ABF4L

Freundschaften und ich, ich und Freundschaften. Ein Thema für sich und ich glaube meine erste Freundschaft, an die ich mich vage erinnern kann, spricht für sich.


Ich war im Kindergartenalter. Wir zogen in ein neues Dorf. Für die Kinder dort war ich natürlich DIE Attraktion. Ich sprach nämlich hochdeutsch. Und das, obwohl ich im tiefsten Bayerischen Wald geboren war. Man versuchte sich mit mir zu verständigen und humpelte verbal vor mir herum bis ihnen meine Mutter aufklärte, dass ich sie auch verstehen würde, wenn sie so sprechen würden wie es der Bayer meint tun zu müssen. Und dann gab es die Nachbarin. Stefanie hieß sie und war ca. ein Jahr jünger als ich. Sie war blond, pummelig und musste immer ihren Pulli in die Hose stopfen. Sicher so ne Sache wegen den Nieren. Ihre Muter setzte ihr auch immer Mützen auf, wenn es ein bisschen so aussah als könnte in 7 Monaten der Winter anbrechen. Eins der wenigen Dinge woran ich mich erinnern kann ist, dass sie, wenn wir mit dem Fahrrad das Ende einer geteerten Straße erreichten und umkehrten, sie abstieg, ihr Fahrrad in die richtige Richtung drehte und wieder aufstieg. Die konnte keine engen Kurven fahren. Ich lachte sie jedes Mal aus. Aus Erzählungen weiß ich auch noch, dass sie mich ständig zwickte, an den Haaren zog und kratzte. Als sie mir einmal eine scheuerte, wegen irgendeiner Schaukelsache hat ihr meine Mama vertretend für mich eine gedonnert. Ein Grund warum sie mich immer schlug, diese Stefanie, war wohl, dass ich, sobald sie irgendwas vorschlug, als erstes einmal NEIN sagte. Immer! Na da hätte ich mir auch die Fresse poliert.


Ein weiterer, wohl ausschlaggebender Erfahrungsstrang meines Lebens war wohl der eine Kerl im Kindergarten, der scheinbar in mich verliebt war und sogar brav mit mir Doktor im Puppenhaus spielte. Scheinbar sagte ich dem auch zu oft nein, sodass er sich irgendwann gezwungen sah, meinen Kopf mit voller Wucht gegen die Fliesen der Klowand zu klopfen. [Dies würde auch den Dachschaden erklären, den ich mit mir herumtrage.]


Ich finde diese Kindergartenerfahrungen zeigen, dass ich und Freundschaft so eine Sache ist, die einfach nur schief laufen kann. Nicht muss, aber kann.


Zum jetzigen Zeitpunkt habe ich wenige Freunde. Wenn ich ganz genau überlege gäbe es nur zwei Menschen, die ich wirklich als Freunde bezeichnen würde. Das ist einerseits die Braut, mit der ich alles erlebe was ich erlebe, wenn ich denn mal was erlebe, und dann das andere Ding in Berlin. Das für mich da wäre würde ich es in Anspruch nehmen und die mir immer wieder sagt, wie gut ich doch sei indem was ich tue, auch wenn ich weiß, dass sie 99% Übertreibung hinzufügt. Aber das machen Freunde nun mal. Ich habe einige Bekannte. Nicht mal da kann man sagen, dass es viele sind. Weil ich mich, aus welchen Gründen auch immer, nicht sehr für die Menschen interessiere, die mich umgeben. Das begründet sich nicht darin, dass ich arrogant bin und der Ansicht, dass ich etwas Besseres bin als sie. Ich kann einfach nichts mit ihnen anfangen. Ihre Gespräche langweilen mich. Die immer wiederkehrenden Themen. Ich habe die schlimme Erfahrung machen müssen, dass sich ab einem gewissen Alter die Gespräche nur noch darauf beziehen was man wo umbaut und wo man wann vorhat die Pille abzusetzen. Außerdem versäuert es mir sehr die Stimmung wenn mir vorgehalten wird, dass ich, jetzt wo ich doch schon soooooooooo alt bin, anfangen sollte mir einen Kerl zu suchen wegen Ehelichung und Kinderkriegung.


