Foodfight

Ich sag es so wie es ist. Ich bin eine humanoide Fressmaschine. Ich könnte mich den ganzen Tag mit nichts Anderem beschäftigen als zu essen. Nicht aus Hunger, sondern aus einem tiefen in mir sitzenden Drang meine Kauleiste und den Schluckreflex zu trainieren. Und dabei kommt es mir nicht mal darauf an, ob das, was ich mir da in die Backen stopfe, ein kulinarischer Hochgenuss ist. Das ist mir ziemlich egal. Ich würde wahrscheinlich Känguru-Hoden essen wenn ich nicht wüsste, dass es welche sind und sie schön frittiert wären. Ich esse nicht der Nahrung, sondern des Essens wegen. Es kommt sehr selten vor, dass ich Nahrungsmittel aufgrund ihres schlechten Geschmacks nicht aufesse. Ich hab sogar diesen würg-kotz-brech-Döner in Wien aufgegessen, von dem mir noch Stunden danach schlecht war. Der hat Geld gekostet. Ich hatte Hunger. Alles gute Gründe für mich um ihn nicht wegzuwerfen oder einer der versnobten alten Pelzmützenladies, die da rumliefen, auf den Kopf zu werfen.

Ich habe sogar schon einen gewissen Status in meinem kleinen Freundeskreis. Man nennt mich liebevoll Biotonne. Oder auch Schwein. Weil ich die Person bin, die all das aufisst, was andere übrig lassen. Weil man das doch nicht wegwerfen kann. So was macht man doch nicht. Dies geht leider auch so weit, dass ich in Situationen komme, in denen folgende Dinge gesagt werden.

„Boah, das ist echt eklig. Barbara, willst du das essen?“

Nicht sehr schmeichelhaft aber schlussendlich habe ich diese dort beschriebene Ekelhaftigkeit gegessen. Konnte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.

Man merkt also, dass ich ganz gut bei Edeka arbeiten könnte, denn auch ich liebe Lebensmittel.

Jetzt gibt es aber diese Frauen. Diese spezielle Version davon die es schaffen, dass sich mir dir Fußnägel aufstellen. Ich nenne sie Vortäuscher. Denn das tun sie. Sie täuschen etwas vor. Und zwar riiiiiiiiiiiiesengroßen Hunger.

Erst heute durfte ich einem solchen Vortäuscher gegenüber sitzen. Ich wurde gebeten sie doch zum Fetttempel mit dem goldigen M zu begleiten. Ich hatte zwar keinen Hunger aber man kann ja auch einfach nur kucken oder eine Cola trinken. Vor diesem „Restaurant“ stand der Truck mit überdimensionalen Aufdrucken eines Big Macs. Der Vortäuscher jauchzte fröhlich und behauptete, dass er genau jetzt so ein riesiges Ding essen könnte. Es ist mir klar, dass dies meist übertrieben ist und trotz der Möglichkeit, dies eventuell in die Realität umzusetzen, niemals machbar wäre. Doch diese Aussage verdeutlichte mir, dass diese nette Dame neben mir einen Bärenhunger haben muss. Schlussendlich saß ich, die doch eigentlich gar nichts essen wollte, vor einem kleinen Burger und einer überteuerten Shrimps-Box. Der liebe Vortäuscher begnügte sich mit einem Wrap und einer kleinen Portion Curly Fries. Dazu gab es den obligatorischen Cola light-Eimer. Als das Pappkartonfutter seinen Weg in unsere Mägen fand, war dem Vortäuscher schlecht. Nicht weil dieser eigenartige Wrap von minderer Qualität war oder ihm nicht gemundet hat, nein, sondern weil er so vollgefressen war. Ich, die Frau ohne Hunger, hatte kein Übelkeitsgefühl. Ich spielte sogar mit dem Gedanken mir doch einen Kuchen zu holen.

Und genau das ist der Punkt der mich zum Platzen bringt. Diese unerträgliche Mädchenattitüde, die manche Frauen meinen mit sich herumschleppen zu müssen. Ich habe oftmals die Theorie, dass wenn man denen sagen würde, dass ein Atemzug ca. 3 kcal hat, sie würden nur noch atmen, wenn es wirklich absolut notwendig ist. Bei diesen Menschen ist es wohl nicht die Menge die sie satt macht, sondern die Masse an Kalorien. Die haben in ihrem Magen so ein kleines Buchhaltermännlein sitzen, das genau den Eingang der Kalorien notiert um dann, ab einem bestimmten Wert die Übelkeitsmännlein in den giftgrünen Anzügen anzurufen um sie aus ihrer Höhle zu locken. Ich verlange keineswegs, dass jeder so frisst wie ich. Wie eklig fett wir doch alle wären, würden wir solche Mengen wie ich verschlingen. Jedoch kann ich es nicht mehr hören. Es macht mir Übelkeit, wenn ein vermeintlich ach so großer Hunger damit endet, dass man dann die Hälfte des Cola-Eimers stehen lässt, weil man sonst vermutlich platzen würde. Wenn ich einen solch monströsen Hunger habe und meine, den in einem dieser Fetttempel stillen zu müssen, dann gibt’s den größten Burger, die größte Portion Pommes und noch einen kleinen Burger zur Magenberuhigung. Wenn mir dann schlecht ist, dann hab ich allen Grund dazu. Denn von so etwas kann einem nur schlecht werden.

