rausbringen?“ „Meinst du, ich sehe zu viel Boxen im Fernsehen?“ „Könntest du dir einen romantischeren Partner vorstellen als mich?“ „Riechen meine Turnschuhe schlecht?“ „Bringen andere Männer öfter Blumen mit als ich?“ Wir würden diesem Mann tröstend über den Kopf streicheln und auf alle Fragen mit einem unverzöglichen, aufrichtig gehauchten „Ja“ antworten.“ (Amqvist: Die Macken der Männer. S. 7)

Bitte was? Ich versuche es mir gerade vorzustellen. Ich bin die bessere Hälfte von einer anderen, logischerweise, schlechteren Hälfte. Ich sitze in seinem Pyjama, er in meinen Hello-Kitty-Shorts, auf der Couch. Ich klöpple gerade einen neuen Toilettendeckelbezug in blassrosa. Plötzlich dieses fiese tiefe „Hach!“ von der Seite. Ich weiß was es bedeutet. Jetzt geht’s gleich wieder los. Konzentriert fokussiere ich meinen Blick auf die Klöppelanleitung für Dummies und tu so, als hätte ich nichts gehört. Der Luftbefeuchter ist aber auch laut. Nach kurzer Zeit stupst mich was ganz vorsichtig mit der großen Zeh an. Wird bewusst ausgeführt, soll aber wirken wie zufällig. Und es folgt ein weiterer Seufzer. Diesmal noch länger und lauter. Er endet mit einem theatralischen kleinen Hüstelanfall. Ob ich wohl noch einmal die Ignoranzkarte ausspielen kann? Wohl kaum. Also lege ich meine Handarbeit sorgsam in den mundgefertigten Bastkorb, den ich sehr günstig im Eine-Welt-Laden erstanden habe, und wende mich meinem Puzzleteil zu. Ich versuche den drohenden Blick zu unterdrücken und kucke schon jetzt sehr verständnisvoll. „Schatz! Was ist denn?“ Sehr langsam kriechen diese Worte aus meinem Mund, denn ich kenne die Antwort und ich könnte jetzt schon kotzen, schlagen, treten und beißen, weil ich weiß was die nächsten Minuten, Stunden oder vielleicht sogar Tage auf mich zukommen wird. Und schon beginnt es. Es poltert aus ihm heraus. Alle Dämme brechen. Gleichzeitig. Und vielleicht rotzt er dabei auch noch in die von mir bestickten Stofftaschentücher. Er heult rum und fragt mir ein Loch in den Bauch, dass das Schwarze Loch in den Schatten stellt. Und immer wieder wird es unterbrochen von diesem mitleidigen Blick der einem vermitteln möchte „Sei lieb zu mir!“ aber eigentlich bedeutet „Bitte schlag mich nicht, auch wenn du das jetzt am allerliebsten machen würdest.“.

Nachdem ich mir das alles vorgestellt habe kann ich eins sagen. So einem Kerl würde ich nicht dankend die Hornhaut von den Füßen schlabbern. Ich würde ihn mit meinem Fuß treten bis er wirklich einen Grund zum Rumheulen hat.

Zweifel haben und sich diese eingestehen zu können ist eine sehr löbliche Angelegenheit. Denn das bedeutet, dass man sich selbst auch mal versucht objektiv zu betrachten. Und bestenfalls führt es dazu, dass man Unarten, die man mit sich herumschleppt, abstellt oder diese zumindest reduziert. Also alles total supi und knorke und huiwiegeilistdasdennbitte.

Aber jetzt mal ehrlich. Also wenn mir so ein Weibchen einen vorheult, dass sie so dick ist, dann kriege ich nach einer Minute einen dicken Hals und will ihr am liebsten fünf Kilo Eis in den Rachen stopfen. Und ich würde ihr auf keinen Fall sagen „Stimmt!“. Ich würde beschwichtigend auf sie einreden. Was das Elend meistens nur noch schlimmer macht weil man sich dann rechtfertigen muss, warum man denn nicht ehrlich ist. Ein Teufelskreis.

Liebe Männer die ihr dieses Buch gelesen habt. Wenn ihr auf mich trefft und meint diese Sache in die Tat umzusetzen nur damit ich euch an euren Zehen rumlecke… lasst es.

[Und an alle lieben Menschen die das hier lesen und mir schon mal einen „vorgewinselt“ haben, wegen was auch immer. Euch mag ich. Ihr dürft winseln. Und wenn ihr mir jemals auf den Sack gegangen seid, dann habt ihr das zu dem Zeitpunkt erfahren. Dürft und müsst ihr mir jetzt einfach mal glauben.]

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2 Gedanken zu “Füße küssen

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