Mutation

Eine neue Seuche geht in Deutschland um. Eine, die nichts mit niesenden Schweinen oder verrückten Rindern zu tun hat. Es ist eine neuer Art von Mensch, eine Mutation die in ganz Deutschland anzutreffen ist. Man sieht sie überall. Die Ansteckungsgefahr ist ziemlich gering, außer man umgibt sich mit dieser Menschenversion. Zum Glück gibt es noch genug Menschen die ausreichend Antikörper besitzen, um sich gegen die Mutation zu wehren. Und das Allerschlimmste ist, dass auch ich einer dieser Mutantenwesen bin. Worum es sich handelt? Es sind diese selbsternannten Prollgören. Diese Weiber die fluchen wie die derbsten Hafenarbeiter und bei denen man das Gefühl hat, man müsste ihnen mal mit einer Wagenladung Vanille-Seidenextrakt-Smoothfeeling-Seife den Mund auswaschen. Es sind die Frauen, die sich ihrer Weiblichkeit bewusst sind, haben sie ja meist Brüste und reduzieren ihre feminine Seite auch auf dieses Attribut. Doch so wie man von vielen Männern erwartet, dass sie sich ihrer weiblichen Seite bewusst werden, haben sie erkannt, dass in ihnen ein Kerl steckt, der sich Gehör verschaffen will.

Wahrscheinlich gibt es diese Frauen schon immer. Ich habe mich zu wenig mit diesem Phänomen auseinandergesetzt um die Angelegenheit mit einer wissenschaftlichen Genauigkeit zu betrachten. Aber hey, hier geht es um Pornos und meine Ausflüge in den Katholizismus. Wer meint wissenschaftlich fundierte Dinge lesen zu müssen, kauft sich ein Buch das dieses Thema eingehend mit Feldversuchen veranschaulicht.

Wie schon gesagt. Auch ich gehöre dazu. Zu dieser eigenartigen Sorte von Frau, die der Ansicht ist, dass es in Ordnung ist, sich aufzuführen als wäre sie eine direkte Nachfahre von Al Bundy. Oft bedienen sich diese Damen dem Sprachstil den man von den Pseudo-Ghetto-Rappern der deutschen HipHop-Szene kennt. Das machen sie nicht, weil sie auch eine Karriere als Unterschichten-Rapper anstreben, sondern weil es ihre Art ist, sich verbal auszudrücken. Jeder ist ein „Alta“, „verfickt“ ist sowieso alles und jegliche andere Form von Beschimpfung findet dort ein wohliges warmes zu Hause und muss sich nicht sorgen unter einer Brücke nächtigen zu müssen. Das Prollmädchen rülpst. Es ist nicht dieses heimliche, Kopf wegdrehen und dann kurz den Körper zucken lassen Gerülpse. Es ist laut und fordernd. Natürlich weiß es, dass es das nicht immer und überall machen kann. Aber wenn es sich unter ihresgleichen aufhält ist das wahrscheinlich eins der liebsten Beschäftigungen. Es kann schon einmal vorkommen, dass es in idylischem Familienterror die obligatorischen Streitereien mit seinen tiefen, von Herzen kommenden Talenten untermalt. Das ist ihr vielleicht sogar kurzzeitig peinlich, doch dann findet sie es cool und freut sich heimlich, weil alle anwesenden Männer neidisch kucken. Denn die dürfen das nicht, weil sie ihre braven Weibchen neben sich sitzen haben, die ihnen fies in die Seite boxen, wenn sie sich ein bisschen gehen lassen. Sie trinken Bier, reden in aller Öffentlichkeit über Schwänze, ficken und über Fleisch. Denn eins scheint auch ein Merkmal dieser Mutation zu sein. Fleischeslust. Egal ob dieses Fleisch an einem Kerl hängt oder bibbernd auf dem Grill liegt. Das Prollgör muss nicht zwingend Ahnung von Kerls-Sachen haben. Aber es steht auf Filme mit Blut, kriegt bei Kitschfilmen das Kotzen und kriegt Stielaugen, wenn ein aufgemotztes Auto an ihm vorbei fährt. Diese Form von Frau kann schon mal mit ihrer Art einen wunderbaren Griff ins Klo landen. Wenn sie z.B. bei der Unterredung mit dem Vorgesetzten Äußerungen von sich gibt, die davon handeln, dass auch ihr ein bestimmtes Verhalten auf den Sack ginge. Dann schämt es sich, das Ding. Weil es sich doch auch gewählt ausdrücken kann, es aber teilweise einfach vergisst.