Und diese Vortäuscherfrauen sind auch meist die, die bevor sie sich ein Nahrungsmittel kaufen, Kalorientabellen studieren. Höchstwahrscheinlich wissen sie sogar ganze genau, mit zwei Stellen hinter dem Komma, wie viel von den bösen Kalorien sie den ganzen Tag schon in sich geschaufelt haben. Und das witzigste ist eigentlich, dass genau diese Damen dann nicht grade die Schlanksten sind. Es sind die mit den kleinen Speckhüften, die die Hälfte ihres Lebens damit vergeuden, sich selbst auf Diät zu setzen. Für Frauen wie sie erfinden Frauenzeitschriften diese lustigen Diäten bei denen man z.B. eine ganze Woche nur Annanas fressen darf und dann wunderbare 2 Kilo abnimmt.

Ich persönlich finde meinen Körper jetzt auch nicht grade berauschend. Da ein bisschen zu viel, da noch ein bisschen mehr zu viel. Aber hey, kein Wunder. Ich fresse wie ein Scheunendrescher. Was erwarte ich? Und die kleinen Speckdinger, die ab und zu unbeabsichtigt aus dem T-Shirt glotzen, weil sie auch mal was von der Welt sehen wollen, die haben teuer Geld gekostet. Also alles easy.

Ich verstehe es, wenn Leute mit ihrem Aussehen nicht zufrieden sind. Denn ich bin es auch nicht. Und ich werde ganz sicher nicht mit platten Sprüchen um mich werfen wie „Ja wenn man nicht zufrieden ist, dann kann man ja was dagegen machen.“ Würde ich mir ja ins eigene Fleisch schneiden, denn das könnte man auf andere Lebensbereiche ausweiten (Rauchen). Aber ich möchte manche Sätze einfach nicht mehr hören weil sie dazu führen, dass mein Hirn anfängt zu bluten und zu weinen. Es sind diese weinerlichen Sätze, die davon berichten wie viel man gegessen hat. Die davon erzählen, welch Massen man in sich gestopft hat, die dann witzigerweise nicht mal ansatzweise als Masse durchgehen. Die Sätze, bei denen die Tränen literweise herunter perlen, an jedem einzelnen Buchstaben, weil man doch so fett ist.

Liebe diätgeile und körperhassende Weiber. Wenn ihr Hunger habt, habt Hunger. Esst und seid zufrieden. Aber lasst mich doch bitte in Ruhe mit dieser puren Übertreibung mit der ihr meinem Mädchen in mir ein schlechtes Gewissen macht. Wisst ihr, ich bin auch nicht aus Stein. Auch ich lasse mich ab und zu beeinflussen. Zumindest gewisse Teile von mir. Und wenn ich mit Burgersoße um den Mund davon höre, wie unglaublich satt ihr doch seid, obwohl ihr ein fünftel von dem gegessen habt, was ich in mich stopfe, fängt das kleine dicke Mädchen in mir an zu weinen. Es heult sich die Augen aus dem Kopf, reibt sich mit seinen kleinen dicken Fäusten die Tränen in die speckigen Bäckchen und bespuckt sein Spiegelbild.

Esst, erfreut euch am Essen und wenn ihr rumheult, dass ihr zu dick seid, GEHT NICHT ZU MC DONALDS. Danke!

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2 Gedanken zu “Foodfight

  1. Lustigerweise hat der Wrap mehr Kalorien als der Burger und Diätcola macht aufgrund des Süßstoffes (der auch in der Schweinemast Verwendung findet) erst recht dick.

    Beim Essengehen Diät halten zu wollen, ist in der Tat der falsche Weg. Wenn man etwa ein Gegenüber hat, das nur in einem kleinen Salat herumstochert, vergeht einem selbst auch der Appetit. Das ist so, als habe man sich ins Freibad verabredet und muss sich dann anhören „Ich tauche immer nur die Zehen ins Wasser, um nicht so nass zu werden!“

    Ein gutes Buch zu diesem Thema ist „Eßt endlich normal!“ von Udo Pollmer.

  2. Ich glaube, Sie sind ein freundliches, nettes Mädchen mit einer lieben Stimme. Ich glaube sogar, dass Sie sich ganz manierlich benehmen in der Öffentlichkeit. Was ich aber sicher weiss ist, dass der Titel dieses Blogs „Frohfrei aber Sinn“ lautet.

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