Ich erlebe immer öfter, dass sich mein Umfeld, Leute die in meinem Alter sind, sich anders weiter entwickeln als ich. Finde ich grundlegend nicht schlimm. Jeder hat das Recht sein Max-Mustermann-Leben zu leben und ich glaube nicht, dass ich all zu happy werde mit dem was ich momentan betreibe. Aber die Gesprächsthemen die sich aus so einem Leben entwickeln langweiligen mich. Ich finde es z.B. sehr angemessen sich ewig darüber zu äußern, dass Daumen einfach mal eklige und faschistische Dinger sind ohne mit einem „Ich will mal sehen wie du rumheulst, solltest du keine Daumen haben.“ unterbrochen zu werden.


Ich habe außerdem im Laufe meines Lebens bemerkt, dass ich mich schwer auf mehrere Freundschaften gleichzeitig konzentrieren kann. Wenn mich einer als Freund hat, dann hat der mich. Ich muss nicht Tage und Nächte mit dieser Person verbringen, aber jede weitere Ablenkung würde sicher meinen Energiefluss stören. Oder mir Blähungen machen. Ich weiß es nicht, weil ich es bisher noch nie auf die Reihe gekriegt habe, mehr als drei Freundschaften parallel laufen zu lassen. Ich umgebe mich gerne mit Leuten die auch sonst gerne ihr Eigenbrötlerding durchziehen. Weil sie mir ähnlich sind. Und ich besitze das Talent allein sein zu können. Ich langweile mich oft in unglaublichem Ausmaß. Aber es ist mir egal. Ich sehe es nicht als Verpflichtung an, jedes Wochenende von einer Hausparty zur Nächsten zu tingeln nur um allen Leuten die ich dort treffe gerecht zu werden. Ich besaufe mich Freitags Abends allein zu Hause und schreibe eigenwillige Blogeinträge. Was erwartet ihr?


Und daher stellt sich mir die Frage ob ich überhaupt für Freundschaften gemacht bin. Es gibt Menschen die ich gern habe. Die ich auch gerne um mich habe. Aber Freundschaft ist so wie Seelenfummeln. Man sagt sich Dinge die man sonst niemandem erzählen würde und erlebt Dinge die man sonst nicht erleben würde. Freundschaft ist eine zu wichtige Sache als dass man sie leichtfertig teilen möchte. Zumindest sehe ich das so.


Ich mag die Menschen oftmals nicht, weil sie nun mal so sind wie sie sind und mir wahrscheinlich vorführen wie ich selber bin. Aber die Menschen, die ich mag, die mag ich. Und trotz meiner schlechten Erfahrungen die ich machen durfte, halte ich daran fest. Und nennt mich naiv, aber ich glaube daran, dass es das geben kann. Diese „friends forever“. Ohne die dazugehörigen Ketten. Und ich hoffe ich werde dies finden. Wie andere auf die große Liebe hoffen. Und vielleicht habe ich meine Louise schon gefunden. Wer weiß. (Ja Schlampe, du bist gemeint. Genau du. Du Opferspast. Du Pseudopunk mit ausgewaschenen lila Haaren. Bitch!)

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4 Gedanken zu “ABF4L

  1. Moin,

    Du sprichst mir da in sehr vielen Punkten, inkl. Kindergarten aus der Seele. In Punkto der Freunde… tja was soll ich sagen, ich kann halt bei der Konsistenz von Babyscheisse nicht mitreden, die anderen Stories haben einen riesen Bart und spaetestens bei …“Ei, mir ham die gleiche Tapete wie Xy im Schlafzimmer“ (und alles bewundernd nickt), bekomm ich den Drang die Veranstaltung schnellstens zu verlassen.
    Und nach solchen Erlebnissen wundert man sich warum der Typ nicht oefter meldet-der ist aber auch komisch….

    Joh.

  2. Ich erkenne mich oft in deinen Beiträgen wieder. Ich merke wie dein Stil mich beeinflusst. Und ich denk mir so: Ey die würd ich gern mal kennen lernen. So in echt. Wir würden uns mögen. Und stelle fest das das gequirlter Scheiß ist. Entweder wir hätten uns nix zu sagen oder würden uns anpöbeln. Aber das nur so nebenbei

    • Keine gequirlte Scheiße. Ich kenne das. Es ist, weil man meint einen Menschen besser zu verstehen. Und vielleicht ist das sogar der Fall, weil man so einen Blog nutzt um Dinge loszuwerden, die einem mit einem menschlichen Antlitz vor dem eigenen Gesicht nicht über die Lippen kommen würden. Ob es dann in der Praxis wirklich so ist, fraglich. Wie jede soziale Interaktion. Ob Blog als Basis oder das Teilen von Klopapier auf nem Festival.

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