Es gibt nur wenige dieser Mutationen, die man ernst nehmen kann. Meist trifft man sie auf den Busbahnhöfen der Nation und sieht peinlich berührt weg, wenn sie ihrem Gegenüber davon erzählen, dass sie dessen Mutter ficken werden. Auch ich finde diese verbalen Entgleisungen ziemlich peinlich, auch wenn ich Teil dieser Mutantenbewegung bin. Denn ich bin der Meinung, man sollte immer noch unterscheiden. Vielleicht verlange ich dies auch nur, weil ich nicht mit diesen Jogginghosetragenden Ghettobitches in einen Topf geworfen werden möchte. Als Eigenschutz und vielleicht belüge ich mich auch selbst und gehöre eigentlich genau da hin. Rein in den Prollschlampentopf, Deckel drauf und bei mittlerer Hitze matschig kochen bis wieder wohlerzogene Gören raushüpfen.

Vielleicht hat aber die Mutation bei mir noch nicht so ganz die Oberhand gewonnen. Ich bin der Ansicht, dass ich ein ziemlich höflicher Mensch bin. Ich sage „Danke“, „Bitte“, „Entschuldigung“ und wünsche der Dame an der Lidl-Kasse ein schönes Wochenende und meine das auch meist noch so. Doch immer öfter fällt mir auf, dass mein Verhalten, insbesondere meine Sprachwahl dazu führt, dass ich mich abgrenze von diesen anderen Frauen, die auf diesem Planeten herumlaufen. Im Dialog mit Nicht-Mutanten fällt mir dies besonders auf. Denen geht nichts auf den Sack, die sind von Dingen genervt. Die wollen keinem eine aufs Maul hauen, die finden es einfach nur gemein. Sie entschuldigen sich sogar, wenn sie niesen und schaffen es beim Essen von fettigem Futter, dass ihre Futterluke danach nicht aussieht als wäre sie mit fünf Liter Pflanzenöl eingerieben worden. Wenn sie über Sex reden, dann werden sie rot und beginnen zu kichern. Masturbation ist ein Thema, das man gar nicht anschneiden darf, denn so was macht man doch nicht. Sie gehen zwar in Sex-Shops, aber machen sich nicht direkt im Laden über die Männer in den grauen Mänteln lustig, die vor den Anscheiß-Videos stehen.

Wenn ich auf Menschen treffe, insbesondere Kerle, dann attestieren die mir, dass ich anders sei. Das ich das Talent besitzen würde, die Welt mit den Augen eines Mannes zu sehen. Das finden die gut. Diese Männer. Sie klopfen mir lobend auf die Schulter und lachen mich aus, wenn ich dann doch mal quietschend ein „Aua!“ von mir gebe. Ich bin die Frau mit dem Schwanz im Kopf. Der Saufkumpel mit Extras. Ich mache das nicht, weil ich meine, genau so eine wollen die Männer haben. Denn die Praxis beweist mir sowieso das Gegenteil. Denn Männer sind alle ein klein wenig homophob. Und was für ein Typ möchte bitte mit einem anderen Kerl, auch wenn dieser Brüste hat, ein Bett teilen? Eben.

Es gibt da diesen Song von Borgore. Nennt sich Love. Und der
einzige Text der dort zu hören ist, ist folgender.

„‚Cause I love your pretty smile.
I love your needy style.
I love to be able to see that you are glamorous from a mile.
I love the way you look.
I love the way you cook.
I spend all the time watching your pictures on the facebook.
‚Cause I love to buy you flowers.
I love our hot showers.
I can watch you sleeppin‘ for hours and hours.
I love the way you dance.
The way you shake that But the thing I love most is cummin‘ on your face, suck it bitch”

Der Rest ist dann Dubstep-Zeuch gemischt mit Würgegeräuschen einer jungen Dame die es wohl grad wüst suckt, die bitch. Ich feiere den Song wie kein Anderer. Das sagt schon sehr viel darüber aus, wie weit sie vorangeschritten ist. Und ich habe Angst vor dem Tag, an dem ich eben nicht mehr zurückkehren kann in den Normalo-Modus und nur noch Verbal-Dünnschiss von mir gebe, weil ich es nicht besser weiß und es einfach nicht mehr kann.

Das erste Wort meines Kindes kein „Mama“ oder „Papa“ sondern ein gepflegtes „FUCK!“? Ich bin oftmals selbst darüber schockiert, wie sehr ich hineinrutsche in diese Schiene der Prolligkeit, total unbewusst, und es dann auch noch gut finde. Es geht sogar schon so weit, dass, wenn ich einmal ein anderes Verhalten an den Tag lege, was vielleicht sogar einmal was mit Gefühlen zu tun hat, ich schräg angekuckt werde. Weil man es nicht von mir gewöhnt ist. Weil ein Mutantenweib, wie ich, so etwas nicht macht. Gefühle haben und die dann auch noch zeigen. Ein falsches Wort und plötzlich bin ich doch auch so eine Zicke wie jedes andere Frauchen auch.

Doch was sagt das Prollweibchen in mir? Genau. „Scheiß drauf, verfickt noch eins. Geht mir ja mal so was von am Arsch vorbei ihr Ficker. Wer damit nicht klar kommt, kann mir meinen Arsch küssen und sich den Finger in selbigen schieben. Prost!“

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